SCHMIDT KUNSTAUKTIONEN DRESDEN AUKTION 42     06.12.14
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269   Otto Dix "Rothaariges Mädchen". 1963.

Farblithographie auf kräftigem chamoisfarbenem Velin. Unterhalb der Darstellung re. in Blei signiert "Dix". Freigestellt im Passepartout montiert.
WVZ Karsch 292 /II . Unikativer Abzug außerhalb der Auflage von 60 Exemplaren ohne Zeichnungsstein in Graugrün.

Wir danken Herrn Rainer Pfefferkorn, Otto-Dix- Stiftung Vaduz für freundliche Hinweise.

Florian Karsch hat über Dix' Farblithografien der 1960er Jahre gesagt, dass "[k]ostbar verfeinerte Valeurs und leuchtende Akkorde […] den Blättern eine sinnliche Schönheit [geben], die sich als künstlerische Vollkommenheit manifestiert".(WVZ, S. 23) Es könnte gut sein, dass der Autor beim Verfassen dieser Zeilen an das rothaarige Mädchen gedacht hat.
Ohne Übersteigerung kann die Grafik gewissermaßen als Summe Dix'scher Frauendarstellungen angesehen werden, zeigt die anonyme Femme Fatale doch essenzielle Eigenschaften weiblicher Portraits aus allen seinen Schaffensperioden. Beleibte Huren und schwindsüchtige Mädchen gehörten zu Dix' bevorzugten Modellen in der Zeit, die heute allgemein das Bild seines Oeuvres prägt und als seine beste gilt. In der Drastik und Überzeichnung sind sie ebenso verhängnisvoll wie das "Rothaarige Mädchen", sah man rotes Haar doch schon seit Jahrhunderten als Erkennungsmerkmal von Hexen und Frauen, welche der Ruch des Lasterhaften umwehte.
Augenfällig ist die Ähnlichkeit des "Rothaarigen Mädchens" mit der nackten Frau von "Selbstbildnis mit Muse" (1925, Museum Osthaus, Hagen). Neben dem üppigen Busen und dem wallenden Haar fallen sogleich die sirenenhaften, schwarz unrandeten Augen auf. Diese sind ein Ausstattungsmerkmal, das dem Betrachter bei Werken von Otto Dix häufig begegnet, beispielsweise beim Portrait der Anita Berber, der "Contessa" von 1962, der im gleichen Jahr entstandenen "Römerin im blauen Kleid" - und nicht zuletzt bei dem "Rothaarigen Mädchen".
Von den 1920er bis in die 1960er Jahre beschäftigten den Künstler - und sicher auch den Mann Dix - diese Frauengestalten und ihr vermeintliches Geheimnis, das er hinter der stets ähnlich geschminkten und von einer Haarpracht umgebenen Fassade suchte.
Umso eindrucksvoller ist die hier angebotene Druckvariante, bei welcher der Zeichnungsstein fehlt. Dieser erste Stein, der in allen anderen bekannten Abzügen die Frau durch die extremen Konturen von Oberlippe und Augen erst zur Femme Fatale machte, wurde - eventuell ein einziges mal - weggelassen. Durch Dix' Experimentieren mit den zahlreichen Farbsteinen zeigt sich auf diesem Blatt, wie schmal der Grat zwischen Hexe und Heiliger sein kann.

Die äußersten Randbereiche etwas knickspurig sowie partiell leicht angeschmutzt. Das Blatt mit sehr vereinzelten Stockfleckchen. Am Blattrand li. ein kleiner Einriß (0,6 cm). Am Blattrand Mi.re. eine schwache Farbstift (?)-Spur. Das Blatt re. und u. mit Rißkanten (vor dem Druckprozeß).

St. 54,5 x 45,5 cm, Bl. 68,8 x 55,9 cm.

Schätzpreis
4.000 €
Zuschlag
4.000 €