793 Martin Hertrampf "Ostpreußen I". 1993.
Bromsilbergelatineabzug. Verso signiert "Martin Hertrampf", datiert, orts- und auflagenbezeichnet (Auflage 6).
Ostpreußen ist eine fiktive Landschaft, real nur in einer nicht mehr aufrufbaren Erinnerung, ein deutsches Atlantis. Der heutige Ort liegt verborgen hinter Grenzen, die an jene erinnern, die nach dem Krieg Deutschland teilten. Aus der gleichen Nachkriegsordnung heraus fiel der nördliche Teil von Ostpreußen 1945 an Russland, bis 1948 hatten alle noch verbliebenen Deutschen Ostpreußen verlassen. Anfang der 90er Jahre, mit seiner langsamen Öffnung, stellt sich diese Landschaft als ein riesiges Palimpsest dar, die in ihr sich eingeschriebenen Kulturen liegen schichtweise sichtbar aufeinander.
Kafkas Diktum folgend, dass es gleichsam nötig sei, schneller zu sinken als das vor einem Versinkende, hat Martin Hertrampf diese Landschaft fotografierend durchlaufen. Die Intention hinter den hier vorgestellten Bildern folgte weniger einer Phänomenologie des Absonderlichen oder eines journalistischen Zugangs, es war mehr ein Suchen nach den Bausteinen, den Zusammenhängen der Zeichen über Zeiten und Kulturen hinweg.
Die hier vorliegenden vier Bilder entstanden auf der ersten Reise des Fotografen in die russische Exklave Kaliningrad im März und April 1993. Fotografiert wurde mit einer Kleinbildkamera auf schwarz/weiß Negativfilm. Die Bilder 1, 2 und 4 entstanden in Kaliningrad, dem früheren Königsberg, das Bild 3 in Tschernjachowsk, dem früheren Insterburg. Nur zwei der Bilder sind bisher in Hertrampfs Vordiplomsausstellung "Dewjatka" 1994 in der HGB Leipzig gezeigt worden.
29 x 42 cm, Bl. 34,0 x 48,0 cm.