SCHMIDT KUNSTAUKTIONEN DRESDEN AUKTION 42     06.12.14

141   Bernardo Bellotto, gen. Canaletto "Perspective du Pont de Dresde sur L' Elbe, - tirée de la veuë du Palais de S. M., dit d' Hollande avec La part Latérale - de l' Église catôlique et batîmens contigús.". 1749.

Radierung auf Bütten mit Wasserzeichen Mi.li. Das Wappen unterhalb der Darstellung mittig von separater Platte gedruckt. Unter der Darstellung re. und li. betitelt, am unteren Plattenrand re. bezeichnet "Peint, desiné et gravé par Bernard Bellotto dit Canaletto" sowie datiert "1749", am Plattenrand u.li. bezeichnet "Ce Tableau fait par ordre de S. M. Le Roy de Pologne et Elec: de Sax &. &. &. Verso in Blei von fremder Hand nummeriert u.li.
Hinter Glas in einer Neobiedermeier-Leiste mit aufgesetzten Eckrosetten gerahmt.
WVZ Kozakiewicz 150 I (von IV), WVZ De Vesme 12 III (von IV), Succi 12 I (von IV).

Provenienz: Seit ca. 1960 in Dresdner Privatbesitz.

Die als "Canalettoblick" weltberühmte Ansicht der Dresdner Altstadt mit Hofkirche und Frauenkirche gehört zu Bellottos wichtigsten Arbeiten der ersten Dresdner Schaffensphase zwischen 1747 und 1758. Die Radierung weist nur geringfügige Abweichungen zu dem kurz zuvor entstandene Gemälde auf, welches sich zusammen mit einer großen Zahl anderer Stadtansichten des Künstlers in der Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden befindet.
Einer dieser Unterschiede ist die Darstellung der Katholischen Hofkirche ohne das Baugerüst des östlichen Turmes. Die Kirche, die von Chiaveri erst 1755 fertiggestellt wurde, befand sich während der Entstehungszeit von Gemälde und Radierung noch im Bau, doch in der großformatigen Druckgrafik erscheint sie bereits in vollendeter Form.
So könnte - wie so oft in der Kunsttheorie - auf die intendierte Vormachtstellung der Bildenden Künste vor der Architektur hingewiesen sein, die auch Bellotto hier in sein Werk einfließen ließ. Malerei - und nun auch die Druckgrafik - kann Überzeitliches schaffen und führt die eigene Beständigkeit vor. Anders als Architektur sind ihre Produkte unabhängig von mathematischen Gesetzen und physikalischen Zwängen. Bemerkenswert ist, dass Bellotto das Stadtbild nur in dem Medium idealisierte, das auch die - im Verhältnis zur Malerei - größere Breitenwirkung erzielen konnte. Er prägte damit nachträglich nicht nur die Vedutenmalerei, sondern auch das Bild und die Vorstellung von Dresden in der Welt.

Bütten gebräunt bzw. braunfleckig, in den Randbereichen etwas deutlicher. Verso stockfleckig, jedoch fachmännisch restauratorisch konserviert. Der obere, der rechte sowie der untere Blattrand jeweils mit einem fachmännisch mit Japanpapier hinterlegten Einriß. Blatt beschnitten, die Blattränder ungerade.

Pl. 54,3 x 84,3 cm, Bl. 58,4 x 87,5 cm, Ra. 64,5 x 93,8 cm.

Schätzpreis
7.000 €
Zuschlag
15.000 €