372 Otto Dix, Mondäne Dame – aus dem Gästebuch von Richard Seyffarth. 1965.
Otto Dix 1891 Untermhaus/Gera – 1969 Singen am Hohentwiel
Richard Seyffarth 1906 Worms – 1985 Dresden
Pen drawing in Schwarz auf einer Gästebuchseite (Doppelbogen) mit Goldschnitt. Signiert und datiert "Dix 1965" Mi.li. Auf der Innenseite des Bogens mit einer ausführlichen Widmung "Nach mehreren frohen Tagen muß ich zum Schluß noch ernst werden: ich weiß nicht, für was ich alles danken soll, für den überaus herzlichen Empfang, die leibliche und seelische Betreuung, die Führung durch Kunst und Landschaft, das große Opfer an sich, alles zusammen für diese Beweise der Freundschaft, die
...
mich für immer mit Dankbarkeit erfüllen wird.
Erich Zschache, Köln, 20.8.1965".
Nicht im WVZ Lorenz, vgl. motivisch "Mondäne Dame", 1965, Bleistitzeichnung, WVZ Lorenz SW 5.7.32, und "Mondäne Dame mit Flamingoblume", 1965, Pinsel in Lithotusche und Lithokreide, WVZ Lorenz SW 5.7.33.
Provenienz: Nachlass Richard Seyffarth, Dresden.
Vgl. das motivgleiche Gemälde "Mondäne Dame", 1965 (WVZ Löffler 1965.3) ,die Farblithographie "Die mondäne Dame", 1965 (WVZ Karsch 304 / I – III) sowie die farbige Pastellkreidezeichnung "Die Mondäne Dame", 1965 (Grisebach, Klassische Moderne, 01.06.2012, KatNr. 366).
Die "Mondäne Dame" nimmt stilistisch und in Hinblick auf die Morbidezza Bezug auf Dix' Bildnisse "Römerin", 1962, und "Contessa", 1962.
Der Porzellanrestaurator Richard Seyffarth war mit Otto Dix seit den frühen 1920er Jahren bekannt. Ab Mitte der 1940er Jahre verband beide eine enge Freundschaft, welche sie in den 1950er und 1960er Jahren u.a. in gemeinsamen Wanderungen pflegten.
Die Beziehung zwischen Seyffarth und Dix dokumentierte Diether Schmidt in dem 1981 erschienen Buch "Otto Dix im Selbstbildnis".
Eine weitere Erwähnung findet Seyffarth in Kim Jung-Hee: Frauenbilder von Otto Dix: Wirklichkeit und Selbstbekenntnis.
"Briefe an Richard Seyffarth, Dresden, 1962
Berghotel Jägerhof über Isny, 800 m ü. M. (Spätsommer 1962)
Lieber Richard, Hier oben haben die Leute nun seit 8 Wochen herrlichstes Sonnenwetter gehabt. Gestern als ich kam, konnte man noch den ganzen Tag im Freien sitzen. Heut ist Regenwetter. Der Sommer ist nun wohl zu Ende. Mir wird hier jeden Tag der Kopf und das Kreuz verdreht (verrenkt). Das ist die Behandlung gegen Arthrosis und dauert 14 Tage. Die Aussicht bei gutem Wetter über die Berge des Allgäu ist prachtvoll. Jetzt sieht man nur noch die regennassen Wälder und die nebelverhangenen Viehweiden.
… Leider muß ich mit dem blöden Kugelschreiber schreiben, der Fadenschrift macht. Der Füllhalter setzt dauernd aus.
Was macht die Porzellinerei? Ich hab jetzt in einer Kunsthandlung in Stuttgart eine Handzeichnung von M. Klinger gekauft und 30 Radierungen, die Sachen sind heute billiger als meine eigenen Arbeiten, aber M. Klinger kommt eines Tages noch ganz groß, das weiß ich. In St. Gallen erscheint Ende des Jahres ein Buch über mich mit sämtlichen Kriegsradierungen. Exemplar schicke ich Dir zu.
Ich bin bis Ende des Monats hier, schreib mir mal wieder …
Dir und Deiner Familie herzliche Grüße Dein Otto" […]
[…] "(Hemmenhofen, Dezember 1962)
Lieber Richard,
besten Dank für Deinen Geburtstagsbrief. Es war diesmal Gott sei Dank ganz ruhig, cirka 8 Leute kamen tagsüber.
Unterdessen ist es recht kalt, 8–9 Grad minus, so daß man außer der Heizung noch das offene Feuer brennt. Die Ausstellung in Darmstadt war ganz schön, der Erfolg aber gering. Augenblicklich habe ich in München 54 Handzeichnungen aus der Zeit von 1913–1919 ausgestellt.
Herzliche Grüße an Euch alle Otto" […].
In: Diether Schmidt "Otto Dix im Selbstbildnis". Berlin, 1981. S. 254f.
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Technikbedingt sehr vereinzelt minimal wischspurig. Am u. Rand minimal knickspurig, der li. Blattrand falzbedingt unscheinbar wellig.
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26,7 x 20 cm.