SCHMIDT KUNSTAUKTIONEN DRESDEN AUKTION 41     13.09.14

123   Julius Eduard Braunsdorf, Hängeampel mit Veilchen. 1864.

Gouache auf grau grundiertem Bütten. Unterhalb der Darstellung re. in Blei signiert "E. Braunsdorf" und datiert. Hinter Glas in profilierter Leiste gerahmt.

Provenienz: Sächsischer Privatbesitz.

Noch heute gehört das präzise Studium von Blumen und beispielsweise von Insekten zu den grundlegenden Ausbildungsinhalten eines Porzellanmalers. Julius Eduard Braunsdorf zählte zu den herausragenden Vertretern dieser Zunft und arbeitete für die wichtigste deutsche Porzellanmanufaktur - Meissen. Bekannt besonders für seine späteren, in impressionistischer Manier auf das Porzellan gehauchten Blumenstillleben, schuf er zu Beginn seiner Karriere Arrangements, die sich an den Meisterwerken der niederländischen Stillebenmalerei des 17. Jahrhunderts orientierten: Die "Hängeampel mit Veilchen" ruft die Erinnerung an Werke von Jan Davidsz. de Heem oder auch an die üppigen Blumengebinde von Rachel Ruysch wach. Auch ihnen gelang es, ihre fragilen, blühenden Vorlagen durch extreme Detailtreue und Lebensnähe dem unumgänglichen Prozess des Welkens zu entziehen.
Nicht nur die malerische Finesse, sondern auch inhaltliche Aspekte erlauben es, das Blatt in einer solchen Tradition zu sehen. Der Bedeutung nach kann das Veilchen, dessen sich Braunsdorf hier annimmt, für Demut, Bescheidenheit und Hoffnung stehen. Es wird also mit einem Bedeutungsspektrum verbunden, das im Gegensatz zur Pracht seiner Ausführung und zur ornamentalen Auffassung des Blattwerks steht. Das tugendhafte, zurückhaltende des Inhalts wird so durch den Künstler und die meisterhafte Ausführung noch erhöht.

Blatt v.a. in der unteren linken Hälfte deutlich angestaubt. Minimal angeschmutzt, Blattränder unscheinbar lichtrandig. An der Schleife und an zwei Blüten dunkle Pigmentveränderungen. Verso gebräunt.

33,2 x 25,7 cm, Ra. 36,4 x 29 cm.

Schätzpreis
1.200 €
Zuschlag
1.000 €