SCHMIDT KUNSTAUKTIONEN DRESDEN AUKTION 38     07.12.13

405   Elfriede Lohse-Wächtler "Elbbrücke Blasewitz - Loschwitz". 1931.

Farbige Pastellkreide auf kräftigem chamoisfarbenen Bütten. Unsigniert. Auf Untersatzkarton montiert und hinter Glas im profilierten, holzmaserierten und lackierten Rahmen mit silberfarbener Sichtleiste gerahmt.
WVZ Reinhardt 173, mit abweichenden Maßen.

Provenienz: Aus dem Nachlaß der Künstlerin.

Seit ihrer Rückkehr aus Hamburg ins beheimatete Dresden traten landschaftliche Szenen wieder stärker im zeichnerischen Werk Lohse-Wächtlers in Erscheinung. Die als "Blaues Wunder" titulierte stählerne Elbbrücke zwischen den Stadtteilen Loschwitz und Blasewitz stellt nicht nur aufgrund ihrer auffälligen Konstruktion und Farbgebung ein beliebtes Motiv innerhalb der Dresdner Elblandschaft dar, sondern ihr dürfte auch in der alltäglichen Seherfahrung der Künstlerin eine besondere Rolle zugefallen sein. Als Bindeglied zwischen den flacheren, sich mehr in der Ebene ausdehnenden linkselbischen Stadteilen und dem steil aufragenden, wild zerklüfteten Elbhang auf der rechten Flußseite ist die Brücke Übergang und Grenze zugleich - ein aufgrund der räumlichen Nähe zur elterlichen Wohnung nicht aus dem Erleben Lohse-Wächtlers wegzudenkendes Objekt.
Für die 1931 entstandenen Pastellzeichnung wählte Lohse-Wächtler einen Standort auf der Loschwitzer Seite der Brücke, ungefähr da, wo der kleine Bach "Trille" aus dem rückwärtig liegenden Grund in die Elbe mündet. Ausgangspunkt für ihre Betrachtung ist also nicht die Elbseite ihres Elternhauses, sondern ein Platz vis à vis. Der über eine Flußbiegung geführte Blick wogt in fließender Bewegung zwischen den zeltartigen Brückenaufbauten hindurch, um in der Ferne auf den Türmen des Schlosses Albrechtsberg haften zu bleiben. Im abendlichen Gegenlicht wirkt der geschwärzte Mittelteil der Brücke beinah bedrohlich, die berühmte blaue Farbgebung scheint nur leise durch, ist mehr erahn- als erfahrbar - eine poetische Inszenierung der Brücke, die der Zeichnung auch einen Hauch Wehmut eingibt.

Vgl.: Reinhardt, Hildegard, Die Dresdner und Arnsdorfer Jahre - 1931 bis 1940, In: Reinhardt, Georg (Hrsg.), "Im Malstrom des Lebens versunken…". Elfriede Lohse-Wächtler (1899-1940). Leben und Werk, Köln 1996, S. 114f.

Die Farbschicht im Bereich des linken Brückenpfeilers sowie am rechten Darstellungsrand mit vereinzelten leichten Kratzspuren. Die Randbereiche partiell etwas atelierspurig, insgesamt etwas angeschmutzt. Der rechte Blattrand knickspurig, mit zwei kleineren und einem größeren Einriß, der linke mit einem minimalen Einriß. Im unteren Randbereich punktuelle Flüssigkeitsspuren. Die Blattränder verso umlaufend mit Resten einer alten Montierung, partiell recto durchschlagend. Am Blattrand li. drei Reißzwecklöchlein.

49 x 68,1 cm, Ra. 68 x 86, 5 cm.

Schätzpreis
9.000 €