727 Seltene Figurengruppe mit Apollo und Athene. Johann Joachim Kaendler für Meissen. Spätes 19. Jh.
Porzellan, glasiert, in polychromer Aufglasurmalerei staffiert. Auf einem getreppten Sockel erheben sich die Figuren der Athene und des Apollon. Beide mit ihren Attributen versehen und mit Assistenzfiguren unter den Füßen in Form eines Drachen und des sich windenden Marsyas. Hinter Apoll steht ein Putto auf einem Felssockel.
Unterseiten aller Teile mit Schwertermarke in Unterglasurblau, die der beiden Hauptfiguren mit einem Schleifstrich. Putto mit Formnr. "32" und Prägenr. Apollon ebenfalls mit Formnr. "32". Malerzeichen in Eisenrot.
Gruppe vor allem im unteren Bereich mit großflächigen, fachgerechten Restaurierungen, insbesondere am Drachenkorpus, an Schwanz, Ohr, Flügeln und Pfeil. Die Finger der rechten Hand der Athene neu angefügt, ebenso das obere Ende des Bogens Apollos. Die Nase des Marsyas und die Flügel des Putto sind restauriert. Wenige der Lorbeerblätter gebrochen. Goldstaffierung teilweise erneuert.
Die Restaurierungen wirken sich in keiner Weise auf das Gesamterscheinungsbild der äußert seltenen Figurengruppe aus.
Die Gruppe greift den Mythos von Athene, Apollon und Marsyas auf. Athena entdeckt im Spiegel, daß das Flötenspiel ihre Schönheit entstellt. Marsyas, der das von der Göttin fortgeworfene Instrument entdeckt, erzürnt die Götter mit meisterhaftem Spiel. Apollon fordert ihn zum Wettstreit heraus und lässt den Unterlegenen bei lebendigem Leibe häuten.
Den Entwurf des für seine Zeit typischen Figurenprogramms fertigte Kaendler für die sogenannte "Große russische Bestellung" von 1772 aus. Die Figur der Athene kann als Huldigung des Künstlers an Zarin Katharina II. aufgefasst werden.
Vgl.: Ulrich Pietsch (Hg.): Meißen für die Zaren. Porzellan als Mittel sächsisch-russischer Politik im 18. Jh., München 2004, S. 103 - 105 und S. 105, Abb. 29.
H. 38 cm, B. 35 cm, T. 14 cm.