102 Max Pietschmann, Nymphe – Studie zu "Fischzug des Polyphem". 1891.
Öl auf Leinwand, auf Malpappe montiert. Signiert und datiert "M. Pietschmann 1891" u.re. Gerahmt in einem grau-schwarzen hölzernen Rahmen.
"Der Fischzug des Polyphem" (1892) nimmt Bezug auf die altgriechische Erzählung des Zyklopen Polyphem, der die Nereide Galatea begehrte. Galatea wies Polyphem aufgrund seines ungeschickten Werbens und seines hässlichen Äußeren zurück. Polyphem überwand seinen Liebeskummer mithilfe der Musik. In einer Version der Erzählung wurde Polyphem jedoch von Wut erfasst und tötete Acis, den Liebhaber Galateas.
In der Kunst wird das Paar unterschiedlich dargestellt. Raffaels "Triumph der Galatea" zeigt die Nereide mit ihrem Gefolge und Meereskreaturen. Gustave Moreau und Odilon Redon stellten die nackte Galatea in einer Grotte dar, beobachtet von dem ungeheuerlichen, einäugigen Zyklopen.
In Max Pietschmanns symbolistischem, großformatigen Gemälde (3,8 x 2,6 m) wird Polyphem zum monumentalen Fischer – mit seinem Fischnetz fängt er drei Nereiden, triumphierend hält er Galatea empor. Pietschmann begann das Werk 1890 in Italien, vollendete es in Dresden und stellte es 1893 auf der Weltausstellung in Chicago aus. Zu diesem Hauptwerk schuf er zahlreiche Gemäldestudien. Die hier angebotene Ölstudie zeigt die linke der Nereiden, die im rechten Hintergrund des Hauptwerkes das Geschehen im Vordergrund mit Schrecken beobachten.
Pietschmanns Komposition verweist auf eines der zentralen Themen des Symbolismus – den Kampf der Geschlechter. Der erotisch inszenierten Weiblichkeit der Nymphen wird der nahezu überspitzt männliche, riesenhafte und durch seine Einäugigkeit verstörende Körper des Polyphems entgegengesetzt, der nicht scheut, seine überlegene Kraft einzusetzen, um Galatea zu erobern.
Das verschollen geglaubte Gemälde wurde 2021 auf dem deutschen Kunstauktionsmarkt verkauft.
Die Ecken des Bildträgers leicht bestoßen. Malschicht im o.re. und u.re. Eckbereich mit gelblichen Flecken, weitere sehr kleine Fleckchen auf der Bildfläche. Verso mit kleinen Läsionen.
34,2 x 36,2 cm, Malpappe 35 x 36,9 cm, Ra. 43,5 x 45,5 cm.