732 Seltene "Lemaire"-Tabakdose mit "Hôô-Vogel und Chrysanthemen". Meissen. 1730– 1731.
Rodolphe Lemaire 1688 wohl Frankreich – ?
Porzellan-Manufaktur Meissen 1710 Meißen
Porzellan, glasiert, in polychromen Aufglasurfarben und Gold staffiert. Deckel mit brauner Randlinie. Unterseits mit Schwertermarke in Aufglasurblau.
Zum Dekor vgl.:
Deckeldose, Meissen, 1730–35, Museum für angewandte Kunst, Wien, InvNr. Ke 3487.
Deckeldose, Meissen, um 1720–23, abgebildet in: Barbara Beaucamp-Markowsky: Europäisches Porzellan und ostasiatisches Exportporzellan, Geschirr und Ziergerät. Köln 1980. S. 119, KatNr 45.
Zur Form vgl.:
Julia Weber:
...
Meißener Porzellane mit Dekoren nach ostasiatischen Vorbildern. München 2013. Bd II. S. 151, KatNr. 121, hier etwas höher (H. Dose 13,8 cm).
Das Dekor "Hôô-Vogel und Chrysanthemen" wurde wohl im Jahr 1730 durch Rodolphe Lemaire und Carl Heinrich von Hoym eingeführt und entstammt einem japanischem Vorbild im Kakiemon-Stil, welches sich in der Sammlung August des Starken befand und im Dezember 1729 nach Meißen verbracht wurde. Nach der Lemaire-Affaire fand das Dekor großen Zuspruch, wie königliche Bestellungen der darauffolgenden Jahre belegen. Gleichzeitig blieb er nicht nur dem Königshaus vorenthalten, die Grundmotive des Vogels mit Päonien- und Chrysanthemen wurden zahlreich auf Meissener Porzellanen variiert. Vgl.: Julia Weber, Renate Eikelmann (Hrsg.): Meißener Porzellane mit Dekoren nach ostasiatischen Vorbildern. Bd. 2. München 2013. S. 161 f.
Um 1730 bestellte der Pariser Händler Rodolphe Lemaire zahlreiche Kopien chinesischer und japanischer Porzellane in Meissen. Da sächsisches Porzellan inzwischen dem ostasiatischen zum Verwechseln ähnlich war, kam er auf eine Geschäftsidee: Er wollte die gekreuzten Schwerter in Aufglasurmalerei ausführen, um sie anschließend abzuschleifen und die Porzellane mit hohem Profit in Frankreich als ostasiatisches Porzellan zu verkaufen.
Mit Unterstützung des sächsischen Innenministers Graf von Hoym, der selbst lange in Paris gelebt hatte, erwirkte Lemaire einen Exklusivvertrag mit der Meissener Manufaktur. In den Jahren 1729 bis 1731 lieferte diese tausende Porzellane nach ostasiatischen Vorbildern, insbesondere im Stil des in Frankreich besonders begehrten japanischen Kakiemon.
Nach Bekanntwerden dieses Vorgehens kam es zum Eklat. Einige der Arbeiten, die aus dieser Bestellung übrig geblieben sind, gelangten schließlich auch in das königliche Inventar. Die hohe Qualität der falschen Asiatika jedoch verhalfen der Meissener Manufaktur zu nachhaltigem Ruhm.
Vgl. Julia Weber: Meißener Porzellane mit Dekoren nach ostasiatischen Vorbildern. München 2013. Bd. I, S. 47–48 sowie Bd. II, S. 265f., KatNr. 301.
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Staffierung mit vereinzelten, kleinen, altersgemäßen Fehlstellen, insbesondere in den grünen Tönen. Deckelkante mit kleinem Chip (ca. 4 x 3 mm), retuschiert. Standring innenseitig mit winzigem Chip.
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Dose: H. 7,1 cm, D. 6,3 cm, Deckel: H. 3,2 cm, D. 6,7 cm.