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AUKTION 62 07. Dezember 2019
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KatNr. 1 Eugen Bracht
KatNr. 1 Eugen Bracht

001   Eugen Bracht "Spreewaldhof". 1885.

Eugen Bracht 1842 Morges/Genfersee – 1921 Darmstadt

Öl auf Leinwand. U.li. signiert "Eugen Bracht" und ausführlich datiert "25.6.85". Verso auf der o. Keilrahmenleiste von Künstlerhand in Pinsel mit der Werknummer "663" bezeichnet, betitelt, nochmals signiert und ortsbezeichnet "Dresden" sowie mit weiteren Annotationen in Blei. In einer profilierten, goldfarbenen Holzleiste gerahmt.
Das Gemälde wird in das in Vorbereitung befindliche WVZ Großkinsky aufgenommen.

Provenienz: Norddeutscher Privatbesitz; 1970 Versteigerung Lempertz, Köln; 1907 Verkauf Kunstsalon Emil Richter, Dresden.

Wir danken Herrn Dr. Manfred Großkinsky, Frankfurt a. Main, für freundliche Hinweise.

Besuche auf Rügen führten Eugen Bracht erstmals in die östlichen Landschaften Deutschlands und intensivierten ab 1877 seine Hinwendung zur Freilichtmalerei. Die Berufung zum Dozenten für Landschaftsmalerei an der Kunstakademie Berlin 1882 und der damit einhergehende Wohnortswechsel hatten auch die künstlerische Auseinandersetzung mit der brandenburgischen Umgebung zur Folge.
Eugen Bracht gliederte das vorliegende Gemälde in klare, horizontale Strukturen. Jene Bildebenen verbindet der Künstler in der Vertikalen mittels drei aufragender Pappeln und einem Bach, welcher auf dem Goldenen Schnitt eine Schneise durch das gräserbewachsene Umfeld gräbt. Seine sanften Wellen spiegeln die Farben des Himmels wider und verbinden die Eindrücke zu einer Abendstimmung im Hochsommer zu Beginn der Dämmerung. Die naturalistische Darstellungsweise der Landschaft unterscheidet sich stark von seiner späteren, impressionistischen Betrachtung, deren Gegenständlichkeit zugunsten der atmosphärischen Eindrücke zurücktreten. So entstand das Gemälde in jener Schaffensphase, in welcher Bracht seine Kunst noch im Sinne der Traditionalisten fertigte – eine Einstellung, welche sich während seiner Dozentenarbeit in Berlin wandelte und schließlich ab den 1890ern auch in der modernistischen Umsetzung seiner Werke ablesbar wurde.

Zu den ostdeutschen Landschaftsdarstellungen Brachts vgl.: Großkinsky, Manfred; Küster, Bernd (Hrsg.): Eugen Bracht. 1842–1921. Frankfurt am Main, 2005. S. 97 ff.

Vollflächig auf Leinwand doubliert, Keilrahmen etwas größer als das Bildformat, dadurch recto etwa 0,5 cm der Doublierleinwand umlaufend sichtbar, diese am Keilrahmen zusätzlich festgeklebt. Originale Leinwand ungerade beschnitten. Im Randbereich vereinzelte, winzige Malschichtverluste. Firnis leicht gegilbt und mit unscheinbarem, länglichen, matten Kratzer Mi. Brauner Wachsfleck u.re. auf der Doublierleinwand.

34 x 51 cm, Ra. 42 x 59 cm. 7.200-8.000 €
Zuschlag 6.000 €
KatNr. 5 Eduard Emil August Leonhardi
KatNr. 5 Eduard Emil August Leonhardi
KatNr. 5 Eduard Emil August Leonhardi

005   Eduard Emil August Leonhardi "Aufsteigendes Gewitter in sumpfiger Ebene". 1894.

Eduard Emil August Leonhardi 1828 Freiberg – 1905 Loschwitz

Öl auf Holz, Bildträger aus zwei Holzplatten mittels horizontal verlaufender Federverbindung zusammengefügt sowie verso parkettiert. Ligiert monogrammiert "EL." und datiert u.li. Verso auf dem Bildträger li.Mi. in weißer Farbe nochmals signiert, bezeichnet "Loschwitz" und datiert. In einem prunkvollen, goldfarbenen und reich verzierten Stuckrahmen. Darauf verso nummeriert "No 3" sowie mit dem Ausstellungsetikett der "Grossen Kunst-Ausstellung des Hamburger Kunstvereins 1895" versehen. Auf diesem Etikett künstlerbezeichnet, ortsbezeichnet "Loschwitz. Villa Leonhardi" sowie betitelt. Mit einem weiteren Klebeetikett, darauf nummeriert "708".
WVZ Weißbach XVI (Anhang).

In seinen Landschaftsgemälden verknüpft Eduard Leonhardi die realitätsnahe Wiedergabe der Natur mit der zugleich bewussten Komposition aus vorangegangenen Studien, woraus sich eine Idealisierung der Landschaften ergibt. Aus dieser spätromantischen Auffassung resultiert neben der naturgetreuen Wiedergabe ein zeitloser, poetischer Raum, in dem die Erscheinungen der Natur als Gleichnis für das ständige Werden und Vergehen gedeutet werden können.
Die Stimmung des Bildes wird maßgeblich durch die Lichtführung definiert. Leonhardi schildert einen farb- und formenreichen, wolkenbedeckten Himmel im Gegenlicht. Von diesem bewölkten Himmel ausgehend, liegt ein gedämpftes Licht auf der ruhig wirkenden Landschaft, die einen Kontrast zu den sich auftürmenden, bewegten Wolken bildet.
Der Künstler gibt die Vegetation mit großer Sorgfalt und in detailgetreuer Weise wieder. Dies fußt auf einem sehr bewussten, genauen Betrachten, das Zeichnen nach der Natur, wie es sein Lehrer Ludwig Richter vermittelte. Auch teilte Leonhardi die Begeisterung Richters für die böhmische und sächsische Landschaft, die Leonhardis bevorzugtes Sujet bleiben wird. Ab den 1870er Jahren verzichtet dieser sogar fast vollständig auf Figurenstaffage zu Gunsten der reinen Konzentration auf die dargestellten Elemente der Natur. Die Industrialisierung, welche zur Zeit des Künstlers bereits Spuren in der Landschaft hinterließ, spart Leonhardi in seinem Oeuvre gänzlich aus und so bleiben seine Naturdarstellungen in ihrer unberührten Wirkung Sehnsuchts- und Rückzugsorte, fernab des weltlichen Geschehens.
(Vgl. Angelika Weißbach, Werkverzeichnis Eduard Leonhardi, Dresden 1998.).

Vereinzelte, fachgerechte Retuschen, insbesondere u.li. Flächige Altretusche in den Wolken o.li. Partiell kleine Malschicht-Lockerungen (ohne Farbverluste) sowie leicht blasenförmige in li. Bildhälfte Mi. Die horizontale Fuge alterungsbedingt in der Malschicht ablesbar. Winzige Ausbrüche ebenda Mi. Malschicht im Falzbereich partiell berieben. Vereinzelte bräunliche Fleckchen auf der Oberfläche sowie Firnis gegilbt. Rahmen mit Lockerungen und kleine fehlende Teile in den Stuckapplikationen.

102,5 x 143 cm, Ra. 147 x 187 cm. 9.000-12.000 €
KatNr. 18 Friedrich Leon Pohle, Nach dem Kirchgang. Um 1868-1876.
KatNr. 18 Friedrich Leon Pohle, Nach dem Kirchgang. Um 1868-1876.

018   Friedrich Leon Pohle, Nach dem Kirchgang. Um 1868-1876.

Friedrich Leon Pohle 1841 Leipzig – 1908 Dresden

Öl auf Leinwand. Signiert u.li. "Leon Pohle" und ortsbezeichnet "Weimar". In einem bronzefarbenen, reich verzierten Stuckrahmen. Verso auf o. Rahmenleiste das Händler-Etikett "A. Krügel, Vergolder in Weimar".

Provenienz: Sächsischer Privatbesitz; Privatbesitz Thüringen; bis 1945 in Familienbesitz der Pächter des Ritterguts Dörnfeld bei Stadtilm, Thüringen, bei Pacht des Gutes bereits als Inventar übernommen.

Neben Ferdinand von Rayski, Julius Scholtz, Carl Bantzer und später Robert Sterl gilt Friedrich Leon Pohle als bedeutender Vertreter einer psychologisch verinnerlichten Porträtkunst in der realistischen Tradition Anton Graffs. Als Professor für Malerei an der Dresdner Kunstakademie fand sich ein großer, begeisterter Schülerkreis um ihn, unter anderem bestehend aus Richard Müller, Osmar Schindler, Ernst Richard Dietze und Max Pietschmann. Der junge Robert Sterl äußerte seine Freude über die Ankunft des neuen Lehrers mit den Worten "[Pohle] brachte - wie Scholtz - einen frischen Zug in die Stickluft des Dresdner Akademiebetriebes" (Lit. Dresden. Von der Königlichen Kunstakademie zur Hochschule für Bildende Künste 1764 - 1989. Dresden 1990, S. 176.) Folglich ist die Bedeutung Pohles als Bindeglied zwischen der klassizistisch-akademischen Malerei der 1860er und 1870er Jahre und dem Drängen einer bewegteren, jungen Generation hin zur Freilichtmalerei nicht zu unterschätzen.
Die Szene eines jungen Mädchens in Begleitung einer älteren Dame in der Sonntagstracht Thüringer Bäuerinnen besticht durch ihre stille Bescheidenheit bei außerordentlicher, präziser Kunstfertigkeit. In realistischer Manier zeigt sich gleichsam eine große Freude an der Wiedergabe des unmittelbaren Natureindrucks im lebhaften Schattenspiel und der Behandlung von teils abgebrochenen Zweigen und zahlreichen kleinen Blüten. Auch die wortlose Kommunikation der beiden Dargestellten verweist auf ein enges Verhältnis, möglicherweise zwischen Großmutter und Enkelin. Aus dem Jahr 1876 existiert, ebenfalls in Weimar entstanden, ein Gemälde mit der Darstellung einer Familie bei Tisch. Es ist nicht auszuschließen, dass es sich dabei abermals um jene ältere Dame handeln könnte. Leider ist nicht belegt, ob beide Weimarer Gemälde verschiedene Mitglieder der Familie des Künstlers zeigen.

Partiell geringfügige Leinwand-Deformationen. Minimale, fachgerechte Retuschen in der Bildfläche sowie u.li. oberhalb der Signatur und im "P". Abrieb der Malschicht im Falzbereich. Partiell technikbedingt frühschwundrissig (u.a. im Kleid des Mädchens und o.li.) sowie alterungsbedingtes Krakelee. Vereinzelte, unscheinbare bräunliche Fleckchen auf der Oberfläche. Rahmen überfasst, mit vereinzelten Fehlstellen der Fassung und Spannungsrissen.

89 x 126,5 cm, Ra. 130 x 168 cm. 8.500 €
KatNr. 32 Otto Altenkirch
KatNr. 32 Otto Altenkirch

032   Otto Altenkirch "Waldweiher" (Mulde bei Siebenlehn). 1924.

Otto Altenkirch 1875 Ziesar – 1945 Siebenlehn

Öl auf Leinwand. Signiert u.re. "Otto Altenkirch". Verso von Künstlerhand auf dem o. Keilrahmen betitelt, nochmals signiert "Otto Altenkirch" und datiert sowie bezeichnet "ph". In einem breiten, goldfarbenen Hohlkehl-Rahmen mit polimentvergoldeter, ornamental verzierter Sichtleiste.
WVZ Petrasch 1924–44–S.

Der Umzug von Dresden in die Muldestadt Siebenlehn im Jahr 1920 markierte für den Künstler Otto Altenkirch den Beginn einer neuen, kreativen Schaffensphase. Inspiriert durch sein ländliches Umfeld widmete er sich nun vorwiegend atmosphärischen Erscheinungen in der ihn umgebenden Natur. Hinsichtlich seiner thematischen sowie meditativen Konzentration auf das Sujet des Flusses wurde Altenkirch gar mit Cézanne verglichen, denn es sind vor allem auch die Mulde und ihre Wiesen sowie der Steyermühlteich, welche den Künstler in den folgenden Jahrzehnten im Wechsel der Jahreszeiten immer wieder zu neuen malerischen Darstellungen anregten.
Die vorliegende Arbeit ist eines der frühen, am neuen Lebensort des Künstlers entstandenen Gemälden. Es zeigt eine sommerliche Ansicht eines Weihers. Die wolkige Luft ist sonnig erhellt. Vor dem Betrachter eröffnet sich rechtsseitig das breite Gewässer, in dem sich das bewaldete Ufer widerspiegelt und den Blick zu der den Landschaftsausschnitt begrenzenden schattigen Tannengruppierung leitet. Von dort führt linksseitig im Bild eine Böschung zum Betrachterstandpunkt und lässt durch die angedeuteten Zaunpfähle eine sonnige Wiese vermuten. Der Malduktus ist frei und treffsicher und zeugt von einer das Sujet intensiv durchdringenden Konzentration. Kräftig gesetzte Pinselstriche sowie gespachtelte Strukturen führen den Betrachter in ein impressionistisch-dynamisches Farbenmeer – zugleich fühlt er sich in eine lichtdurchflutete und milde Sommerfrische versetzt.

Lit. Maria Petrasch: "Otto Altenkirch. 1875–1945. Leben und Werk." Dresden 2005.

Firnis etwas gegilbt. Lockerung der Malschicht an Ecke o.li. sowie der o. Farbschicht im Bereich der Signatur und Mi. Kleine Malschicht-Fehlstellen an Ecke o.li., in der Baumreihe am Rand li.o. sowie vereinzelt im Falzbereich. Drei verso mit Klebemittel geschlossene Risse in der Leinwand, vorderseitig mit ausgeprägtem Krakelee, teils aufstehender Malschicht und kleinen Verlusten sowie farbliche Ausbesserung im Wasser Mi. Verso Leinwand mit partiell durchgedrungener Grundierung (werkimmanent). Rahmen mit bestoßener Ecke o.li.

68 x 85,5 cm, Ra. 84,7 x 102 cm. 4.800 €
Zuschlag 6.500 €
KatNr. 33 Otto Altenkirch
KatNr. 33 Otto Altenkirch

033   Otto Altenkirch "Am Waldrand" (Schnee). 1929.

Otto Altenkirch 1875 Ziesar – 1945 Siebenlehn

Öl auf Leinwand. Signiert "Otto Altenkirch" und datiert u.re. Verso auf der Leinwand von Künstlerhand betitelt, signiert "Otto Altenkirch" und ortsbezeichnet "Dresden-Siebenlehn". In einem mit vegetabilen Eck- und Mittelkartuschen masseverzierten Rahmen.
WVZ Petrasch 1929–19–S, dort als "Birken am Waldrand" betitelt.

Vgl. eine motivgleiche Ausführung mit Abbildung im WVZ Petrasch 1929–10–S, signiert und datiert u.li.

Wir danken Herrn Frank Petrasch, Dresden, für freundliche Hinweise.

Alterskrakelee im Bereich des Schnees und der Birkenstämme. Leichte Klimakante. U.re. sowie u.Mi. Malschicht mit werkimmanenter, leichter Bläschenbildung und winziger, fachgerechter Retusche. Rahmen mit retuschierter Fehlstelle im Stuck u.re.

30,5 x 25,5 cm, Ra. 37,5 x 32 cm. 3.500 €
Zuschlag 6.500 €
KatNr. 41 Fritz Beckert, Dresden – Die Kavaliershäuser im Großen Garten im Winter. Wohl 1944.
KatNr. 41 Fritz Beckert, Dresden – Die Kavaliershäuser im Großen Garten im Winter. Wohl 1944.

041   Fritz Beckert, Dresden – Die Kavaliershäuser im Großen Garten im Winter. Wohl 1944.

Fritz Beckert 1877 Leipzig – 1962 Dresden

Öl auf Leinwand. Signiert "Fritz Beckert" und undeutlich datiert u.li. In einem goldfarbenen Schmuckrahmen mit reduzierten, klassizistischen Elementen gerahmt. Verso auf dem Keilrahmen mit dem Etikett "Eigentum: Sächs. Finanzministerium als Vorstand der W. u. B. v. Baensch-Stiftung", einem Stempel "Emil Geller Nachf. Malbedarf, Dresden, Prager Str. 19" sowie Nummerierungen. Der Rahmen ebenfalls verso mit einem Stempel des Finanzministeriums.

Vgl.: Erhard Frommhold: Unvergängliches Dresden – Aus dem Lebenswerk des Städtemalers Fritz Beckert, Dresden 1955, S. 23, S. 34 und Tafel 4. Dort mit Abbildung einer motivgleichen, weiß gehöhten Zeichnung mit der Bezeichnung "Allee im Großen Garten".

Die winterliche Impression eines Spätnachmittags im Großen Garten hielt der Sächsische Maler Fritz Beckert im Jahr 1944 fest. Als Motiv wählte er drei der insgesamt acht Kavaliershäuser, welche in ihrer Anordnung das zentrale Palais – zur Rechten außerhalb des Bildausschnitts verortet – flankieren. Nur ein Jahr später beschädigte der Feuersturm des 13. Februars die Pavillons erheblich, lediglich die Außenmauern aus Elbsandstein hielten der vernichtenden Hitze stand. Fünf Pavillons wurden rekonstruiert, so auch das Kavaliershaus C – präsent im Bildmittelgrund des Gemäldes – und das in gleicher Linie folgende Kavaliershaus B. Das Gebäude in weiterer Ferne, Kavalierhaus A, befindet sich heute in ruinösem Zustand und ist notdürftig mit einem Welldach bedeckt. In dessen Anbau wohnte von 1917 bis 1923 Oskar Kokoschka während seines Aufenthaltes in Dresden.
Nicht immer waren die Bauten als Wohn- und Arbeitsstätten konzipiert, erst im 19. Jh. wurden Halbgeschosse eingezogen und Heizvorrichtungen installiert. 1694 errichtete Johann Friedrich Karcher die Kavaliershäuschen nach dem Gesamtplan zur Überformung des Großen Gartens zugunsten der repräsentativen Steigerung des Parks. Ihre architekturhistorische Relevanz bildet auch die Tatsache, dass die Pavillons die ersten mansartgedeckten Dächer Dresdens trugen. Die kleinen Zentralbauten dienten, in ihrem Äußeren französischen Wächterhäuschen ähnelnd, in den Sommermonaten als eingeschossige, einräumige Festarchitekturen. Obwohl sie im Winter leer standen, nahm ihre Fassade steigenden Einfluss auf die gesamtheitliche, barocke Wirkung des Ensembles im Großen Garten.
Die malerische Momentaufnahme Beckerts rückt den Fokus auf die Nebenbauten, offenbart somit die reizvolle, architektonische Akzentuierung der Blickachse entlang der Hauptallee und schafft ein Zeugnis der Dresdner Architekturgeschichte noch vor der Zerstörung im Februar 1945.

Winzige Retusche o.re. im Ast. Leichter Rahmenabdruck im Falzbereich re.Mi.

91,5 x 66 cm, Ra. 104 x 79,5 cm. 4.200 €
KatNr. 48 Hans Andreas Dahl, Der einsame Fjord (Sogneford, Westnorwegen). 1. Viertel 20. Jh.
KatNr. 48 Hans Andreas Dahl, Der einsame Fjord (Sogneford, Westnorwegen). 1. Viertel 20. Jh.

048   Hans Andreas Dahl, Der einsame Fjord (Sogneford, Westnorwegen). 1. Viertel 20. Jh.

Hans Andreas Dahl 1881 Düsseldorf – 1919 Oslo

Öl auf Leinwand. Signiert "Hans Andreas Dahl" u.re. Verso in Buntstift auf dem Keilrahmen künstler- und ortsbezeichnet „Berlin W. Kurfürstenstrasse 126“ sowie betitelt. In einer breiten, weiß-grünlich gefassten, profilierten Holzleiste.

Das Gemälde zeigt in sensibler und feiner, zurückhaltender Farbigkeit eine der typischen sommerlichen Fjordansichten des Künstlers. Anders jedoch als in vielen Darstellungen Dahls findet sich bei diesem Bild keine Figur am Uferrand. Kein Boot und kein Haus sind zu sehen, so dass sich der Betrachter hier allein inmitten einer lichtdurchfluteten Landschaft befindet. Der glatte Spiegel der Wasserfläche reflektiert eine sonnenbeschienene Berglandschaft, deren Konturen sich in der Ferne unscharf in den hellwolkigen Himmel erheben. Wiesenblumen säumen den im Bild rechts vorne verlaufenden Uferweg. Links setzt eine Möwe nahe des Ufers zur Landung an, andere Vögel fliegen weiter hinten übers Wasser. Neblig aufsteigende Luft verleiht der Ansicht ein besonders stimmungsvolles Licht, als ob der Ort eine frühmorgendliche Ruhe atmete – oder die Frische nach einem Sommerregen in den Bergen: ein stilles und einsames, ein fast schon meditatives Naturerlebnis.

O. Malschicht im Randbereich rahmungsbedingt minimal berieben. Winzige, schwarze Fleckchen Mi.li. und re. Firnis leicht gegilbt. Kleines, fachgerecht geschlossenes Löchlein in der Leinwand im Himmel re.Mi. mit kleiner Retusche. Verso Leinwand partiell mit leicht durchgedrungenem Bindemittel.

66,5 x 100 cm, Ra. 81 x 114,5 cm. 8.000-9.000 €
KatNr. 54 Heribert Fischer-Geising, Stillleben mit Schwertlilien. 1931.
KatNr. 54 Heribert Fischer-Geising, Stillleben mit Schwertlilien. 1931.

054   Heribert Fischer-Geising, Stillleben mit Schwertlilien. 1931.

Heribert Fischer-Geising 1896 Teplitz-Schönau – 1984 Freiburg/Breisgau

Öl auf Leinwand. Signiert "Fischer-Geising" und datiert u.re. In einem originalen, breiten Holzrahmen mit Hohlkehle und goldfarbener Schlagmetall-Auflage. Verso auf dem Leistenrahmen vom Künstler nummeriert "420" sowie auf dem Keilrahmen von fremder Hand bezeichnet und nummeriert.

Wir danken Herrn Dieter Hoefer, Dresden, für freundliche Hinweise.

Von der unbeschreiblichen Gewalt und Brutalität des Ersten Weltkriegs gezeichnet, hielt sich Heribert Fischer-Geising ab 1919 als freischaffender Maler, Grafiker und Kunsthandwerker in Geising im Osterzgebirge auf. Die Harmonie der umliegenden Landschaft und das Bedürfnis nach Ruhe brachten ihn zurück in das großväterliche Fischerhaus, wo er neue Kraft und Inspiration fand. Geprägt durch seine Umwelt, sehnte er sich nach einem Leben in Eintracht, welche er in seinem Schaffen als Gesetzmäßigkeit in seine Werke einbindet.
Dies spiegelt sich auch in seinem 1931 entstandenen Stillleben mit Schwertlilien wider. Die statische Eleganz der Blumen, die unantastbare Ruhe, welche das Gemälde ausstrahlt, zieht den Betrachter in einen Raum, in der Gewalt und Chaos keinen Platz haben. Der Blick verliert sich in den leuchtenden Farben der Blüten und wird durch den dunklen Hinter- und Untergrund wieder aufgefangen.
Lit.: Gert Claußnitzer und Hildegard Fischer: Heribert Fischer-Geising, Fischerhaus Geising, 1999.

Hinweis: Im Osterzgebirgsmuseum Schloss Lauenstein findet bis zum 1. März 2020 die Sonderausstellung "Landschaft des Erzgebirges – Malerei und Grafik von Heribert Fischer-Geising" statt.

Malschicht mit Alterskrakelee. Im Randbereich alte (Nagel-)Löchlein in der Leinwand, teils kleine Druckspuren sowie minimal berieben. Kleine Verluste der o. Malschicht insbesondere an den den Blüten li. sowie größere Fehlstellen in den Früchten u.re. Winzige Retusche an ehem. Löchlein in u.re. Ecke.

76 x 100 cm, Ra. 90,5 x 115 cm. 1.500 €
Zuschlag 1.200 €
KatNr. 64 Josef Hegenbarth
KatNr. 64 Josef Hegenbarth
KatNr. 64 Josef Hegenbarth

064   Josef Hegenbarth "Eichelhäher". Um 1937.

Josef Hegenbarth 1884 Böhmisch Kamnitz – 1962 Dresden-Loschwitz

Öltempera auf Malpappe. Signiert o.li. "[…]os. Hegenbarth" sowie "Josef Hegenbarth" u.li. Fragment einer Nummerierung "5" in der Ecke o.re. Verso eine in Öl ausgeführte und verworfene Porträtstudie einer Dame. Verso mit dem Etikett des Nachlasses o.re., darauf mit der alten JHA-Inv.Nr. "479" versehen. In einer schlichten, braun gefassten Holzleiste gerahmt.

Vgl. motivisch die nahezu identische Leimfarbenarbeit im Stadtmuseum Bautzen (Inv.Nr. 8733) "Eichelhäher", um 1937, WVZ Zesch B V 698 sowie Schmidt 1954, Nr. 154.

Malpappe wohl von Künstlerhand nachträglich an den Längsseiten geschnitten. Unscheinbare, feine Frühschwundrisse und winziger Ausbruch an einer Pastosität im Ast Mi. Malschicht entlang der Ränder minimal berieben und mit vereinzelten, sehr kleinen Fehlstellen im Falzbereich. Winzige grundierungssichtige Stelle in Pastosität oberhalb des Kopfes. Ein Nagelloch im Bildträger am o. Rand Mi. Vereinzelte, winzige glänzende Fleckchen auf der Oberfläche.

41 x 24,5 cm, Ra. 47,5 x 29 cm. 4.000 €
* Zzgl. Folgerechtsabgabe 2.00 %.
KatNr. 87 Hans Jüchser
KatNr. 87 Hans Jüchser

087   Hans Jüchser "Sonnenrosen". 1930er Jahre.

Hans Jüchser 1894 Chemnitz – 1977 Dresden

Öl auf Leinwand. Signiert u.li. "Jüchser". Verso nochmals auf o. Keilrahmenleiste re. in schwarzer Farbe signiert "Hans Jüchser" und li. mit einem Papieretikett, darauf typografisch bezeichnet "Hans Jüchser Dresden-Wachwitz, Wachwitzgrund 56. Sonnenrosen". Zudem auf re. Leiste in blauer Kreide bezeichnet "Jüchser" und li. nummeriert "147b". In einer profilierten, gold-silberfarbenen Holzleiste gerahmt, darauf verso nochmals bezeichnet "Jüchser".
Nicht im WVZ Schmidt.

Vergleichbares Motiv in: Porstmann, Karohl (Hrsg.): Hans Jüchser. Farbe als absolute Kraft, Dresden 2010, "Knabe mit Sommerblumenstrauß", S. 43, Abb. 14.

In Jüchsers Oeuvre zeigt sich die Auseinandersetzung mit Stillleben durch alle Schaffensphasen hindurch. Entweder als eigenständiges Bildsujet oder auch eingefügt in komplexere Gestaltungskontexte finden sich Darstellungen von Blumensträußen oder arrangierten Gegenständen. In den 1970er Jahren schrieb der Künstler: "Meine Beschäftigung mit dem Stilleben ist eine Gelegenheit, die beste Möglichkeit, die formalen und farbigen Gesetze zu studieren, wobei der Gegenstand oft belanglos, der Gehalt der Gestaltung aber ebenso bedeutsam wie das Menschenbild sein kann." (Zitiert nach: Staatlicher Kunsthandel der DDR (Hrsg.): "Hans Jüchser. Malerei Grafik", Dresden, S. 4.)
Das Gemälde "Sonnenrosen" stammt aus der frühen Schaffensphase Jüchsers. In den 1930er Jahren war der Künstler als Mitglied der Dresdner Sezession aktiv, dessen Vorsitz er 1935 übernahm. In der künstlerischen Gestaltung des Bildes, den malerisch durchgearbeiteten Flächen und dem modellierenden Einsatz der teils pastos aufgetragenen Farbe zeigt sich deutlich, was Jüchsers Malerei grundsätzlich charakterisiert: Sie ist durch das Primat der Farbe bestimmt, ohne dabei Form und Kontur aufzulösen. Die Farbe, in differenzierter Nuancierung der Töne erkundet, fungiert vielmehr zugunsten einer Austarierung und Stabilisierung des kompositionellen Bildgefüges, wobei der Künstler bisweilen auch das expressionistische Cloisonné anwendet, um Farbflächen gegeneinander abzugrenzen.

Lit.: Gisbert Porstmann: "Der Maler Hans Jüchser", in: Ders. / L. Karohl (Hrsg.): Hans Jüchser. Farbe als absolute Kraft, Dresden 2010, S. 9–13.
Karin Müller-Kelwing: Hans Jüchser und die Dresdner Sezession 1932", in: G. Porstmann / L. Karohl (Hrsg.): Hans Jüchser. Farbe als absolute Kraft, Dresden 2010, S.14–18.

Malschicht vereinzelt mit feinem, unscheinbaren Alterskrakelee. Firnis glänzend. O.Mi. ein kleiner, dunkler Fleck auf der Oberfläche. Unscheinbare Leinwand-Deformationen am u. Bildrand.

93 x 65 cm, Ra.102 x 75 cm. 4.000-5.000 €
* Zzgl. Folgerechtsabgabe 2.00 %.
Zuschlag 3.600 €
KatNr. 101 Bernhard Kretzschmar, Ostseestrand bei Ahrenshoop. Wohl 1960er Jahre.

101   Bernhard Kretzschmar, Ostseestrand bei Ahrenshoop. Wohl 1960er Jahre.

Bernhard Kretzschmar 1889 Döbeln – 1972 Dresden

Öl auf Malpappe, vollflächig auf Hartfaser kaschiert. Unsigniert.

Mit einer schriftlichen Authentizitätsbestätigung von Peter Stilijanov, Klosterneuburg.

Reißzwecklöchlein an den Ecken, u.li. mit kleiner, unscheinbarer Auffaserung der Malpappe. Vier winzige punktförmige Druckstellen am Rand u.Mi. Kleiner Kratzer mit heller Farbspur im Himmel re.Mi. Pastoser Farbfleck (werkimmanent?) am Rand o.re. Partielle Ablösung des Kartons von der Hartfaser im Randbereich, insbesondere an Ecke u.li.

36,7 x 49,6 cm, Hartfaser 37,3 x 50,5 cm. 4.500 €
* Zzgl. Folgerechtsabgabe 2.00 %.
KatNr. 103 Karl Kröner

103   Karl Kröner "Garten am Turmhaus" (Grundhof, Paradiesstraße Radebeul). 1932.

Karl Kröner 1887 Zschopau – 1971 Radebeul

Öl auf Leinwand. Signiert "Karl Kröner" und datiert u.re. Verso auf der Leinwand o.re. in Pinsel von Künstlerhand nummeriert "Ö.223", betitelt, nochmals signiert und ortsbezeichnet "Niederlössnitz – Dresden, Paradiesstr. 28". In einer hellen, breiten Holzleiste mit textilbezogener Platte gerahmt.

Im Jahre 1914 bezog Karl Kröner das Atelier im Turmhaus des Grundhofs in Radebeul-Niederlößnitz. Dort lebte bis 1920 auch der Maler Paul Wilhelm, mit dem Kröner freundschaftlich verbunden war. Das Ateliergebäude blieb, abgesehen von kriegsbedingten Unterbrechungen, bis zu seinem Tode 1972 Wohnsitz des Malers. Der Grundhof, als auch die Umgebung seiner Wahlheimat in Niederlößnitz bot dem Maler zeitlebens Inspirationsquelle für sein künstlerisches Schaffen. Durch einen Brand 1944 wurde das Turmhaus stark zerstört und mit ihm ein Großteil des Frühwerks Kröners. Somit ist das hier angebotene, 1932 entstandene Gemälde ein besonderes Zeugnis des noch unversehrten Gebäudes.

Malschicht mit leichtem Alterskrakelee. Zwei Leinwand-Deformationen in re. Bildhälfte Mi. Winziges Leinwand-Löchlein am o. Rand li. Geringfügige Randläsionen. Oberfläche mit vereinzelten, winzigen, dunklen Flecken sowie u.li. eine gelbliche Bindemittel-Laufspur.

75,5 x 104 cm, Ra. 88 x 117 cm. 3.200 €
Zuschlag 2.800 €
KatNr. 136 Rudolf Nehmer, Birnen beieinander. 1980.
KatNr. 136 Rudolf Nehmer, Birnen beieinander. 1980.

136   Rudolf Nehmer, Birnen beieinander. 1980.

Rudolf Nehmer 1912 Bobersberg – 1983 Dresden

Öl auf Sperrholz. Monogrammiert "N" und datiert u.re. In einem masseverzierten, goldfarbenen Rahmen mit Blattdekor gerahmt.

Vgl.: Voigt, Gundula; Voigt, Paul (Hrsg.): Nehmer. Maler & Graphiker, Dresden 2012, "Appell der Flaschenbirnen", 1981, S. 51.

Verso Bildträger mit Läsionen am u. Rand. Firnis minimal gegilbt. Firnis im Falzbereich mit leichtem Abrieb durch die Einrahmung sowie kleine Schabspur im Falzbereich u.Mi. Unscheinbare Markierung eines Astlochs im Bildträger am o. Rand re.

27 x 63 cm, Ra. 34 x 70 cm. 2.000 €
Zuschlag 1.800 €
KatNr. 168 Georg Siebert
KatNr. 168 Georg Siebert

168   Georg Siebert "Wochenende". 1928.

Georg Siebert 1896 Dresden – 1984 Köln

Öl auf Malpappe. O.li. signiert "G. Siebert" und datiert. Verso nochmals signiert "Georg Siebert", betitelt, datiert sowie bezeichnet "Dresden-Blasewitz Deutsche Kaiserallee 40 II" und mit einem Ausstellungsetikett der Galerie Gerstenberger, Chemnitz versehen. In einem breiten, schwarzen Holzrahmen mit roter, profilierter Einlegeleiste gerahmt.

1931 war das Gemälde wohl Teil der Kollektivausstellung "Georg Siebert" des Kunstsalons Gerstenberger in Chemnitz.

Den idyllischen Charme das Alltags verstand Georg Siebert in seinen Genreszenen festzuhalten. Mit spitzem Pinsel malte er zeitlebens Abbilder der Wirklichkeit und führte sein Oeuvre ohne Stilbrüche unter der Bestimmung des Realismus fort. Er betitelte mehrere Arbeiten verschiedener Sujets mit "Wochenende", ein Exemplar wird in der Fränkischen Galerie in Nürnberg bewahrt.
Zwei Motive des vorliegenden Gemäldes "Wochenende" finden sich in weiteren Werken wieder: die junge Dame mit kurzem, dunklem Lockenschopf porträtierte Siebert in dem bereits im August 1925 entstandenen Aquarell der "Schlafenden", das zusammengerollte Hündchen übernahm er identisch aus dem 1927 entstandenen Gemälde "Sonntag in einem sächsischen Dorfgasthaus".
Bekannt war der Künstler für die milieuhafte Darstellung, deren soziale Hintergründe aufgrund der naturalistischen Umsetzung offensichtlich wurde – so lag es ihm am Herzen die "[…] verbliebenen Freuden des 'kleinen Mannes' zu malen." (Georg Siebert zitiert nach Ausstellungskatalog der Galerie von Abercron, Köln, 1977, S. 4.) Das kleine Bildformat und die äußerst detaillierte Ausführung animiert den Betrachter zum nahen Herantreten. Er wird dadurch nicht nur zum Zeugen der intimen Atmosphäre des Wochenend-Picknicks, sondern – in direktem Blickkontakt mit dem liegenden Herren stehend – zum direkten Teilnehmer der Szene. Auf einer weißen Serviette sind Genussmittel arrangiert: eine Flasche guten Weines, Kuchen und Trauben – in ihrer illusionistischen Darstellung zum direkten Verzehr einladend, komplettieren sie mit dem portablen Plattenspieler die Auswahl an Dingen, welche das Gelingen eines entspannten Nachmittags im umliegenden, satten Grün garantieren.

Vgl.:
Dalbajewa, Birgit (Hrg.): Neue Sachlichkeit in Dresden, Dresden 2012, S. 74, Abb. 297.
Galerie von Abercron (Hrg.): Georg Siebert. Gemälde und Aquarelle aus sechs Jahrzehnten. Erschienen im September 1977 anlässlich einer Ausstellung der Galerie von Abercron, Köln 1977, S. 2–9, Nr. 66.

Malpappe ungerade geschnitten sowie mit oberflächlichem Einschnitt außerhalb der Darstellung u.li und o.re. Oberfläche leicht angeschmutzt. Vereinzelt minimales Frühschwundkrakelee. Drei unscheinbare Reißzwecklöchlein (D. 1 mm) am o.re. Bildrand sowie am o. Rand des Kissens und re. im Deckel des Grammophonkoffers. Minimale, punktuelle Verluste der Farbschicht u.re. Firnis partiell matt.

38,5 x 41 cm, Ra. 46 x 48 cm. 12.000 €
Zuschlag 32.000 €
KatNr. 181 Hans Unger, Frauenkopf. Vor 1926.
KatNr. 181 Hans Unger, Frauenkopf. Vor 1926.
KatNr. 181 Hans Unger, Frauenkopf. Vor 1926.

181   Hans Unger, Frauenkopf. Vor 1926.

Hans Unger 1872 Bautzen – 1936 Dresden

Öl auf Leinwand, auf fester Malpappe kaschiert. Signiert „H. Unger“ o.re. Verso auf dem Bildträger nochmals in blauem Farbstift u.li. signiert "Hans Unger" und o.re. mit dem Ausstellungsetikett der „Großen Berliner Kunstausstellung 1926“ (handschriftlich datiert) versehen und darauf schwach lesbar, typografisch nummeriert "3810" (?). Zudem o.li. mehrmals nummeriert „2“, „426“ sowie „53“. In einem hochwertigen, polimentvergoldeten Modellrahmen mit Wellenprofilen gerahmt.
Das vorliegende Gemälde wurde im Jahr 1926 auf der „Großen Berliner Kunstausstellung“ gezeigt. Dort war Hans Unger 1926 mit insgesamt 19 Werken vertreten, darunter vier Frauenporträts. Da die Nummerierungen auf dem Gemälde nicht mit den im Ausst.-Kat. aufgeführten Nummern korrespondieren, ist eine genaue Zuordnung des Bildes nicht möglich. Es könnte sich hierbei um das Gemälde Lauf.-Nr. 906: "Frauenkopf" handeln.
Vgl. „Grosse Berliner Kunstausstellung“ Berlin, 1926, S. 66.
Lit: Rolf Günther, Hans Unger Leben und Werk mit dem Verzeichnis der Druckgraphik, Dresden, 1997.

Leinwandränder umlaufend etwas ungerade geschnitten (werkimmanent). Kleines Stück der Pappe an Ecke u.re. beschnitten (werkimmant), darüber Leinwand und Malschicht im Falzbereich mit Knickspur, ebenso Ecke u.li. mit kleiner Läsion. Ehem. Knickspur an Ecke o.re., dort mit kleiner Retusche. Rahmen mit unscheinbaren Kratzern und vereinzelten Abplatzungen der Fassung.

42 x 33 cm, Ra. 59,2 x 53,2 x 4,3 cm. 3.000-3.500 €
Zuschlag 6.500 €
KatNr. 222 Bernardo Bellotto, gen. Canaletto
KatNr. 222 Bernardo Bellotto, gen. Canaletto
KatNr. 222 Bernardo Bellotto, gen. Canaletto

222   Bernardo Bellotto, gen. Canaletto "Vue de la Place de la Ville-neuve de Dres-den, de la grande Allée (...)" (Der Neustädter Markt zu Dresden). 1750.

Bernardo Bellotto, gen. Canaletto 1720 Venedig – 1780 Warschau

Radierung auf kräftigem, wolkigen Bütten. In der Platte unterhalb der Darstellung mittig in Französisch ausführlich betitelt "Vue de la Place de la Ville-neuve de Dres-den, de la grande Allée qui aboutit a la Porte noire et des deux grandes rues dites Räbnitz-Gasse et Breite Gasse.Oú L'on voit aussi la Statué Equestre du roit Auguste II. de Glorieuse mémoire et L´ancien Hôtel de la ville prise du nouveau Corps-de Garde vers L'entrée du Pont", datiert sowie bezeichnet "Peint et gravé par Bernard Bellotto dit Canaletto Peintre Roial" re. Das Wappen von separater Platte gedruckt. Hinter Glas, in einer hochwertigen Leiste gerahmt.
WVZ Kozakiewicz 187, II (von II); WVZ De Vesme 14 II.

Kräftiger Druck, ohne Mittelfalte. Fachmännisch restaurierter Zustand. Vereinzelte Stockflecken sowie bräunliche Flecken. Mehrere, teils größere Einrisse und Ausdünnungen sowie kleine Löcher. Vertikale, wohl druckimmanente Quetschfalten, zum Teil mit Brüchen und Bereibungen.Verso vollflächig mit Flüssigpapier kaschiert, Anränderungen. Einzelne Retuschen.

Pl. 54,3 x 83,7 cm, Bl. 56,4 x 85,7 cm, Ra. 65,5 x 85 cm. 3.000 €
KatNr. 227 Justus Danckerts
KatNr. 227 Justus Danckerts
KatNr. 227 Justus Danckerts
KatNr. 227 Justus Danckerts

227   Justus Danckerts "Novi Belgii Novaeque Angliae nec non Pennsylvaniae et partis Virginiae tabula multis locis emendata a Iusto Danckers". 1690– 1701.

Justus Danckerts 1635 Amsterdam – 1701 ebenda
Jan de Visscher 1636 – ca. 1692
Nicolaes Visscher I 1618 – 1679 Amsterdam

Kupferstich, koloriert, auf Bütten. Figürliche Titelkartusche mit Künstlerbezeichnung "Justo Danckers". Darunter mit der Ansicht von Philadelphia und Legende. Maßstab u. mittig bezeichnet "Miliaria Germanica communia". Erschienen in Amsterdam ab 1673 bei Nicolaes Visscher I. Hinter Glas in schmaler Modellleiste gerahmt.
WVZ Burden II 434, Zustand III (von III).

Die bekannte Karte "Novi Belgii Novæque Angliæ" zeigt die von 1624 bis 1667 bestehende niederländische Kolonie "Nieuw Nederland" an der Ostküste Nordamerikas. Die Kolonie lag, wo heute die Bundesstaaten Pennsylvania und New Jersey befinden. Die Karte gehört zu der so genannten "Janssonius-Visscher” Serie und entstand im Jahr 1655 nach einer Karte von Claes Janszoon Visscher.

Lit.: Philip D. Burden, The Mapping of North America, II Bände, Rickmansworth 2007.

Mit dem üblichen Mittelfalz, verso hinterlegt. Mehrere kaschierte Einrisse u.re. (ca. 15 cm) sowie u. mittig (20 cm und 27 cm). Ecke u.re. geknickt. Papier ingesamt gegilbt, lichtrandig und etwas wellig. Verso stockfleckig und mit durchgedrungenen Farbflecken.

Pl. 46,4 x 54,2 cm, Bl. 51,3 x 59 cm, Ra. 54,5 x 62 cm. 1.800 €
KatNr. 472 Ernst Ludwig Kirchner
KatNr. 472 Ernst Ludwig Kirchner
KatNr. 472 Ernst Ludwig Kirchner

472   Ernst Ludwig Kirchner "Frau, Schuh zuknöpfend". 1912.

Ernst Ludwig Kirchner 1880 Aschaffenburg – 1938 Frauenkirche-Wildboden

Holzschnitt auf beigefarbenem "Van Gelder Zonen"-Bütten. Unsigniert. Einer von bisher acht bekannten Abzügen vor der ebenfalls unsignierten Auflage, welche im Graphischen Kabinett J. B. Neumann, Berlin, 1913 erschien. Verso in Blei am u. Blattrand von fremder Hand bezeichnet, römisch nummeriert "II" sowie mittig mit einem gestrichenen Inventarstempel versehen. An den o. Ecken im Passepartout montiert.
WVZ Dube H 206 A (von B); WVZ Gercken 566 A (von B).

Provenienz: Nachlass Friedrich Bienert (1891 Dresden – 1969 West-Berlin).

Abzüge der 1913 editierten Auflage befinden sich in u.a. in:
Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin
Harvard Art Museum, Cambridge, MA
Staatliche Graphische Sammlungen, München
The Museum of Modern Art, New York
Es sind 26 Abzüge der Edition bekannt.
Sowohl Dube als auch Gercken benennen starke Druckunterschiede der einzelnen Abzüge durch verschieden starkes Mitdrucken des Stockgrunds.

Innerhalb des Gesamtwerks von Ernst Ludwig Kirchner nimmt sein druckgrafisches Schaffen eine zentrale Stellung ein. Mit über 2100 Arbeiten schuf Kirchner nicht nur das umfangreichste Druckwerk des Expressionismus, sondern darüber hinaus auch eines der größten innerhalb der Kunst des frühen 20. Jahrhunderts. Unter dem Pseudonym Louis de Marsalle schrieb Kirchner über seine eigene Arbeit: „Da Kirchner seine Drucke selbst macht, ist er in der Lage, alle technischen Möglichkeiten voll auszunützen. Nur der Künstler, der Liebe und Geschick zum Handwerk hat, sollte Graphik machen [...]“. (Zit. n. Alms 2005. S. 16.) Auch für den künstlerischen Formfindungsprozess waren die druckgrafischen Techniken, besonders der Holzschnitt, für Kirchner unerlässlich. In ihm hatte der Künstler wie in keinem anderen Medium, die Möglichkeit, formzusammenfassende, abstrahierende und rhythmisierende Gestaltungsprinzipien zu entwickeln, die in ihrer Betonung des Eckigen und Spitzwinkligen in Kirchners Malerei wiederkehren.
1911 übersiedelte Kirchner von Dresden nach Berlin. Die Großstadt bot dem Künstler eine neue überbordende Themenvielfalt, die er u.a. in zahlreichen Straßen- und Milieuszenen, in Darstellungen von Prostituierten, Zirkusartisten und Varietétänzerinnen ins Bild setzte. Im Juni 1912 lernte Kirchner die beiden Schwestern Erna und Gerda Schilling in Berlin kennen, welche beide als Tänzerinnen ihren Lebensunterhalt verdienen. Erna, die ältere der beiden, wurde bald Kirchners bevorzugtes Modell, später Freundin und Lebensgefährtin. In dem vorliegenden Holzschnitt „Frau, Schuh zuknöpfend“ porträtierte Kirchner sie mit großer Wahrscheinlichkeit.
Innerhalb des klar und kontrastreich aufgebauten Bildgefüges ist die auf einem geschnitzten Hocker Sitzende in steifer Pose dargestellt, formal vollständig in das kleinteilige, die gesamte Bildfläche strukturierende Ornament integriert. Kraftvolle Schraffuren verlaufen entlang der Konturen des Kleides. Seitlich schräg gesetzte Formen deuten die Situierung der Figur in einer Raumecke an. Ein auf der rechten Seite abgebildeter, exotisch anmutender Wandbehang zeigt einen Frauenakt mit Hahn. Mit ähnlichen Tüchern stattete Kirchner seine Ateliers aus, sie boten ihm einen inspirierenden Hintergrund für seine Figurendarstellungen. Das Motiv der sitzenden, den Schuh bindenden Tänzerin hielt Kirchner auch in verschiedenen Bleistift- und Kreidezeichnungen fest.
Lit.:
Barbara Alms: „Kirchners urbane Ästhetik.Großstadt, Eros und Natur“. In: „Ernst Ludwig Kirchner. Großstadt, Eros und Natur“. Delmenhorst 2005. S. 12–17.
Kunstverein Hamburg (Hrsg.): „E.L. Kirchner. Zeichnungen und Druckgrafik 1905–1936“. Mit e. Einf. v. Günther Gercken. Hamburg 1978.
Magdalena M. Moeller: „Ludwig Kirchner. Meisterwerke der Druckgrafik“. Stuttgart 1990.

Fachmännisch restaurierter Zustand. Etwas gebräunt und lichtrandig. Die äußersten Randbereiche teilweise angeschmutzt, sehr unscheinbar angestaubt und mit Fingerspuren, der Blattrand/Blattkante o.li. mit schwarzer Schmutzspur. Der o. weiße Rand etwas angegraut, die o. Ecken mit Spuren einer früheren Montierung, dort partiell braunfleckig, die re. Ecke mit durch Anfaserung geschlossenen Löchlein. Ein winziger Einriss (4 mm) u.Mi. Verso am re. Rand mit halbkreisförmigen, gräulichen Schmutzrändern eines ehemaligen Feuchteeintrags (nicht deformiert). Am o.re. Rand eine leichte Papierausdünnung, wohl montierungsbedingt. Randbereiche partiell mit Resten einer älteren Montierung. Die o. Blattecken flächig mit Flüssigpapier angefasert.

Stk. 31 x 24,9 cm, Bl. 57,5 x 45,5 cm, Psp. 62 x 49 cm. 12.000 €
KatNr. 614 Hermann Max Pechstein

614   Hermann Max Pechstein "Das kalte Bad". 1928.

Hermann Max Pechstein 1881 Zwickau – 1955 Berlin

Radierung mit Kaltnadel, Riffelfeile, Pinselätzung und Plattenton auf elfenbeinfarbenem Kupferdruckpapier. Unterhalb der Platte re. in Blei signiert "HMPechstein" und datiert. Am o. Blattrand nahezu vollrandig im Passepartout klebemontiert. U. Mi. auf dem Passepartout mit dem Trockenstempel des Vereins der "Freunde Graphischer Kunst Leipzig". Aus: XV: Jahresgabe der Freunde Graphischer Kunst, Leipzig 1928. Wohl ein Exemplar der Vorzugsausgabe an "Förderer" der Vereinigung.
WVZ Krüger R 162, dort mit Abb.; Söhn HDO 51016–5.

Minimal lichtrandig sowie mit sehr vereinzelten Griffknicken. Am u.re. Blattrand eine minimale Stauchung. Am o. Rand leichte Verformungen aufgrund der Klebemontierung sowie o.re. eine kleine Klebespur mit minimaler Läsion.

Pl. 24,2 x 29,3 cm, Bl. 37,5 x 41,5 cm, Psp. 44,5 x 55,5 cm. 2.000 €
* Zzgl. Folgerechtsabgabe 2.00 %.
KatNr. 643 Gerhard Richter und andere Künstler „Rohmaterial Sonderausgabe
KatNr. 643 Gerhard Richter und andere Künstler „Rohmaterial Sonderausgabe
KatNr. 643 Gerhard Richter und andere Künstler „Rohmaterial Sonderausgabe
KatNr. 643 Gerhard Richter und andere Künstler „Rohmaterial Sonderausgabe
KatNr. 643 Gerhard Richter und andere Künstler „Rohmaterial Sonderausgabe
KatNr. 643 Gerhard Richter und andere Künstler „Rohmaterial Sonderausgabe
KatNr. 643 Gerhard Richter und andere Künstler „Rohmaterial Sonderausgabe
KatNr. 643 Gerhard Richter und andere Künstler „Rohmaterial Sonderausgabe
KatNr. 643 Gerhard Richter und andere Künstler „Rohmaterial Sonderausgabe
KatNr. 643 Gerhard Richter und andere Künstler „Rohmaterial Sonderausgabe
KatNr. 643 Gerhard Richter und andere Künstler „Rohmaterial Sonderausgabe
KatNr. 643 Gerhard Richter und andere Künstler „Rohmaterial Sonderausgabe
KatNr. 643 Gerhard Richter und andere Künstler „Rohmaterial Sonderausgabe
KatNr. 643 Gerhard Richter und andere Künstler „Rohmaterial Sonderausgabe
KatNr. 643 Gerhard Richter und andere Künstler „Rohmaterial Sonderausgabe
KatNr. 643 Gerhard Richter und andere Künstler „Rohmaterial Sonderausgabe
KatNr. 643 Gerhard Richter und andere Künstler „Rohmaterial Sonderausgabe
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KatNr. 643 Gerhard Richter und andere Künstler „Rohmaterial Sonderausgabe
KatNr. 643 Gerhard Richter und andere Künstler „Rohmaterial Sonderausgabe
KatNr. 643 Gerhard Richter und andere Künstler „Rohmaterial Sonderausgabe
KatNr. 643 Gerhard Richter und andere Künstler „Rohmaterial Sonderausgabe
KatNr. 643 Gerhard Richter und andere Künstler „Rohmaterial Sonderausgabe

643   Gerhard Richter und andere Künstler „Rohmaterial Sonderausgabe". 2014.

Gerhard Richter 1932 Dresden
Olaf Holzapfel 1969 Görlitz
Peter Koch 1960 Greifswald – lebt in Dresden
Frank Nitsche 1964 Görlitz – lebt und arbeitet in Berlin
Stefan Plenkers 1945 Ebern/Bamberg – lebt in Dresden
Sophia Schama 1966 Sofia
 Strawalde (Jürgen Böttcher) 1931 Frankenberg/Sa. – lebt in Berlin
Klaus Tempel 1935 Dresden – 2015 ebenda
Max Uhlig 1937 Dresden – lebt und arbeitet in Helfenberg (Dresden)
Claus Weidensdorfer 1931 Coswig/Sachsen

Künstlerbuch in zwei Bänden mit 50 Offsetdrucken, 34 Druckgrafiken und 31 Unikaten. Überwiegend von den Künstlerinnen und Künstlern signiert und teilweise datiert. Exemplar Nr. 39 von 125. Gebunden von Ralf Liersch, Berlin. Softcover-Bindung, originaler Leinen-Schuber mit roter Titelprägung.

Das Künstlerbuch erschien im Februar 2014 anlässlich der 250. Wiederkehr des Gründungstages der Dresdner Kunstakademie in zwei Bänden. 112 Künstlerinnen und Künstler haben exklusiv für die beiden Bände der Edition Beiträge erschaffen.

Mit einer Arbeit von Gerhard Richter aus: „Elbe“. 1957/2012. Digitaler Tintenstrahldruck auf Papier. U.Mi. signiert "Richter" und mit dem Gründungsdatum der Dresdner Kunstakademie "1764" datiert. Blatt vier der Folge "Elbe. Joe Hage, London" mit 31 Arbeiten.
WVZ Butin 155.
Siehe auch: Gerhard Richter Archiv (Hrsg.): Gerhard Richter. Elbe. 31 Monotypien. 1957. Köln 2009.

Weiterin sind Werke nachfolgender Künstler enthalten:
Band 1:
Dominik Bucher, Stefan Krauth, Stella Hamberg, Lisa Junghanß, Peter Bömmels, Ursula Sax, Sylvia Pásztor, Martin Paul Müller, Johanna Failer, Frank Nitsche, Swaantje König, Sophia Schama, Franziska Stolzenau, Lars Frohberg, Franziska Goralski, Maria Athenstaedt, Michael Klipphahn, Romin Walter, Dietmar Nieschler, Sara Hoppe, Dieter Goltzsche, Kerstin Gommlich, Martin Mannig, Anett Bauer, Jan Brokof, Christopk Grabe, Anne Neukamp, Justus Bräutigam, Stefanie Bühler, Andrey Klassen, Sebstian Osterhaus, Nicolás Dupont, Carolin Israel, Annekatrin Döll, Anne-Therea Wittmann, Melanie Börner, Monika Brandmeier, Johan Schäfer, Theo Boettger, Christoph Roßner, Christian Henkel, Frank Ponk, Frank Lippold, Katarina Schrul, David Buob, Stefan Lenke, Christina Baumann, Alexander Endrullat, Daniel Rode, Rebecca Michaelis, Wilhelm Mundt, Juliane Schmidt, Claus Weidensdorfer, Antje Liemann, Markus Draper, Claudia Kleiner sowie Sutter / Schramm.

Band 2:
André Tempel, Marit Wolters, Rao Fu, Martina Wolf, Daniel Grams, Wolfram A. Scheffler, Marten Schech, Paul Barsch, Peter K. Koch, Stefan Brock, Birgit Schuh, Konstantin Kunath, Eileen Dreher, Agnes Wrobel, Tony Franz, Reinigungsgesellschaft, Malie Malie Endkramer, Britta Jonas, Sven Wiesner, Tilman Hornig, Martin Borowski, Anne Schäfer, Max Uhlig, Tom Anton, Eisbein / Engeln, Alex Lebus, Strawalde, Marcel Tarelkin, Stefan Kübler, Eberhard Bosslet, Robert Brandes, Claudia Bieberstein, Elke Hopfe, Anne-Kathrin Rust, Melanie Kramer, Anja Langer, Christian Schönwälder, Michaela Dehnert, Robert Vanis, Julia Rüther, Cosima Tribukeit, Andreas Hildebrandt, Else (Twin) Gabriel, Marie Aly, Olaf Holzapfel, Svenja Wichmann, Christian Macketanz, Christian Sery, Benedikt Tammer, Martin Honert, Robert Frommberg, Matti Schulz, Antje Blumenstein, Eberhard Göschel, André Schulze, Paul Pretzer und Stefan Plenkers.

Band 1:
Deckblatt o.re mit leichter Druckspur der auf der nachfolgenden Seite montierten werkimmanenten Büroklammer. Die Arbeiten von Sophia Schama, Franziska Stolzenau, Lars Frohberg und Anett Bauer technikbedingt wellig.
Band 2:
Die Arbeiten von Benedikt Tammer und Stefan Plenkers technikbedingt wellig.
Softcover-Einbände mit sehr vereinzelten unscheinbaren Kratzspuren. Leinen-Schuber vereinzelt sehr unscheinbar angeschmutzt, verso am u. Rand mit minimaler Bereibung.

Buchmaß 25,3 x 20 cm. 5.000-6.000 €
* Zzgl. Folgerechtsabgabe 2.00 %.
KatNr. 673 Karl Schmidt-Rottluff

673   Karl Schmidt-Rottluff "Wald und Sonne". 1920.

Karl Schmidt-Rottluff 1884 Rottluff b. Chemnitz – 1976 Berlin

Kaltnadelradierung mit kräftigem Plattenton auf leichtem, gelblichen Büttenkarton. Unterhalb der Platte in Blei re. signiert "S.Rotluff", li. nummeriert "2030" sowie bezeichnet "St".
WVZ Schapire (1924) R 44.

Abgebildet in: Ernest Rathenau (Hrsg.) und Rosa Schapire: Karl Schmidt-Rotluff. Graphisches Werk bis 1923. Tafelband, Stuttgart 1987, Kapitel 3, Abb. 44.

Etwas knick- und atelierspurig. An der u.re. Blattecke mehrere, leicht diagonale Quetschfalten. Im re. weißen Rand u. mit einer Papierdurchstoßung. Verso an den o. Ecke Reste einer alten Montierung und mit Papierabrieb.

Pl. 33,2 x 39,3 cm, Bl. 37 x 48 cm. 3.500 €
* Zzgl. Folgerechtsabgabe 2.00 %.
KatNr. 811 Wohl süddeutscher Künstler, Apostel Paulus. 15. Jh.
KatNr. 811 Wohl süddeutscher Künstler, Apostel Paulus. 15. Jh.
KatNr. 811 Wohl süddeutscher Künstler, Apostel Paulus. 15. Jh.
KatNr. 811 Wohl süddeutscher Künstler, Apostel Paulus. 15. Jh.

811   Wohl süddeutscher Künstler, Apostel Paulus. 15. Jh.

Nadelholz, vollplastisch geschnitzt. Holzsichtig, die Rückseite mit vereinfachter Gewandfaltung, flacher gearbeitet. Auf der Unterseite der Plinthe eine alte Inventar-Bezeichnung in schwarzem Faserstift.

Attribut der rechten Hand wohl fehlend. Nase, zwei Finger sowie Schwertschaftspitze abgebrochen, mehrere, zum Teil deutliche Kerben im Holz sowie leichte Trocknungsrisse. Drei kleine Durchschnitzungen im Gewand u. sowie o.li. im Bereich des re. Armes. Holzoberfläche wohl nachträglich geglättet. Verso wenige Anobienfraßgänge (inaktiv). Wenige Reste einer alten Farbfassung in den Tiefen der Locken und am Hals sowie vereinzelt an Gewandfalten.

H. 88 cm, B. 30 cm, T. 15 cm. 4.500 €
KatNr. 812 Süddeutscher Künstler, Heiliger Pantaleon. 1. H. 16. Jh.
KatNr. 812 Süddeutscher Künstler, Heiliger Pantaleon. 1. H. 16. Jh.
KatNr. 812 Süddeutscher Künstler, Heiliger Pantaleon. 1. H. 16. Jh.
KatNr. 812 Süddeutscher Künstler, Heiliger Pantaleon. 1. H. 16. Jh.
KatNr. 812 Süddeutscher Künstler, Heiliger Pantaleon. 1. H. 16. Jh.
KatNr. 812 Süddeutscher Künstler, Heiliger Pantaleon. 1. H. 16. Jh.

812   Süddeutscher Künstler, Heiliger Pantaleon. 1. H. 16. Jh.

Lindenholz (?), geschnitzt, aus zwei stirnverleimten Blöcken. Holzsichtig, dunkelbraun lasiert. Minimale Reste einer wohl späteren Farbfassung. Verso abgeflacht und hohl gearbeitet.

Bereits im Frühmittelalter wurde die Heiligen-Gruppe der "Vierzehn Nothelfer" angebetet und verehrt. Bestehend aus männlichen und weiblichen Heiligen des 2. bis 4. Jh., war den Märtyrern entsprechend ihrem Leben und Tod ein Aufgabenbereich zugeordnet. Während des Hoch- und Spätmittelalters – impulssetzend waren dabei die Pestpandemien – gewann die Anbetung der "Vierzehn Nothelfer" an Bedeutung. In den Kontext dieser Gruppe sind vorrangig die Darstellungen des Heiligen Pantaleons gesetzt. Als Patron der Ärzte, Hebammen und der Kranken, wurde Pantaleon – gemäß der Art seines Sterbens – auch zur Hilfe bei Kopfweh angerufen. Im Dienste Kaiser Diokletians, soll der christliche Leibarzt Pantaleon versucht haben, des Kaisers Frau zu bekehren – und leitete damit die Geschicke an, welche zu seiner Hinrichtung führten. Das Ende seines Martyriums wurde durch einen Schädel spaltenden Schwerthieb herbeigeführt. Ab dem 15. Jh. verbreitet sich die Darstellung des Pantaleons, dessen Hände mit einem Nagel auf seinem Scheitel festgeschlagen wurden.

Fuge der beiden Teilstücke im u. Viertel ablesbar. Trocknungsrisse, verso ein breiter, vertikaler Trocknungsriss mittig im Bereich von Schulter und Kopf. Zwei größere, längliche Ergänzungen, einige kleine Aussetzungen. Kleine Fehlstelle an einer Hand. Anobienfraß-Gänge (inaktiv), teils mit Kitt (Wachs?) verschlossen.

H. 74 cm, B. 29 cm, T. 26 cm. 5.000-6.000 €
Zuschlag 5.600 €
KatNr. 817 Johannes Götz
KatNr. 817 Johannes Götz
KatNr. 817 Johannes Götz

817   Johannes Götz "Balancierender Knabe". Nach 1888.

Johannes Götz 1865 Fürth – 1934 Berlin

Bronze, gegossen und mittelbraun patiniert. Naturalistische Plinthe, auf einem Marmorsockel montiert. Auf der re. Kugelseite signiert "Götz fec" und ortsbezeichnet "Berlin". Auf der Plinthenrückseite bezeichnet "Akt. Ges. Gladenbeck Berlin".

Das Erstlingswerk des Künstlers, welches noch während seines Meisterstudiums bei Reinhold Begas an der Berliner Akademie der Künste 1888 entstand, ist gleichwohl zu seinen Hauptwerken zu zählen. Die Firma Gladenbeck produzierte die Statuette in den Größen 76 cm, 48 cm und 25 cm und bezeichnete sie in ihrem Verkaufskatalog als "Kugelläufer". Die Berliner Nationalgalerie erwarb im Jahr 1889 eine große Ausführung.
Vgl. Bloch, Peter; Einholz, Sibylle; von Simson, Jutta: Ethos und Pathos. Die Berliner Bildhauerschule 1786–1914. Berlin, 1990. KatNr. 89, S. 112 f. mit Abb.

Patina partiell berieben. Kleinere, vereinzelte Flecken an den Beinen. Winzige Kerbe am re. Oberarm. Chip an der vorderen li. Ecke des Marmorsockels.

H. 25,7 cm, H. ges. 27,3 cm. 950-1.000 €
Zuschlag 900 €
KatNr. 861
KatNr. 861
KatNr. 861
KatNr. 861

861   "Tänzerin". Thomas Andreas Vos für Lorenz Hutschenreuther, Selb. 1926– 1938.

Thomas Andreas (Theo) Vos 1887 Groningen – 1948 Haarlem

Porzellan, glasiert und partiell vergoldet. Unterseits des tropfenförmigen Sockels mit Manufaktur- und Künstlerstempel "Th. A. Vos, Amsterdam" in Aufglasurgrün sowie mit der Ziffer "51" in Aufglasurgold. Modellnummer 492. Entwurfsjahr: 1926 (H. 29 cm).

Zwei weitere, größenreduzierte Ausformungen wurden ab 1932/33 bis 1940 angeboten (Modellnummern 1275 und 1473).

Vgl. Mey, E.: Im Zeichen des Löwen – Porzellan aus Künstlerhand. Die Kunstabteilung Lorenz Hutschenreuther, Selb, 1918–1945. Deutsches Porzellanmuseum, Hohenberg an der Eger, 2009, S. 237 ff., Abb. S. 238.

Verso am Kopf mit herstellungsbedingter Glasurfehlstelle. Partiell feine, herstellungsbedingte Glasurunebenheiten. Verso am o. Sockelrand mit einem nadelpunktgroßen Brandfleck. Sockel mit kleiner Kratzspur im Goldfaden. Sockelrand mit winzigen, unscheinbaren Chips unter der Vergoldung, ein Chip verso eventuell nachstaffiert.

H. 29 cm. 3.500 €
Zuschlag 3.000 €
KatNr. 880 Sehr große Prunkvase mit Mohnblütendekor. Julius Eduard Braunsdorf (in der Art von) für Meissen. Um 1900.
KatNr. 880 Sehr große Prunkvase mit Mohnblütendekor. Julius Eduard Braunsdorf (in der Art von) für Meissen. Um 1900.
KatNr. 880 Sehr große Prunkvase mit Mohnblütendekor. Julius Eduard Braunsdorf (in der Art von) für Meissen. Um 1900.
KatNr. 880 Sehr große Prunkvase mit Mohnblütendekor. Julius Eduard Braunsdorf (in der Art von) für Meissen. Um 1900.

880   Sehr große Prunkvase mit Mohnblütendekor. Julius Eduard Braunsdorf (in der Art von) für Meissen. Um 1900.

Julius Eduard Braunsdorf 1841 Niederfähre bei Meißen – 1922 Meißen
Ernst August Leuteritz 1818 Meißen – 1886 ebenda

Porzellan, glasiert und in polychromer Aufglasurmalerei staffiert. Balusterform auf reliefiertem Rundstand. Konkav eingewölbter Hals, mittels Flechtbändern und Perlstabdekoren akzentuiert. Ausschwingende Mündung mit reliefiertem Eierstab. Zwei an der Wandung ansetzende, in sich verschlungene Blattreliefhenkel. Auf beiden Seiten der Wandung eine impressionistisch angelegte Mohnbukettmalerei. Die Reliefs goldgehöht, die Ränder mit Goldfaden. Unterseits die zweifach geschliffene Schwertermarke in Unterglasurblau, die geprägte Modellnummer "D 153", die Drehernummer sowie die Bezifferung "29" in Unterglasurblau.

Formentwurf von Ernst August Leuteritz.

Montierung etwas gelockert, Korpus im Bereich der Montierung mit kleinen Materialabplatzungen. Henkelansätze unterseits mit unscheinbaren Brandrissen unter der Glasur, Innenwandung mit feinem Brandriss unter der Glasur. Vergoldung minimal berieben. Minimale Farbspur (werkimmanent) unterhalb des Dekors.

H. 60 cm. 3.000 €
KatNr. 991 Hochbedeutender monumentaler Falkner-Kowsch. Fabergé, Moskau. Um 1913.
KatNr. 991 Hochbedeutender monumentaler Falkner-Kowsch. Fabergé, Moskau. Um 1913.
KatNr. 991 Hochbedeutender monumentaler Falkner-Kowsch. Fabergé, Moskau. Um 1913.
KatNr. 991 Hochbedeutender monumentaler Falkner-Kowsch. Fabergé, Moskau. Um 1913.
KatNr. 991 Hochbedeutender monumentaler Falkner-Kowsch. Fabergé, Moskau. Um 1913.
KatNr. 991 Hochbedeutender monumentaler Falkner-Kowsch. Fabergé, Moskau. Um 1913.
KatNr. 991 Hochbedeutender monumentaler Falkner-Kowsch. Fabergé, Moskau. Um 1913.
KatNr. 991 Hochbedeutender monumentaler Falkner-Kowsch. Fabergé, Moskau. Um 1913.
KatNr. 991 Hochbedeutender monumentaler Falkner-Kowsch. Fabergé, Moskau. Um 1913.
KatNr. 991 Hochbedeutender monumentaler Falkner-Kowsch. Fabergé, Moskau. Um 1913.
KatNr. 991 Hochbedeutender monumentaler Falkner-Kowsch. Fabergé, Moskau. Um 1913.
KatNr. 991 Hochbedeutender monumentaler Falkner-Kowsch. Fabergé, Moskau. Um 1913.
KatNr. 991 Hochbedeutender monumentaler Falkner-Kowsch. Fabergé, Moskau. Um 1913.
KatNr. 991 Hochbedeutender monumentaler Falkner-Kowsch. Fabergé, Moskau. Um 1913.
KatNr. 991 Hochbedeutender monumentaler Falkner-Kowsch. Fabergé, Moskau. Um 1913.
KatNr. 991 Hochbedeutender monumentaler Falkner-Kowsch. Fabergé, Moskau. Um 1913.
KatNr. 991 Hochbedeutender monumentaler Falkner-Kowsch. Fabergé, Moskau. Um 1913.
KatNr. 991 Hochbedeutender monumentaler Falkner-Kowsch. Fabergé, Moskau. Um 1913.
KatNr. 991 Hochbedeutender monumentaler Falkner-Kowsch. Fabergé, Moskau. Um 1913.
KatNr. 991 Hochbedeutender monumentaler Falkner-Kowsch. Fabergé, Moskau. Um 1913.

991   Hochbedeutender monumentaler Falkner-Kowsch. Fabergé, Moskau. Um 1913.

Peter Carl Fabergé 1846 St. Petersburg – 1920 Pully b. Lausanne
Rudolph Sack 1824 Kleinschkorlopp – 1900 Leipzig

Geschenk zum 50. Firmenjubiläum der Landmaschinenfabrik Rud. Sack KG, Leipzig-Plagwitz von Direktor Dr. Walter Lessing der Act.-Ges. "Rabotnik", Moskau.

Silber, 88 Zolotnik (14 1/2 Lot), getrieben, partiell poliert sowie matt ziseliert, die Innenseite des Bodens gebürstet. Die Innenwandung vergoldet.

Schiffsförmiger Korpus, im vorderen Segment mit der plastisch ausgearbeiteten Darstellung eines Falkners im historischen Gewand auf einem galoppierenden Pferd, den rechten Arm und Hand erhoben und einen Falken haltend. Seitlich weitere Falkner. Im J-förmigen und ornamental reliefierten Griff beidseitig eine vertiefte, querrechteckige Reserve, darin ein reliefiert ausgearbeiteter Fuchs sowie ein Hase. Auf der Wandung beidseitig mit einer gravierten Widmung "Dem Hause "Rudolf Sack", die dankbare Act.-Ges. "Rabotnik"" sowie "5. Mai 1863–1913". Unterseits mit der Meistermarke "K. Fabergé" in kyrillischen Versalien, oberhalb der Doppeladler (Wappen des Russischen Kaiserreichs). Des Weiteren die Marken der Moskauer Bezirksschauadministration 1908–1917 im Oval sowie im Kreis (üblicherweise neben der zusammengesetzten Marke). Unterhalb der Marken die geritzte Inventarnummer "21601".

Vgl. Goldberg, T.: Verzeichnis der russischen Gold- und Silbermarken, München 1971, Lfde. Nr. 870, 1938, 1941.

Wir danken Frau Dr. Juliane Gohla, Urenkelin des Rudolph Sack, für freundliche Hinweise.
Wir danken Frau Sabine Lessing, Ehefrau des Enkels von Walter Lessing, für freundliche Hinweise.


Fabergé
Der Kowsch, ein traditionelles russisches Trinkgerät mit einem schiffsbauchähnlichen Korpus, wurde seit dem Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert durch die sozialen Schichten hinweg in verschiedenen, kunstfertig verzierten Ausführungen und Materialien genutzt. Im Mittelalter wurde der Kowsch vorwiegend aus Holz gefertigt und als reiner Gebrauchsgegenstand zum Servieren von Speisen und Getränken genutzt. Im frühen 18. Jahrhundert ließ der Zar vergoldete Kowschs anfertigen, die er für besondere Verdienste für das Land verschenkte. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert fertigten Gold- und Silberschmiede, u. a. Fabergé im Kundenauftrag hochwertige, dekorative Kowschs mit oft monumentalem Ausmaß zu Repräsentationszwecken.
1887 eröffnete Fabergé eine Moskauer Filiale auf der Prachtmeile Uliza Kuznetskiy Most, welche parallel zu jener in St. Petersburg betrieben wurde. Ab 1900 produzierte Fabergé alle großformatigen, repräsentativen Silberobjekte in Moskau – zu diesem Zeitpunkt Zentrum russischer Silberschmiedearbeiten und Sitz der größten Firmen der Branche – nicht zuletzt, weil die besten Silberschmiede der Zeit in Moskau angesiedelt waren. Ein weiteres Merkmal des Moskauer Firmenzweigs war die Spezialisierung auf den altrussischen Stil in einer gleichzeitig qualitativ äußerst hochwertigen Ausführung.
Der russisch-folkloristische Themenkreis oder so genannte neorussische Stil spiegelte sich ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in der Rückbesinnung auf die russische Geschichte wider und wurde in der Darstellung von Heldenfiguren, Szenen aus Märchen und Epen sowie historischen Gegebenheiten oder Personen manifestiert. Diese wurden vollplastisch, teils eigenständig gefertigt oder als Reliefs an den Objekten platziert. Fabergé entwarf mehrere monumentale Kowschs mit dem Bogatyr-Thema, den mittelalterlichen Helden aus Sagen der Geschichte der Kiewer Rus. Auch das Motiv des Falkners ist tief in der mittelalterlichen Geschichte Russlands verwurzelt. Die Falkenjagd galt als eine der Lieblingsbeschäftigungen des russischen Hochadels im Mittelalter, besonders der Bojaren.
Die figürliche Plastik des Kowschs lässt sich konkret auf die Monumentalplastik "Der Falkner des Zaren" (1872) des russischen Bildhauers Jewgeni Alexandrowitsch Lanseres, auch Eugen Lanceray, (1848–1886) zurückführen. Eine monumentale Ausführung der Bronze wurde im Rahmen der Allrussischen Industrie- und Handwerksausstellung 1882 in Moskau ausgestellt, an der im selben Jahr auch Fabergé erstmals teilnahm und mit der Goldmedaille ausgezeichnet wurde.
Nach derzeitigem Forschungsstand sind neben dem angebotenen Exemplar zwei weitere, formähnliche Ausführungen des Falkner-Kowschs bekannt. Ein vergleichbares Objekt mit abweichendem Umriss des Korpus, des Griffs sowie kleinerer Details und mit der Inventarnummer "24682" versehen, stammt aus dem Besitz der schwedischen Nobel-Familie, einem wichtigen Kunden Fabergés. Insbesondere Emanuel Nobel, schwedisch-russischer Ölmagnat der Firma Branobel, gab zahlreiche Werke in Auftrag (weitere Provenienz: 20. Mai 1997 Sotheby's Genf, Los 290/ 26. November 2012 Christie's London, Los 284).
Ein weiterer vergleichbarer, weniger detailliert ausgeführter und nicht nachweislich Fabergé zugeschriebener Kowsch war ein Geschenk des Großfürsten Boris Wladimirowitsch Romanow (Cousin des Zaren Nikolaus II.) an den spanischen König Alfons XIII. im Jahr 1908 (Farnese Regiment). Beide Kowschs sind unmittelbar an eine archivarische Fabergé-Skizze (Fabergé, T., S. 349) angelehnt. Silberobjekte aus der Moskauer Werkstatt wurden üblicherweise nicht signiert, sondern trugen ausschließlich den Firmennamen, sodass über die Entwerfer selbst sehr wenig bekannt ist. Dies nimmt die aktuelle Forschung zum Anlass, sich mit der Recherche zur Datierung und möglichen Schöpfern der monumentalen Bogatyr- und Falkner-Kowschs zu befassen.

Literatur:
- Trombly, Margaret Kelly. Fabergé and the Russian Crafts Tradition, 2017.
- Fabergé, Tatiana F., et al. Fabergé: A Comprehensive Reference Book, 2012, Abb. S. 349.

Internetseiten:
- Sparke, C. and Hoff, Dee Ann: "Fabergé's Monumental Kovshes with Bogatyr Themes" in: Fabergé Research Site / Newsletter 2015 Winter.
- Hoff, Dee Ann:" From Bogatyrs to Boyars" in: Fabergé Research Site / Newsletter 2016 Winter mit Abb.


Die Familie Rudolph Sack
Rudolph Sack (1824–1900) stammte aus einfachen Verhältnissen und half seit früher Kindheit in der Gutswirtschaft seiner Eltern mit. Nichtsdestotrotz legten sie sehr viel Wert auf eine fundierte Ausbildung des Sohnes und ermöglichten ihm den Schulbesuch bei einem Privatlehrer und später zusätzlichen Unterricht in Mathematik und Zeichnen bei einem Feldmesser in Leipzig. Sack bildete sich in den folgenden Jahren stetig weiter, arbeitete unter anderem als Gutsverwalter. Nach der Rückkehr in die Heimat, veranlasst durch den Tod seines Stiefvaters im Jahr 1855, begann er die wenig leistungsfähigen Pflüge zu verbessern und konstruierte neben einem neuen, effizienten und leichtgängigen Pflug aus Eisen und Stahl seine erste Drillmaschine, Eggen, Walzen und Hackmaschinen. Nach regionalen Erfolgen wurden seine Konstruktionen in Fachzeitschriften besprochen und auf Ausstellungen gezeigt. Erster internationale Auftraggeber war der Rübenzuckerfabrikant Graf Alexei Bobrinski aus Bogorodizk / Kiew, welcher 1857 nach einem Besuch auf dem Sack'schen Gut 120 Pflüge unter der Maßgabe orderte, diese im technisch fortgeschritteneren England bei Richard Garetts & Sons in Leiston herzustellen. Dies war u. a. ein Impuls im Jahr 1863 die äußerst erfolgreiche und stetig wachsende Fabrik in Leipzig-Plagwitz mit Unterstützung des Industriellen Carl Heine (1819–1888) zu gründen. Rund zehn Jahre später stellte Sack auf der Wiener Weltausstellung aus, unternahm zahlreiche Handelsreisen und exportierte u. a. nach Österreich und Russland. 1877 richtete Sack eine 17 ha große Versuchsstation für neu entwickelte Geräte sowie für die Steigerung des Ertrags beim Anbau von Getreide und Hackfrüchten und beschäftigte sich intensiv mit Be- und Entwässerungsverfahren. Nach seinem Tod wurde diese Versuchsstation auf 200 ha vergrößert. Das Werksgelände erhielt 1878 zudem einen eigenen Anschluss an das Schienennetz der Sächsischen Staatseisenbahn. 1882 wurden bereits 50% der gesamten Produktion exportiert, im Jahr des 50–jährigen Firmenjubiläums 1913 waren es 72%. Rudolph Sacks Sohn Paul trat 1881 in die Firma ein, übernahm ab 1891 weitestgehend die Geschäfte und führte die Firma ab 1900 mit wachsendem Erfolg weiter (Abb. 1). 1911 beschäftigte die Firma Sack fast 2.000 Mitarbeiter. In einem geschäftsinternen Briefwechsel zwischen der Exportabteilung der Firma Rud. Sack und Otto Sack im Jahr 1911 manifestierte sich die beginnende Geschäftsbeziehung zu der Act.-Ges. Rabotnik. (Abb. 2). Das 50–jährige Firmenjubiläum 1913 wurde in großem Umfang und mit internationaler Gästeliste (Abb. 3) begangen. Für seine Verdienste bei der Weiterentwicklung von landwirtschaftlichen Maschinen, die auf modernstem Stand und qualitativ auf höchstem Niveau waren, erhielt Paul Sack die Ehrendoktorwürde der TH Dresden. Seine Söhne Otto und Dr. Hans Sack übernahmen nach seinem Tod die Geschäftsführung. 1945 folgte die Stilllegung der Firma Rud. Sack KG durch die US-amerikanische Administration, etwas später wurde das Vermögen durch die sowjetische Militäradministration beschlagnahmt. Die Produktion wurde in kleinem Umfang wieder aufgenommen. 1946 wurde der Betrieb demontiert und die modernen Maschinen in die UDSSR gebracht. 1948 wurde der Betrieb in Volkseigentum überführt und hieß fortan "Leipziger Bodenbearbeitungsgerätefabrik VEB, vormals Rud. Sack" (BBG). 1998 übernahmen die Amazonen-Werke den mittlerweile insolventen Betrieb.

Literatur:
- Dreyer, Klaus: Die Geschichte der BBG – Von Rudolph Sack bis AMAZONE, 2009.
- Rud. Sack Leipzig-Plagwitz: 1863 – 1913; Lebensgeschichte des Begründers, Entwicklung und heutiger Stand des Werkes. Leipzig, 1913.


Die Familie Lessing und die Act.-Ges. Rabotnik
Direktor der Act.-Ges. Rabotnik war Dr. Walter Lessing (1881–1967), Großindustrieller, Kommunalpolitiker und, wie sein Vater Anton Lessing, großer Förderer des kulturellen Lebens der Stadt Oberlahnstein. Er führte zudem die langjährig etablierte freundschaftliche Beziehung zwischen Russland und Deutschland fort. Zum 50–jährigen Firmenjubiläum der Firma Rudolf Sack im Jahr 1913 war Dr. Walter Lessing eingeladen, wie aus einer internen, internationalen Gästeliste hervorgeht (Gästeliste in Abbildung).
Sein Vater, Anton Lessing (1840–1915), königlich-preußischer und kaiserlich-russischer Kommerzienrat, wirtschaftspolitischer Berater der deutschen Botschaft in St. Petersburg und ein Wegbereiter der Industrialisierung Russlands, legte den Grundstein für die intensiven Geschäftsbeziehungen der Familie nach Russland und war wesentlich an der Erweiterung des Eisenbahnbaus in Russland beteiligt. Er siedelte 1864 nach Moskau, später nach St. Petersburg und gründete 1871 mit den Brüdern Gustav und Amand von Struwe die Lokomotivfabrik Kolomna, wobei Lessing für die Materialbeschaffung, Abrechnungen und Finanzierung zuständig war. Anton Lessing gründete darüber hinaus gemeinsam mit den Gebrüdern von Struwe die Tschelkowo-Gesellschaft für Steinkohlegewinnung sowie ab 1881 weitere Eisenguss- und Hüttenwerke in Russland. Hauptwohnsitz war nach seiner Heirat mit der Belgierin Lydia de Cuyper (1848–1904) ab den 1880er Jahren Oberlahnstein. A. Lessing war überdies ab ca. 1910 an der Erdölgewinnung in Galizien (Österreich) mit der von ihm gegründeten "Flüssige Brennstoff GmbH", Berlin, beteiligt. Sein Sohn Gottfried übernahm ab Beginn des 20. Jahrhunderts die Geschäfte in Russland, welche nach dem ersten Weltkrieg und der Russischen Revolution ein plötzliches Ende fanden. Anton Lessing erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Ehren und erhielt die Ehrenbürgerwürde von Oberlahnstein sowie seiner Geburtsstadt Mühlhausen.
Walter Lessing ging aus eigenem Antrieb nach Russland und unterstützte neben weiteren Tätigkeiten seinen Vater Anton sowie seinen Onkel Adolf Lessing beim Ausbau der Unternehmen in der landwirtschaftlichen Maschinenindustrie in Russland. Unter anderem führte ihn seine Arbeit ferner nach Sibirien, dem Kaukasus, Baku und Tiflis. 1906 trat er in die Verwaltung einer 1866 von seinem Patenonkel Amand von Struwe gegründeten Genossenschaft für landwirtschaftliche Maschinen "Rabotnik" ein, die dem Ressort des Landwirtschaftsministerium unterstand (Abb. 4). Walter Lessing übernahm zeitnah nach seinem Eintritt den Chefposten. "Rabotnik" verfügte über Filialen in Moskau an der Roten Pforte sowie in Kiew. Unter anderem übernahm "Rabotnik" die Produktion und Finanzierung einer Pflugfabrik in Rjasan auf Vertragsbasis. Dort wurde der erste anglobulgarische Pflug gebaut, von welchem Walter Lessing anlässlich des 70. Geburtstags des Vaters Anton Lessing eine verkleinerte Ausgabe von Fabergé, St. Petersburg, anfertigen ließ.
Für die Firma Rudolf Sack hatte "Rabotnik" die Generalvertretung für den Moskauer Bezirk inne; diese fand in Russland einen attraktiven Absatzmarkt vor und exportierte zahlreiche Pflüge sowie Drillmaschinen. In den Jahren 1912–1914 erfuhr "Rabotnik" einen enormen Zuwachs in den Bereichen Umsatz, Eigenproduktion und Grundstückskäufen. Im Jahr 1913 reiste Walter Lessing nach Deutschland um im Frühjahr an den Feierlichkeiten des 50–jährigen Jubiläums der Firma Rud. Sack teilzunehmen. Dort lernte er seine spätere Ehefrau Anneliese Sack (1881–1967), Tochter Paul Sacks, kennen. Walter Lessing verließ Russland erst unmittelbar vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Nach Jahren im Kriegsdienst heiratete er 1919 Anneliese Sack. 1922 kehrte die Familie in die Heimatstadt Lessings zurück, wo er die Leitung des Oberlahnsteiner Werkes der Firma Gauhe, Gockel & Cie, einer Fabrik für Hebevorrichtungen, Baumaschinen und Baugeräte mit eigener Eisengießerei, bis 1938 übernahm. Auch in nachfolgenden Generationen besetzt und besetzte die Familie Lessing, u.a. mit Rechtsanwalt und Politiker Dr. Gregor Gysi, Sohn von Irene Lessing und Klaus Gysi sowie die Literaturnobelpreisträgerin Doris Lessing (1919–2013), welche in zweiter Ehe 1945–1950 mit Gottfried Anton Nicolai Lessing (1914–1979) verheiratet war, wichtige gesellschaftliche Positionen.

Literatur:
- Lessing, W.: Vater und Sohn im Zarenreich 1859–1914 vom Sohne, Maschinengeschriebenes Manuskript, 1957, S.3ff., zu "Rabotnik" S. 23 ff.

Abbildungsnachweise:
- Abb. 1: Fotografie der Familie Paul Sack aus dem privaten Bildarchiv von Frau Sabine Lessing
- Abb. 2: Schreiben der Exportabteilung der Firma Rud. Sack an Otto Sack: Sächsisches Staatsarchiv, Staatsarchiv Leipzig, 20793, Rudolf Sack, Landmaschinenbau, Leipzig, Nr. 148, Blatt 210.
- Abb. 3: Gästeliste zum 50–jährigem Jubiläum der Firma Rud. Sack: Sächsisches Staatsarchiv, Staatsarchiv Leipzig, 20793, Rudolf Sack, Landmaschinenbau, Leipzig, Nr. 143, Blatt 1.
- Abb. 4: Plakat "Rabotnik", aus dem privaten Bildarchiv von Frau Sabine Lessing.

Fachmännisch restaurierter Zustand. Die Innenvergoldung weitestgehend verloren. Vereinzelt feine Haarrisse. Die Außenwandung mit vereinzelten Kratzspuren, Boden und Innenwandung kratzspurig. U.li. Wandungsteil mit kleinen Druckstellen.

L. 49,3 cm, H. 25,7 cm, T. 25 cm, Gewicht ca. 4,8 kg. 120.000-150.000 €
Zuschlag 110.000 €
KatNr. 1007 Teller mit Drachendekor. China. Qianlong-Marke.
KatNr. 1007 Teller mit Drachendekor. China. Qianlong-Marke.
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1007   Teller mit Drachendekor. China. Qianlong-Marke.

Porzellan, glasiert und in Unterglasurblau staffiert. Gemuldete Form im Spiegel mit zwei fünfklauigen Drachen mit flammender Perle und umgeben von Wolkenformationen. Unterseits die unterglasurblaue Sechssiegelmarke "Da Qing Qianlong Nian Zhi".

Insgesamt feine Kratzspuren sowie im Spiegel zwei deutlichere. Rand und Spiegel mit Brandbläschen. Rand mit fünf Chips (1-13 mm) sowie einem klar begrenzten Haarriss (ca. 9 mm). Der unglasierte Standring mit einem feinen Brandriss (ca. 4 mm).

D. 25,5 cm. 6.000 €
NACH OBEN 


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