SCHMIDT KUNSTAUKTIONEN DRESDEN AUKTION 64     20.06.20

041   Richard Dreher, Am Strand von Forte dei Marmi in der Toskana (?). 1909.

Öl auf Leinwand. Unsigniert. Verso auf der Leinwand Mi. mit dem Nachlass-Etikett, darauf nummeriert "Bild.Nr. 028", in Kugelschreiber datiert sowie authorisiert durch den Sohn des Künstlers Christoph Dreher. Auf dem Keilrahmen o.Mi. in Farbstift nummeriert "339" und bemaßt. In einer weiß gefassten Holzleiste gerahmt. Auf dem Rahmen verso o.Mi. ein Papieretikett, darauf nummeriert "28".

Vgl. dazu zwei motivgleiche Gemälde laut Werkliste Agnes Dreher, Nr. 338; 440.

Nach Jahren intensiver künstlerischer Auseinandersetzung erhielt Richard Dreher 1908 den Villa-Romana-Preis des Deutschen Künstlerbunds, der es ihm ermöglichte, sich im darauf folgenden Jahr in Italien in voller Konzentration seinem Kunstschaffen zu widmen. Aus dieser fruchtbaren Zeit von 1909-10, zunächst in Florenz und anschließend an der Mittelmeerküste in Forte die Marmi, stammt das vorliegende Gemälde, das unter dem Eindruck der weiten toskanischen Landschaft und südlichem Licht entstand.
In leuchtendem Kolorit schildert Dreher eine Strandszene vor einer pittoresken Bergkulisse.
Mit meisterlicher Klarheit und durch Vereinfachung der Formen erfasste Dreher sein Motiv in breiten, präzise gesetzten Pinselzügen. Die künstlerische Weiterentwicklung des Malers zeigt sich in diesem Werk im Grad der Abstraktion und im freien Umgang mit der Farbe, die hier als wichtigstes Gestaltungs- und Ausdrucksmittel fungiert. Man sagt, Richard Dreher habe einen Kompromiss zwischen impressionistischen Errungenschaften und den expressionistischen Zielen gesucht. Gert Clausnitzer sieht dies in den Italienbildern des Jahres 1909 am überzeugensten belegt: "Im Gegensatz zur 'zeitlosen Ruhe' seiner früheren Werke, entfaltet Dreher hier ein kraftvolles 'Stakkato'. Dreher wendet sich zur Affektmalerei des Expressionismus hin. Die Seebilder werden in wellenförmigen Linien strukturiert [...]. Spontan ins Bild tretende Figuren beleben die Bilder Drehers und gliedern die Gesamterscheinung solcher Werke, verleihen ihnen gleichsam eine vibrierende Bewegtheit.[...]".(zitiert nach Gert Claußnitzer: Begnadeter Maler von Landschaften. Richard Dreher in Dresden wiederentdeckt. Veröffentlicht in: Neues Deutschland, 09.04.2002.).
Vgl. Kat. Richard Dreher. Gedächtnisausstellung, Sächsischer Kunstverein zu Dresden, 1933; Kat. Richard Dreher, Galerie Neue Meister, Dresden 2002.

Malschicht partiell leicht angeschmutzt. Wenige kleine Retuschen im Himmel. Eine sehr unscheinbare, lange, diagonale Druckspur Mi. und eine weitere, längliche mit leichter Deformation der Leinwand u.Mi. Leichter Malschicht-Abrieb im Falzbereich. Braune Bindemittel-Laufspuren am li. Rand im Falzbereich.

60,4 x 83,5 cm, Ra. 70,2 x 91,8 cm.

Schätzpreis
3.500-4.500 €
Zuschlag
3.000 €