SCHMIDT KUNSTAUKTIONEN DRESDEN AUKTION 43     14.03.15

014   Frans Pourbus der Jüngere (Nachfolger), Bildnis der Isabella Clara Eugenia (1566-1633) von Spanien (?). Um 1600 - 1650.

Öl auf Eichenholz. Unsigniert. Im originalen, unberührten, ebonisierten und mordentvergoldeten Renaissance-Kassettenrahmen der Zeit.

Provenienz: Sächsischer Privatbesitz; im frühen 20. Jh. im italienischen Kunsthandel erworben.

Wir danken Frau Dr. Claire van den Donk, RKD Den Haag, für freundliche Hinweise.

Das Portrait galt in der Zeit des Barock als zentrales Repräsentationsmedium. Ihm kamen mehrere Bedeutungen zu. Zunächst besaß es eine Stellvertreterfunktion und repräsentierte den zeitweilig abwesenden Herrscher. Es diente auch der Darstellung sozialer und familiärer Netzwerke in Portraitgalerien. Gleichzeitig kam dem Portrait eine wichtige Stellung innnerhalb des höfischen Zeremoniells als Teil der Geschenkkultur zu. Für Brautwerbung, Verlobung oder Hochzeit wurden Portraits ausgetauscht. Zugleich konnten von einem, großformatigen "Urbild" zahlreiche Kopien angefertigt und verschenkt werden. Die Größe und Qualitätsabstufungen der Kopien entsprachen dabei der Hierarchie der Empfänger.

Welchem Zweck das vorliegende Portrait diente, lässt sich leider nicht mehr nachvollziehen. Das Brustbild zeigt wohl Clara Isabella Eugenia, spanische Infantin und spätere Statthalterin der Niederlande, in jungen Jahren. Die im Dreiviertelprofil Dargestellte sucht den direkten Blick zum Betrachter - Ausdruck ihres Selbsbtbewußtseins und zugleich Mittel um aristokratischer Distanz Ausdruck zu verleihen.

Die Infantin ließ sich nach ihrer Hochzeit mit Albrecht VII von Habsburg 1599 in Brüssel nieder. Es ist bekannt, dass der vor allem als Portraitmaler bekannte Pourbus der Jüngere in dieser Zeit am Brüssler Hof tätig war und dort seinen künstlerischen Einfluß ausübte. Wohl im Zuge einer Nachfolge entstand das Portrait. Das kunstinteressierte Herrscherpaar förderte während seiner Regentschaft die Bildende Kunst bei Hofe, wirkte auch als Mäzen für Peter Paul Rubens und trug so zum "Goldenen Zeitalter" der Niederlande bei.

Das Gemälde befindet sich in einem für das Alter ausgesprochen bemerkenswerten konservatorischen Erhaltungszustand.
Bildträger minimal konvex verwölbt. Malschicht am Kopf re. und o. mit fachmännisch retuschiertem Kratzer.

27,3 x 21 cm, Ra. 33,4 x 28 cm.

Schätzpreis
8.500 €
Zuschlag
14.000 €