SCHMIDT KUNSTAUKTIONEN DRESDEN AUKTION 42     06.12.14
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074   Hans Jüchser "2 Akte in den Dünen mit weißer Wolke". 1967.

Öl auf Hartfaser über einer verworfenen Komposition. Signiert "Jüchser" und datiert u.re. Verso betitelt, ausführlich datiert und mit Größenangabe versehen; ebenfalls mit einer verworfenen, weiß überstrichenen Komposition. Im originalen Künstlerrahmen. Dieser verso signiert "Jüchser" und ortsbezeichnet "Dresden" li.o. Am Rahmen o.Mi. ein Klebeetikett der Kunstausstellung Kühl, Dresden.

Abb. Ausstellungskatalog der Städtischen Galerie Dresden 2010, Nr. 59, Abb. S. 91.

Die beiden Frauen, von denen sich eine vom Betrachter abwendet, die andere ihn stehend anblickt, befinden sich auf einer Anhöhe, vor welcher sich das Meer öffnet. Es handelt sich bei den Dargestellten um Paula Jüchser und ihre engste Freundin Elisabeth Ahnert. Wie um sich der beiden zu erinnern, schuf der Maler ein Doppelportrait der Freundinnen. Jüchsers erste Frau Paula starb bereits 1955 und erst ein Jahr vor der Entstehungszeit des vorliegenden Gemäldes war Ahnert über 80jährig verstorben, was den Künstler veranlaßt haben mag, in seinen Skizzenbüchern und Vorkriegsarbeiten nach gemeinsam Erlebtem zu forschen. So liegt dem Gemälde eine Zeichnung aus den 1930er Jahren zugrunde, einer Zeit, in der sie häufig zusammen Urlaube an der Ostseeküste verbrachten.
Neben diesen privaten Bezügen, spannt sich um das Werk ein Netz aus kunsthistorischen Referenzpunkten - von Caspar David Friedrich bis zu den Brücke-Malern. Diese hatten nicht nur dem Bildthema des Aktes in einer Landschaft zu besonderer Geltung verholfen, auch an die kraftvolle Farbigkeit ihrer Gemälde fühlt man sich bei der Betrachtung der zwei Akte erinnert. Jüchser lotete das Farbspektrum aus, ohne aufdringlich bunt zu sein. Die seit Friedrich bedeutungsvoll aufgeladenen Kreidefelsen unterlegen die Arbeit mit einem melancholischen Klang.
Jüchser sah die Frauen im Tode vereint, nach vorn und gleichzeitig zurückblickend und setzte ihrer Freundschaft so ein intimes Denkmal.

Wir danken Frau Helga Jüchser, Dresden, für freundliche Hinweise.

Bildformat an der li. Seite vom Künstler mit einem Stück Hartfaserplatte erweitert. Diese verso mit einem Hartfaserstreifen hinterlegt. Recto am Bildrand li. dadurch ein unscheinbarer durchgehender horizontaler Bruch in der Malschicht und eine minimale konvexe Verwölbung des Bildträgergefüges.

65 x 55,7 cm, Ra. 77,5 x 67 cm.

Schätzpreis
11.000 €
Zuschlag
9.000 €