018 Carl August Wizani (auch Witzani), Blick auf Dohna. Um 1797– 1812.
Carl August Wizani (auch Witzani) 1767 Dresden – 1818 Breslau
Oil on canvas. Unsigniert.
Mit einem schriftlichen Gutachten von Frau Dr. Anke Fröhlich, Dresden, vom 16. März 2014.
"Mit der Sorgfalt in den topographischen Details und der feinteiligen Pinselführung bei der Darstellung der Ortschaft, mit der Raumauffassung mit Vorder-, Mittel und Hintergrund sowie der Landstraße, die den Betrachterblick in die Bildtiefe führt, weist das Werk Merkmale auf, die Adrian Zingg mit seinen sächsischen Landschaftsveduten populär gemacht
...
hatte.
Die Platzierung und die malerische Durchführung der Staffagefiguren, der Vegetation und des Erdreichs im Vorder- und Mittelgrund sowie das Kolorit zwischen Sandgelb, Braun und Grün deuten auf eine malerische Schulung bei Klengel hin.
Tatsächlich haben Vertreter der Zingg-Schule wie auch dieser selbst Dohna dargestellt; so werden beispielsweise von Zingg wie von seinem Schüler Heinrich Friedrich Laurin (1756– 1830) Ansichten der Stadt aus anderen Blickwinkeln in der Grafischen Sammlung Albertina Wien aufbewahrt (Inv.-Nr. 14987 und Inv. -Nr. 6798).
Doch hat Zingg auch eine dem Gemälde sehr nahe kommende Vorlage geliefert, nach der sein Schüler Johann Adolph Darnstedt (1769–1844) einen hochformatigen Kupferstich schuf (Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Kupferstich-Kabinett [SKD, KK], Inv.-Nr. A 130458) und in der Zingg-Werkstatt eine damit eng verwandte Umrissradierung entstand (SKD, KK, Inv.-Nr. A 130457). Vereinfacht tauchen die dort dargestellten Bildelemente auch in einem 1815 datierten querformatigen Kupferstich von Johann Gottfried Abraham Frenzel (1 78 2– 18 55) auf, der als Darnstedt-Schüler ein Enkel-Schüler Adrian Zinggs war. Zwar ist hier jeweils die Ortschaft an den rechten Bildrand gerückt und dadurch auch die Ruine der ehemaligen Burg Dohna noch zu sehen, doch ansonsten stimmen Himmelsrichtung und Ortschaft bis hin zu den einzelnen Häusern überein.
Dies trifft auch auf ein Aquarell von Anton Arrigoni (1788–1851) zu, in dem jedoch der Fokus wiederum näher an die Stadt herangerückt ist; dennoch wurde auch dort nicht auf die Vordergrundstaffage verzichtet (SKD, KK, Inv. -Nr. C 1896–46, vermisst).
Diese Bemerkungen zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Werk von einem Zinggschüler stammt. Die präzise Strichführung bei Gebäuden und Vordergrund –Vegetation verleugnen nicht dessen exakten Zeichenunterricht und das Beherrschen des Grabstichels.
Unter den zahlreichen Schülern Adrian Zinggs blieben fast alle Zeichner und Kupferstecher. Eine Ausnahme bildet Carl August Wizani (1767– 1818), der nach seiner Ausbildung zum Kupferstecher und einigen Jahren in diesem Beruf ab 1797 erneut die Dresdner Kunstakademie besuchte, um unter Klengels Anleitung die Ölmalerei zu erlernen. […].
Von Carl August Wizani sind nur wenige Ölgemälde überliefert; während eine "Gewitterlandschaft" in der Dresdner Galerie Neue Meister (Inv.Nr. 2589) noch stark Klengel verpflichtet ist, mutet eine Ruinen-Darstellung im Kunsthandel romantisch an ("Kirchenruinen zwischen Bäumen", Berlin, Galerie Gerda Bassenge, Aukt. Dezember 2001, Lot 5936).
Auch die Dohna-Ansicht beweist trotz ihres spätbarocken Vedutencharakters mit der expressiv sich nach links aufwölbenden Böschung vorn eine Empfindsamkeit in der koloristischen Umsetzung von Luft und Licht romantische Einflüsse, die sie als Werk des frühen 19. Jahrhunderts ausweist.
Das Gemälde "Ansicht von Dohna" entstammt der sächsischen Landschaftsmalerschule.
Nach meinem bisherigen Wissensstand schuf es Carl August Wizani, ein Künstler, der die durch Zingg vermittelten spätbarocken Vedutenkonventionen ebenso verinnerlicht hatte, wie er die Einflüsse der Dresdner Frühromantiker um Caspar David Friedrich (1774–1840) aufnahm, die u.a. ja auch sein Lehrer Klengel aufgriff.
Das Gemälde steht im engen Zusammenhang mit Graphiken der Zingg-Schule. Es kann nur zwischen 1797, als Wizani seine Malerei-Ausbildung bei Klengel begann, und 1812, als er nach Breslau übersiedelte, entstanden sein. […]" (zitiert nach Anke Fröhlich, ebenda).
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Bildträger doubliert, mittig im Himmel eine minimale Druckstelle. Malschicht mit teils leicht schüsselförmigem Krakelee, partiell mit aufstehenden Farbschollen. Größere Retuschen im Himmel, dort insbes. o.li., weitere an den Bildrändern sowie in der Hügellandschaft und im Bereich der Kirche mittig. Keilrahmen erneuert.
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56 x 68 cm.