076 Robert Hermann Sterl "Prozession". 1914.
Öl auf Malpappe, auf Hartfaser kaschiert. Schwach lesbar monogrammiert "R St" u.li. Verso ein Etikett mit der Authentizitätsbestätigung der Witwe des Künstlers, Helene Sterl. In einem goldfarbenen Rahmen gerahmt.
WVZ Popova 999; nicht im WVZ Zimmermann.
Provenienz: Privatsammlung Dresden; Kunstausstellung Kühl, Dresden, 1979.
Robert Sterl unternahm zwischen 1906 und 1914 fünf Reisen nach Russland. Auf drei dieser Reisen begleitete er den Moskauer Dirigenten Sergej Alexandrowitsch Kussewizky, der mit seinem Orchester auf große Konzerttournee ging und dafür mit dem Dampfschiff die Wolga bis an die Mündung des Kaspischen Meeres passierte. Die während der Reisen entstandenen Eindrücke, die Sterl in Skizzen und Studien festgehalten hatte, prägten ihn sehr, sodass er sie später oft in seine weitere künstlerische Arbeit einfließen ließ.
"Auf seiner letzten Wolgareise 1914 [hielt er] wie in den Jahren zuvor volkstümliches Markt- und Hafentreiben, Lastenträger, Hafenarbeiter, Gefangene und immer wieder auch Prozessionen fest, in denen Särge oder Ikonen mitgeführt wurden." (Kristina Popova: Robert Sterl. Werkverzeichnis der Gemälde und Ölskizzen. Dresden 2011, S. 74) Es wundert kaum, dass jene Begräbniszüge einen intensiven und bleibenden Eindruck bei dem Künstler hinterlassen haben, sind sie doch fest verankert in der Religion der russisch-orthodoxen Kirche. Die zahlreichen Menschen in ihren farbigen Gewändern und Trachten, die den Verstobenen zum Friedhof tragen und begleiten, haben Sterl immer wieder zu "spontanimpressionistischer Malerei" inspiriert. (Popova, S. 74) Auch die vorliegende Darstellung einer dieser Prozessionen erinnert an einen Farbenrausch, worin sich im Rot, Rosa und Goldgelb die Konturen aufzulösen scheinen.
Bildträger o.Mi. und u.Mi. mit kleinsten Einstichlöchern. Wenige Retuschen an den Rändern sowie eine etwas größere an zwei kleinen Fehlstellen u.li.. Pastositäten etwas gepresst. Materialanhaftungen sowie Fehlstelle an einer Pastosität re.Mi. Monogramm auf dem Firnis berieben.
36,7 x 42 cm, Ra. 45,6 x 50,5 cm.