SCHMIDT KUNSTAUKTIONEN DRESDEN AUKTION 74     03.12.22

227   Richard Müller "Aus dem Westen. 40 Kriegs-Zeichnungen aus dem Kriegsgebiet Belgien und Frankreich". 1915.

Lichtdrucke nach Bleistift- und Kohlestiftzeichnungen des Künstlers. Mappe mit 40 Blättern. Jeweils im Medium signiert, teilweise datiert und bezeichnet. Mit Inhaltsverzeichnis, Widmung und Deckblatt. Herausgegeben vom Nationalen Verlag Wilhelm Felsing, Charlottenburg-Berlin. Normalausgabe. In der originalen Leinenmappe mit geprägtem Titel.
Nicht im WVZ Wodarz erwähnt.

Blatt 40 abgebildet in: Künstler und Publikationen, Richard Müller 1874–1954 – Phantasie und Wirklichkeit – Ein Künstler zwischen Surrealismus und Realismus. Dr. Moeller & Cie, Hamburg, 2018. S. 8.

Bereits kurz nach Beginn des Ersten Weltkriegs am 28. Juli 1914 mit der Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien meldete sich Richard Müller als Kriegszeichner und kam zum 1. Landsturm Infanterie Bataillon 2. Kompanie im belgischen Dinant und Sedan. Ab etwa November 1914 wurde er für seine Studien dienstfrei gestellt, seine Hauptaufgabe lag nun im Zeichnen von Landschaften und Festungen für das Bataillon. Neben diesen Arbeiten entstanden ca. 200 eigene Zeichnungen, überwiegend in Blei gezeichnet, bis er im April 1915 auf intensives Bemühen der Dresdner Kunstakademie vom Wehrdienst zurückgestellt wurde und in seine Heimatstadt zurückkehrte.
Charakteristisch ist für diese Werke insbesondere, dass sie fast ausschließlich die Zerstörung der Städte und Ortschaften schildern, nur sehr selten Objekte wie Waffen oder tote Tiere zeigen und die Darstellung toter Soldaten und das grausame Sterben von Menschen, wie es aus Werken von Otto Dix oder George Grosz bekannt ist, vollständig ausblendet. Nur in sehr vereinzelten Zeichnungen beschreibt Müller das Kriegsleiden allegorisch. Dass Richard Müller das schreckliche Leiden der Soldaten nicht gesehen hat, ist auszuschließen und so muss davon ausgegangen werden, dass er es in seinen Arbeiten systematisch außer Acht ließ, wohl, weil er nicht fähig war, das Gesehene bildnerisch festzuhalten.
Mit einer Auswahl von 171 Zeichnungen initiierte Richard Müller im September und Oktober 1915 eine Ausstellung in der Galerie Arnold, Dresden, um Not leidende Familien von Künstlerkollegen zu unterstützen.
Vgl. Corinna Wodarz: Symbol und Eros. Die Bildwelten Richard Müllers (1874–1954) mit dem Katalog des Gesamtwerks. Göttingen, 2002, S. 222–231.

Blätter an den Rändern teilweise knickspurig. Abb. unversehrt. Einband mit vereinzelten Flecken, Rücken kratzspurig.

Bl. 41,5 x 32,5 cm, Mappe 43 x 33,5 cm.

Schätzpreis
360-400 €