363 Moriz Melzer "Wiederentdeckung". 1917.
Farbmonotypie auf sehr feinem Japan. Signiert "Melzer" o.re. Abzug wohl von 1918. Hinter Glas gerahmt.
Mit einem schriftlichen Gutachten von Dr. Gerhard Leistner, Wenzenbach, vom 08.05.23.
"Bei der vorliegenden Komposition, wo sich in einer felsigen Baumlandschaft eine davon schreitende männliche Rückenfigur von einer stehenden, größtenteils entblößten Frauenfigur verabschiedet, die auf das sitzende Kleinkind blickt, wirken die Figuren in Untersicht etwas entrückt. Nicht mehr die intime Nähe, sondern eher die kühle Distanz prägen das Geschehen. Diese Charakteristik ist typisch für Melzers figuralen Stil zwischen 1917 und 1919.
Eine farbige Variante dieses Motivs (Abb. 4) schickte Melzer Ende 1917 mit weiteren seiner aktuellen Werke zu seiner Einzelausstellung des Kunstvereins im Rudolfinum zu Prag und bezeichnet dieses Blatt damals als "Wiederentdeckung". Es ist zweifelsohne ein metaphorisch gemeinter Titel, den der Künstler für diese Darstellung selbst gewählt.
Die Nationalgalerie Prag erwarb 1918 aus dieser Ausstellung zwölf seiner Monotypien, darunter eben auch diese Variante (Abb. 4), bei der es sich wohl um den ersten Abzug von der Platte handelt.
Es ist davon auszugehen, dass Melzer auf Grund der Nachfrage von diesem Motiv weitere Farbvarianten schuf (…). Gerade die bläuliche Figur ist ein guter Hinweis dafür, dass die Arbeit 1918 entstanden sein könnte, wo Melzer in vergleichbaren Werken farbige Körper zum bildbestimmenden Motiv wählt." (zitiert nach Dr. Gerhard Leistner, Gutachten vom 08.05.2023, S. 5.)
Lit.: Gerhard Leistner (Hrsg.): Moriz Melzer – Werke von 1907 bis 1927. Regensburg 2007.
Die äußersten Randbereiche sehr vereinzelt mit fachmännischen, kaum sichtbaren Hinterlegungen. Verso in der o.re. und den u. Blattecken Montierungsreste, o.re. und u.li. recto leicht durchscheinend.
Med. / Bl. 50 x 39 cm, Psp. 61 x 46 cm, Ra. 66 x 51 cm.