295 Pol Cassel, Bei der Kartoffellese. Um / Nach 1932.
Aquarell und Federzeichnung in Tusche über Bleistift auf leichtem, strukturierten, beigefarbenen Karton. Verso mit einer weiteren Arbeit "Bäume" am See in Aquarell über Bleistift. Diese in Blei signiert "PCassel" und datiert "[19]27" u.re. Im Passepartout hinter Glas in hochwertiger, profilierter Leiste gerahmt.
Die Arbeit wird in das in Vorbereitung befindliche WVZ von Franz-Carl Diegelmann, Zürich, aufgenommen.
Wir danken Herrn Franz-Carl Diegelmann, Zürich, für freundliche Hinweise.
1920 ließ sich Pol Cassel mit seiner Familie in Wehlen nieder, pachtete jedoch gleichzeitig einen stillgelegten, verwilderten Steinbruch oberhalb von Obervogelgesang, wo er in einem ehemaligen Schmiedehaus sein Atelier einrichtete. Der Kriegseinsatz hatte seinen künstlerischen Werdegang unterbrochen, an den er nun in neuem Umfeld anknüpfen wollte. Teil seines künstlerischen Umfeldes waren die Nachbarn Elfriede-Lohse- Wächtler sowie Otto Griebel. Mit dem Wegzug von Dresden grenzte sich Cassel bewusst vom dekadenten Großstadtleben der zwanziger Jahre ab und schuf seiner Naturverbundenheit in der ländlichen Umgebung Raum. "Honollulu" nannte er sein neues Refugium, in dem zahlreiche Arbeiten entstanden. 1925 gelang ihm nach einer Einladung zur Sommerausstellung der "Dresdner Künstlervereinigung" der künstlerische Durchbruch. In den folgenden fünf Jahren stieg seine Anerkennung bei Publikum, Kollegen und Kritikern deutlich an.
Die ihn umgebendende Landschaft der Sächsischen Schweiz bot Cassel immer wieder neue Motive, die seiner Einstellung, naturverbunden, abgekehrt von der Hektik der Statdt und sich selbst durch Obst- und Gemüseanbau versorgend zu leben, entsprachen. Das vorliegende Aquarell spiegelt dies deutlich wider. Die Kartoffel lesenden Arbeiter, aber auch die Ernte an sich sind Teil des natürlichen Ablaufs. Die Ernte geht still vor sich, der schweren Arbeit wird ohne Worte nachgegangen. Die Verbindung von Mensch und Landschaft zeigt sich auch in der Wiedergabe der Figuren, sie zeigen keine individuellen Züge, sondern sind als Teil des Ganzen harmonisch erfasst und farblich der umgebenden Elbsandsteinlandschaft angepasst.
Die Blattecken mit Reißzwecklöchlein, u.re. und o.re. mit kleinen Ausrissen, u.li. ein kleiner Einriss, partiell etwas gestaucht. In den Ecken weiterhin wohl von Künstlerhand übermalte Reste älterer Montierungen. O.li. eine Knickspur, insgesamt minimal gebräunt.
35,4 x 50,2 cm, Ra. 55 x 75 cm.