SCHMIDT KUNSTAUKTIONEN DRESDEN AUKTION 81     08.03.25
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360   Walter Womacka "Qual der Wahl". 1997.

Öl auf Hartfaser, recto randumlaufend mit Feindrahtklammern auf Trägerleisten montiert. In Schwarz monogrammiert und ausführlich datiert "Wo. 97" u.re., die Datierung "-05" in Rot ergänzt. Verso im Randbereich eine umlaufend montierte Leiste, darauf o. ein Etikett mit Datierung, Titel, Technikbezeichnung und Maßangaben.

Das Urteil des Paris ist eine der bekanntesten Episoden der griechischen Mythologie. Sie markierte den Beginn einer Reihe von Ereignissen, die schließlich zum Trojanischen Krieg führten. Das Thema wurde seit der Antike über alle Epochen hinweg künstlerisch verarbeitet und fand auch in der Kunst der DDR und der ostdeutschen Kunst lebhafte und vielfältige Umsetzung. Während die wachsende naturwissenschaftliche Orientierung in Schule und Ausbildung das antike Bildungsgut in den 1950er Jahren verdrängte, blieb es in der DDR-Kunst lebendig. Grund ist nicht der rückwärtsgewandte Blick, sondern die lebendige Neudeutung der bildkräftigen mythischen Geschichten. Mit der Bild- und Geschichtswelt der Vergangenheit der Gegenwart ihr wahres Antlitz zu zeigen, gehörte zu den Charakteristika der ostdeutschen Kunst in Literatur, Theater und bildender Kunst, und unterscheidet sie sowohl von der west- wie osteuropäischen Kunstentwicklung. Für die bildenden Künstler der DDR hielt die Antike einen reichen Vorrat an Geschichten bereit, die sich bild- und gesellschaftswirksam umsetzen ließen. In Werken von Künstlern wie Willi Sitte oder Gustav Seitz wurde das Paris-Urteil zur Charakterisierung des sozialen Wandels in der Gesellschaft verarbeitet.
Walter Womacka galt in der Zeit der DDR als systemkonformer "Staatskünstler", er war einer der wichtigsten Vertreter des sozialistischen Realismus. In der Nachwendezeit griff er neben Stilleben- und Landschaftsmalerei auch gesellschaftskritische Themen auf. In vorliegendem Gemälde setzte der Künstler, der sich in der Entstehungszeit mehrfach in Zypern aufhielt, den unentschiedenen Prinzen Paris vor die klassisch dargestellte Hera, Göttin der Ehe, die in marmornem Inkarnat von Efeuranken als Sinnbild ehelicher Treue umrankt ist. Aphrodite, Göttin der Liebe, der Schönheit und des sinnlichen Begehrens zeigt Womacka in sexualisierter Form mit (über-)großem Selbstbewusstsein. Athene, die Göttin der Künste, tritt als kubistisch-picassoeske Figur auf. Die Entscheidung des Paris lässt der Künstler im Werk bewusst offen. Keine der drei Göttinnen hält einen Apfel, der Entscheidungsträger ist noch nicht einmal dargestellt. Möglicherweise waren es eigene Lebensentscheidungen oder Unsicherheiten in der Zeit nach der Wiedervereinigung, die zur Entstehung des Werkes führten. Mit diesem bewusst offen gelassenen Ausgang der Urteilsfindung reiht sich Womacka in eine künstlerische Tradition ein, die insbesondere in der DDR-Zeit und darüber hinaus häufig Anwendung fand.

Wir danken Frau Anna Papapetrou, Nicosia, für freundliche Hinweise.

Bildträger verwölbt. Malschicht an den äußersten Kanten vereinzelt mit Bereibungen und partiell unscheinbaren Verlusten. Im Bereich des re. Knies der li. Figur zwei leichte, waagerechte Kratzspuren. Die o. Trägerleiste mittig gebrochen und mit einem Blendrahmenblech fixiert, die Klammermontierung in diesem Bereich minimal gelöst.

115 x 145 cm.

Schätzpreis
7.000-8.000 €
Zuschlag
6.000 €