SCHMIDT KUNSTAUKTIONEN DRESDEN AUKTION 46     12.12.15
Aufgrund der Regelungen des Urhebergesetzes können wir diese Abbildung nur zeitlich begrenzt veröffentlichen.

064   Hans Jüchser "Heimkehr des verlorenen Sohnes". 1966.

Öl auf beidseitig kaschierter Malpappe. Signiert "Jüchser" und datiert u.li. Verso von Künstlerhand betitelt, nochmals datiert und signiert sowie bezeichnet "Dresden 8054". Im originalen, vom Künstler nachträglich sparsam gefaßten Jugendstil-Stuckrahmen.
Nicht im WVZ Schmidt.

Zum Bildmotiv vgl. Porstmann, Gisbert; Karohl, Linda: Hans Jüchser. Farbe als absolute Kraft. Dresden, 2010. KatNr. 26, Abb. S. 56.

Hans Jüchser reiht sich mit der Bearbeitung dieser Bildthematik in eine lange Darstellungstradition ein. Schon frühmittelalterliche Thympanareliefs an Westportalen von Kirchen zeigen das Gleichnis des wiederkehrenden „verlorenen Sohnes“ (Lk 15,11-32). Weiterhin thematisierten zahlreiche Gemälde und Druckgraphiken von der frühen Neuzeit bis in den Barock die Rückkehr des Verlorengeglaubten.
In der Bibelauslegung wird das Gleichnis des verlorenen Sohnes als Versinnbildlichung der Liebe Gottes für alle Menschen bewertet. Nach dieser Auslegung nehme Gott jeden wieder in seine Gemeinschaft auf, der zu ihm zurückkehrt, unabhängig davon, ob er sich zuvor von dieser Glaubensgruppe abwandte oder als unrein galt.
In der Geschichte der Kunst setzten sich Künstler auf vielfältige Weise mit dem Gleichnis des verlorenen Sohnes auseinander. Zu den Bekanntesten gehört sicherlich Rembrandt Hamensz. van Rijns Selbstportrait als verlorener Sohn in der Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden. Während die meisten künstlerischen Zeugnisse jedoch die Wiederkehr des Verlorenen und die liebevolle Aufnahme durch den Vater thematisierten, inszenierte Rembrandt den verlorenen Sohn als Lebemann und Genussmensch.
Hans Jüchser wählte hingegen die eher traditionelle Darstellungsform des Verlorenen. In der halbfigürlichen Komposition nimmt der Vater den verlorenen geglaubten jüngeren Sohn freudig in die Arme, während der Ältere sich im Hintergrund hinter der Figur des Vaters hält. Die Verschattung des Hauseinganges sowie das stoisch wirkende Gesicht des älteren Sohnes implizieren seinen Unmut über die Rückkehr des Bruders sowie dessen Wiederaufnahme auf dem väterlichen Gut ungeachtet seiner Verschwendungssucht und vormaligen Untreue.
Durch die Reduktion der Bildfiguren auf die wesentlichen Leitlinien, die dezente Andeutung des Hintergrundes und die Verwendung von teils reinbunten Primärfarben steigerte Jüchser die Konzentration auf den freudigen und unerwarteten Moment der Rückkehr des Sohnes. Durch die großflächigen und angeschnittenen Figuren entsteht zudem der Eindruck, der Betrachter würde in das Bild integriert und könne an dem Geschehen sowie an der Aussage des Gleichnisses unmittelbar teilhaben.
Das Bildwerk gehört in die Werkgruppe der biblischen und sakralen Themen, mit denen sich Jüchser zwischen 1950 und 1977 auch im Auftrag von Kirchen und Gemeinden befasste.

Die Kaschierung v.a. im linken und unteren Bildbereich recto und verso durch Feuchteeinwirkung wellig und partiell gelöst. Der Malträger insgesamt etwas wellig. Verso atelierspurig.

48,8 x 35,2 cm, Ra. 64,5 x 51,5 cm.

Schätzpreis
6.000 €
Zuschlag
8.500 €