SCHMIDT KUNSTAUKTIONEN DRESDEN AUKTION 80     02.11.24

926   "Mohrenleuchter". Wohl Venedig. 1. H. 20. Jh.

Holz, geschnitzt, über Kreidegrund partiell vergoldet, in Teilflächen punziert und polychrom gefasst. Die Figur hält ein Objekt, welches dazu dient, darauf eine Lampe oder andere Objekte zu platzieren. Die oktagonale Plinthe mit Imitierung einer behauenen Steinoberfläche und floralem Motiv. Der oktagonale Sockel mit polychromer Fassung und Marmorierung, Tatzenfüßen, seitlichen Handhaben in Löwenkopfform sowie einer floralen Applikation.

Der Typus des "Mohren" taucht seit der Frühen Neuzeit in der Bildenden Kunst, in Skulpturen, Schmuck und Mobiliar auf. In der venezianischen Malerei erscheinen "schwarze Mauren" u.a. bei Gentile Bellini oder Paolo Veronese in verschiedenen Rollen – als Diener, Sklaven oder elegante Gondolière. Ab den 1680er Jahren wurden "Mohren" aus Ebenholz nackt oder in traditioneller Kleidung Teil venezianischen Mobiliars, noch heute u.a. von Andrea Brustolon (1662 – 1732) in der Ca' Rezzonico zu besichtigen.
Seit etwa 1960 wird auf die Zwiespältigkeit des Wortes "Mohr" zwischen historischer Entwicklung und Verwendung als stereotype Bezeichnung im Sinne einer rassistischen Diskriminierung hingewiesen.
Noch heute werden in Venedig vergleichbare Skulpuren hergestellt.

Brüche am li. Oberarm, der li. Schuhspitze und der re. Hand. Fassung mit zahlreichen Fehlstellen, Bereibungen und Bestoßungen. Das Brustschild und Teile des Kopftuches mit irisierenden Lacken neuzeitlich übergangen. Die florale Applikation des Sockels wohl auf einer Seite fehlend.

H. 160 cm, H. (gesamt) 220 cm.

Schätzpreis
900-1.200 €
Zuschlag
1.000 €