SCHMIDT KUNSTAUKTIONEN DRESDEN AUKTION 26     04.12.10

723   Max Lachnit "Auschwitz II (Fliehender Engel)". 1949- 1952.

Bronze, gegossen, dunkelbraun patiniert. Auf der Plinthe rückseitig signiert "Max Lachnit". Posthumer Sandguß; wohl für die Galerie am Sachsenplatz, Leipzig.
Unterseitig zwei kleine Gewindeöffnungen, diagonal versetzt.

Für Lachnit war die gezielte Vernichtung menschlichen Lebens in Auschwitz bereits seit 1949 ein Thema, das er künstlerisch vielfach umsetzte und welches 1958 in der Teilnahme im Wettbewerb um ein Mahnmal für die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers seinen Abschluß fand.
In dieser sehr poetischen Ausformung des Auschwitz-Themas flieht die als Engel personifizierte Hoffnung vom Ort des Schreckens; ihre linke Hand greift über dem Kopf nach dem Tuch, mit wessen Hilfe sie ins Dunkel entschwindet, die in Trauer gebeugte Frauengestalt ihrem unausweichlichen Schicksal überlassend. Sieht man in der Figur des Engels eine Metapher für den christlichen Glauben bzw. für den Boten der guten Nachricht, so wird man einer inhaltlichen Drastik gewärtig, die den fließenden, sanften Gestalten kontrastierend gegenüber steht.


Literatur:
Eschebach, Insa [Hrsg.], Gedächtnis und Geschlecht. Deutungsmuster in Darstellungen des nationalsozialistischen Genozids, Frankfurt/Main 2002, S. 374
Ausstellungskatalog "Max Lachnit 1900-1972. Plastik, Malerei, Grafik", Kloster Unser Lieben Frauen, Magdeburg 1991; S. 112, Abb. 64 (S. 85).

H. 32,5 cm.

Schätzpreis
2.400 €
Zuschlag
2.000 €