126 Albert Wigand, Dresden - Gartenhaus an der Dreikönigskirche. 1950er Jahre.
Öl und schwarze Tusche (?) auf Malpappe. Signiert u.re. "Wigand". Verso von Künstlerhand mit Kugelschreiberskizzen, Farbproben sowie einem Besitzervermerk in Kugelschreiber von fremder Hand versehen.
Die Arbeit wird in den Nachtrag zum WVZ Grüß-Wigand unter der Nr. A-1950/23; Foto Nr. 3442 aufgenommen.
Zu motivisch vergleichbaren Gemälden siehe auch WVZ Grüß-Wigand A-1950/15 und A-1958/5.
Albert Wigand suchte seine architektonischen Bildmotive im Dörflichen, Kleinstädtischen oder, wie im vorliegenden Gemälde, im Ausschnitthaften einer großen Stadt. Das Abbilden prominenter Stadtveduten lag ihm fern, ihn interressierte "die kleine Stadt in der großen Stadt" (Zitat des Künstlers in: Albert Wigand. Ausstellungskatalog Leonhardi-Museum Dresden. Dresden, 2008. S. 21, Anm. 65).
Nach 1945 begann für Wigand eine neue Schaffensphase, in welcher die Malerei stärker in den Mittel- und die Handzeichnung in den Hintergrund rückte. Den Broterwerb durch das abendliche Laternenanzünden sichernd, hatte er am Tage Zeit für das Malen. Als er 1949 eine Ausstellung in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden mit Werken (jedoch mit Zeichnungen, nicht mit Gemälden) beschickte, wurde er in der lokalen Presse als Chronist des im Kriege unversehrten Dresdens wahrgenommen.
Das Motiv des kleinen Gartenhauses mit hohem Schornstein in einem Hinterhof nahe der Dresdner Dreikönigskirche bearbeitete Wigand in mindestens drei Versionen, wobei er nicht nur das Format, sondern auch Technik, Farbigkeit und Bildausschnitt variierte.
In dem vorliegenden Hochformat läßt sich der Malprozess des Künstlers nachspüren - mit breitem Pinsel, mit schmaler Spachtel, manchmal direkt aus der Tube gedrückt, setzt er Farbflächen, kratzt sie teilweise wieder ab, läßt Graublau unter grau abgetöntem Türkis hervorschimmern, Hellblau unter Olivgrün. Den scheinbar unversehrten, helleren Putzfassaden stellt Wigand die bröckelnde Rauhheit der Einfriedungsmauer gegenüber. Eindrucksvoll wird mit dem angebotenen Werk einmal mehr deutlich, dass Wigand Farbe und Farbordnung sehr viel wichtiger war als die Form.
Malschicht in den pastosen Bereichen sehr vereinzelt mit unscheinbaren Quetschungen. Ecke u.re. gestaucht und mit leichtem Farbverlust. Die äußersten Randbereiche des Bildträgers vereinzelt mit leichten Bereibungen, dort partiell mit unscheinbaren Fehlstellen.
49,7 x 36,7 cm.