SCHMIDT KUNSTAUKTIONEN DRESDEN AUKTION 85     20.06.26

532   "Der Quacksalber". Johann Joachim Kaendler für Meissen. 1741. Ausformungszeitraum: 1950er Jahre.

Porzellan, glasiert, in polychromen Aufglasurfarben und Gold staffiert. Verso mit der zweifach geschliffenen Schwertermarke in Unterglasurblau. Unterseitig die geritzte Modell-Nr. "188 / 6" sowie die Bossierer-Nr. "131".

Vgl. dazu die Arbeitsberichte Kaendlers Pro Mens. Septembris [1741]: "4. Einen Marktschreyer, wie er auf einen Theatro seine Artzney Paquetweiße feil bietet und verkauft." (Pietsch, 2002, S. 87).

Vgl. die Taxa Kaendlers: "1. Zahn Arzt mit einer großen Peruque oder Marckt Schreyer, seine Medikamente ausbiethend, hat neben sich einen Tisch stehen, darauff Medicamente liegen, und einen Affen, welcher Arzeney hält, wie auch ein Arlequin in lustiger Positur, in seinen Huthe Kräuter habend, 11 Thlr.". (Menzhausen, S. 198; Rafael, 2009, S. 52).

Als motivische Vorlage diente der Kupferstich von Sutton Nicholls "The Quack-Doctor, Outwitted", um 1710, vgl. u.a. The British Museum, London, Inv.Nr. 1860,0623.62 sowie Wellcome Library, London, InvNr. 20542i.

"Walcha 1966 hält fest, dass Hofnarr Fröhlich bei einem als Jahrmarkt aufgezogenen Kostümfest im Dresdner Schlosshof am 26. Juni 1741 als Marktschreier verkleidet und vom "Harlekin Kirsch" (zitiert nach Walcha 1966, S.40) begleitet Medikamente unter die Leute zu bringen suchte. Ob hinter dieser Darstellung in Porzellan deshalb Joseph Fröhlich zu vermuten ist, muss – auch vor dem Hintergrund der bedeutenden Ähnlichkeit des Protagonisten mit dem hier als Inspirationsquelle vorgeschlagenen englischen Stich – in Frage gestellt werden." (zitiert nach Andres-Acevedo, 2023, S. 120).

Drei weitere Exemplare der Figurengruppe sind abgebildet in:

Max Friedländer, Otto von Falke: Die Kunstsammlung von Pannwitz / Band 2 Skulpturen und Kunstgewerbe. München 1925. S. 67, KatNr. 282.

Yvonne Hackenbroch, Irwin Untermyer: Meissen and other continental porcelain, faience and enamel in the Irwin Untermyer Collection. London 1956. Tafel 47, Abb. 77 (heute in der Sammlung des Metropolitan Museum, New York, InvNr. 64.101.100).

Ingelore Menzhausen, Jürgen Karpinski: Die Figuren Johann Joachim Kändlers in Meißen aus der Sammlung Pauls-Eisenbeiss Basel. Basel 1993. S. 145.

Lit.:
Sarah-Katharina Andres-Acevedo: Die autonomen figürlichen Plastiken Johann Joachim Kaendlers und seiner Werkstatt zwischen 1731 und 1748. Stuttgart 2023. Bd. II, S. 120, Nr. 307.

Sabine Bergmann, Thomas Bergmann: Meissener Figuren. Teil I: Modellnummern: 1–3.000. Karlsruhe 2017. S. 37, KatNr. 1059.

Johannes Rafael: Zur "Taxa Kaendler". Erschienen in: Keramos; (2009), 203/204. S. 25–69.

Pietsch, Ulrich: Die Arbeitsberichte des Meissener Porzellanmodelleurs Johann Joachim Kaendler: 1706 – 1775. [Leipzig] 2002.

Otto Walcha: Fröhlich und Schmiedel im Meissner Porzellan. Erschienen in: Keramos, 32, 1966. S. 35 – 40.

Die Zeigefingerspitze der li. Hand des Arztes mit Materialverlust. Das Buch unterseitig an einer Ecke mit ganz winzigem Chip. Staffierung an den Griffansätzen der Truhe mit Krakelee.

H. 20,5 cm, B. 19 cm.

Schätzpreis
3.000 €