121 Ernst Hassebrauk "Hängende Pute". 1955.
Öl auf Leinwand. Signiert "Hassebrauk" u.re. Verso auf dem Keilrahmen nochmals signiert, betitelt und seitenverkehrt datiert. Ortsbezeichnet "DRESDEN". Auf dem Keilrahmen und Leinwand mehrfach nummeriert. Von fremder Hand bezeichnet. Schmale, aufgenagelte Holzleisten im Falzbereich. In einer profilierten, dezent farbig gefassten Holzleiste mit Zier- und Abschlussleiste mit Wellenbanddekor gerahmt.
Abgebildet in: Uhlitzsch, Joachim / Schumann, Waltraud (Hrsg.): Ernst Hassebrauk 1905 – 1974. Katalog zur Ausstellung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden – Galerie Neue Meister, Dresden 1979, Nr. 101, Abb. 12.
Das Gemälde in beeindruckendem Großformat zählt zu den Hauptwerken Ernst Hassebrauks. Es entstand während seiner Schaffenszeit in Dresden-Loschwitz. Das Œuvre des damals fünfzigjährigen Malers war zu diesem Zeitpunkt bereits weit gereift. Deutlich wird dies unter anderem am kräftigen Farbauftrag im Gefieder des Vogels – einem für die Arbeiten jener Zeit charakteristischen Duktus.
Fritz Löffler schreibt zu Hassebrauks stilistischer Entwicklung ab den frühen 1940er Jahren: "Auch in den Stilleben entwickelte sich die malerische Auffassung weiter. Der Pinselstrich wird pastoser, von einer zeichnerischen Grundkonzeption läßt sich nichts mehr bemerken. (…) Alle diese Stilleben sind natürlich den Anregungen der flämischen und niederländischen Meister des 17. Jahrhunderts verpflichtet, die Hassebrauk aus seinen frühen Galeriebesuchen schon so wohlvertraut waren. Sie sind aber darüber hinaus Ausdruck eigenster Weltsicht und entsprechen seinem persönlichen Habitus. Er war zeit seines Lebens den weltlichen Genüssen und auch den Tafelfreuden zugetan." (zitiert nach: Löffler, Fritz: Ernst Hassebrauk, Leben und Wer, in: Uhlitzsch, Joachim / Schumann, Waltraud (Hrsg.): Ernst Hassebrauk 1905 – 1974. Katalog zur Ausstellung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden – Galerie Neue Meister, Dresden 1979, S. 28.)
Löffler verweist damit auf jene Stillleben, in denen Hassebrauk eine Vielzahl von Objekten nahezu opulent auf einem Tisch arrangierte. Das hier angebotene Werk hebt sich durch seine schlichte und zugleich monumentale Komposition in besonderer Weise ab. Es lebt von der Konzentration auf drei senkrecht angeordnete Bildelemente, wobei die kopfüber hängende Pute eine zentrale Rolle einnimmt. Darin vereinen sich die von Löffler erwähnten Einflüsse barocker Stillleben mit dem bei Hassebrauk häufig anklingenden Todesmotiv, von dem Dieter Hoffmann mit Bezug auf das vorstehende Gemälde schreibt: "Stilleben wie 'Kalbskopf', 1939, und 'Hängende Pute', 1955, sind kaum allegorisch gemeint, eher eine Auseinandersetzung mit der Tradition der nature morte bis zu Cranach zurück." (zitiert nach: Hoffmann, Dieter / Döbele, Hedwig: Hassebrauk. Leben und Werk. Stuttgart / Zürich 1981, S. 244).
Bildträger mit einer kleinen, keilrahmenbedingten Deformation in der o.li. Ecke. Malschicht mit Farbverlusten im Bereich des Schnabels der Pute, der gelben Schale, in dem Farbfleck am o.re. Bildrand, entlang der äußersten o. Bildkante sowie an einer Federspitze des li. Flügels. Pastose Farbbereiche mit vereinzeltem, unscheinbaren Krakelee.
110 x 80 cm, Ra. 123,2 x 92,9 cm.