561 Rheinischer Meister (?), Pietà (Vesperbild). Um 1300- 1320.
Lindenholz, vollplastisch geschnitzt, rückseitig gehöhlt. Gefaßt.
Auf horizontal dreifach geteiltem Sockel in kontemplativer Haltung sitzende Maria mit leicht geneigtem Kopf. Auf ihrem Schoß der sitzende Christus in aufrechter Haltung, von Maria liebevoll mit der rechten Hand gehalten. Ihre zarter und kleiner gearbeitete linke Hand ruht auf dem Bein Christi. Das Gewand fällt in reich modellierten, weich fließenden Muldenfalten über das Untergewand. Der Oberkörper Christi ist dem Betrachter zugewandt, ein Tuch umhüllt die Beine bis zu den Knien; sein Kopf ist dornenbekrönt. An den Füßen die Wundmerkmale. Ruhige Gesichtszüge Christi mit geschlossenen Augen. Haare sowie Bart fein ausgearbeitet.
Restaurierter Zustand. Mit Resten übereinanderliegender Fassungen, teilweise stärker berieben. Wurmstichig, partiell rissig.
Dieses als "freudvolle Pietà" konzipierte Vesperbild, in welchem Maria den aufrecht sitzenden Körper ihres toten Sohnes stützend hält, gehört zu dem frühen Typus dieser erst im 14. Jahrhundert entstehenden Andachtsbilder. Nicht den klagenden Schmerz geben die Gesichtszüge der jugendlichen Maria wieder, vielmehr verinnerlichen sie das Wissen um die Vollendung des heilbringenden Leidens. Die kindhafte Darstellung Christi, die natürlichen Größenverhältnisse mißachtend und ihn nahezu als untergeordnetes Attribut Mariens zeigend, unterstreicht die Konzentration auf die leise, symbolhafte Dramatik des Seelenlebens der Mutter Gottes.
H. 86 cm.