SCHMIDT KUNSTAUKTIONEN DRESDEN AUKTION 80     02.11.24
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254   Willi Sitte "Zwei Lanzenmänner". 1951.

Öl und Tempera auf dünnem Karton, auf einen festen grauen Karton an den Rändern umlaufend klebemontiert. Signiert und datiert "W Sitte 51" u.li. Verso von fremder Hand in schwarzem Faserstift betielt, datiert und mit Maßangaben versehen. In einer braun lasierten Holzleiste gerahmt.
WVZ Zimmermann 27.

Provenienz: Privatbesitz Sachsen-Anhalt, Privatbesitz Nordrhein-Westfalen, Privatbesitz Hessen, beim Künstler erworben.

Das vorliegende Gemälde ist in unmittelbarem Zusammenhang mit dem drei Jahre später entstandenen Werk Willi Sittes "Mörder von Koje" (Nachlass Willi Sitte) zu sehen, welches den Korea-Krieg von 1950–53 und die Erschießung koreanischer Gefangener durch amerikanische Soldaten kommentiert. Inhaltlich und formal bezieht sich Willi Sitte auf Picassos 1951 geschaffenes "Massaker in Korea" (Musée Picasso, Paris), ebenfalls eine Reaktion des Künstlers auf das Blutbad in der nordkoreanischen Provinz Sinchon im Jahr 1950, bei welchem innerhalb von 52 Tagen knapp 35.400 Zivilisten und deren südkoreanische Unterstützer getötet wurden. Sitte, von der Kunst Picassos beeinflusst: "So habe ich […] das für mich ähnlich nachvollzogen wie Picasso es gemacht hat. Ich bin mit ihm eine Strecke gegangen und ich bin ihm sehr dankbar gewesen.", stand ihm auch politisch nahe und begann sich in seinen Werken seit 1951 mit Söldnern in Form archaischer Lanzenmänner, "die als mythologische Metapher auch auf aktuelles Gefahrenpotential verweisen", zu beschäftigen (zitiert nach: Christian Philipsen, Thomas Bauer-Friedrich, Paul Kaiser (Hrsg.): Sittes Welt: Willi Sitte: die Retrospektive. Leipzig 2021, S. 31).
"Zwei Lanzenmänner" zählen zu Sittes "Grauer Periode", welche für die Halleschen Künstler der frühen 1950er Jahre allgemein kennzeichnend war. In der stark reduzierten Farbigkeit und düsteren Stimmung sind stilistisch auch Einflüsse seiner Malerkollegen und –freunde wie Ulrich Knispel und Herbert Kitzel aber auch Hermann Bachmann, Fritz Rübbert und Jochen Seidel nachvollziehbar: "Wie viele Nächte habe ich mit den Freunden Bachmann, Rübbert und Seidel durchgemalt! Von ihnen lernte ich eine Menge. Während ich der bessere Zeichner war, hatten sie mir auf dem Gebiet der Malerei viel voraus […]" (zitiert nach: ebenda, S. 31).

Bildträger leicht wellig, in den Ecken Reißzwecklöchlein. Malschicht mit kleinen weißen, anhaftenden Farbschollen o.re. In den dunklen Farbbereichen partiell feines Frühschwundkrakelee. Unscheinbare, leicht glänzende Druckstelle (ca. 2 cm) im Bereich des Hinterkopfs der Figur u.li., punktuell weiße Fleckchen. Vereinzelte, sehr kleine, grundierungssichtige Fehlstellen. Falzbereiche etwas gegilbt und mit geringfügigen Läsionen.

54 x 61 cm, Ra. 65,5 x 73 cm.

Schätzpreis
12.000 €
Zuschlag
8.000 €