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AUKTION 62 07. Dezember 2019
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KatNr. 1 Eugen Bracht
KatNr. 1 Eugen Bracht

001   Eugen Bracht "Spreewaldhof". 1885.

Eugen Bracht 1842 Morges/Genfersee – 1921 Darmstadt

Öl auf Leinwand. U.li. signiert "Eugen Bracht" und ausführlich datiert "25.6.85". Verso auf der o. Keilrahmenleiste von Künstlerhand in Pinsel mit der Werknummer "663" bezeichnet, betitelt, nochmals signiert und ortsbezeichnet "Dresden" sowie mit weiteren Annotationen in Blei. In einer profilierten, goldfarbenen Holzleiste gerahmt.
Das Gemälde wird in das in Vorbereitung befindliche WVZ Großkinsky aufgenommen.

Provenienz: Norddeutscher Privatbesitz; 1970 Versteigerung Lempertz, Köln; 1907 Verkauf Kunstsalon Emil Richter, Dresden.

Wir danken Herrn Dr. Manfred Großkinsky, Frankfurt a. Main, für freundliche Hinweise.

Besuche auf Rügen führten Eugen Bracht erstmals in die östlichen Landschaften Deutschlands und intensivierten ab 1877 seine Hinwendung zur Freilichtmalerei. Die Berufung zum Dozenten für Landschaftsmalerei an der Kunstakademie Berlin 1882 und der damit einhergehende Wohnortswechsel hatten auch die künstlerische Auseinandersetzung mit der brandenburgischen Umgebung zur Folge.
Eugen Bracht gliederte das vorliegende Gemälde in klare, horizontale Strukturen. Jene Bildebenen verbindet der Künstler in der Vertikalen mittels drei aufragender Pappeln und einem Bach, welcher auf dem Goldenen Schnitt eine Schneise durch das gräserbewachsene Umfeld gräbt. Seine sanften Wellen spiegeln die Farben des Himmels wider und verbinden die Eindrücke zu einer Abendstimmung im Hochsommer zu Beginn der Dämmerung. Die naturalistische Darstellungsweise der Landschaft unterscheidet sich stark von seiner späteren, impressionistischen Betrachtung, deren Gegenständlichkeit zugunsten der atmosphärischen Eindrücke zurücktreten. So entstand das Gemälde in jener Schaffensphase, in welcher Bracht seine Kunst noch im Sinne der Traditionalisten fertigte – eine Einstellung, welche sich während seiner Dozentenarbeit in Berlin wandelte und schließlich ab den 1890ern auch in der modernistischen Umsetzung seiner Werke ablesbar wurde.

Zu den ostdeutschen Landschaftsdarstellungen Brachts vgl.: Großkinsky, Manfred; Küster, Bernd (Hrsg.): Eugen Bracht. 1842–1921. Frankfurt am Main, 2005. S. 97 ff.

Vollflächig auf Leinwand doubliert, Keilrahmen etwas größer als das Bildformat, dadurch recto etwa 0,5 cm der Doublierleinwand umlaufend sichtbar, diese am Keilrahmen zusätzlich festgeklebt. Originale Leinwand ungerade beschnitten. Im Randbereich vereinzelte, winzige Malschichtverluste. Firnis leicht gegilbt und mit unscheinbarem, länglichen, matten Kratzer Mi. Brauner Wachsfleck u.re. auf der Doublierleinwand.

34 x 51 cm, Ra. 42 x 59 cm. Aufruf 6.000 €
Zuschlag 6.000 €
KatNr. 32 Otto Altenkirch
KatNr. 32 Otto Altenkirch

032   Otto Altenkirch "Waldweiher" (Mulde bei Siebenlehn). 1924.

Otto Altenkirch 1875 Ziesar – 1945 Siebenlehn

Öl auf Leinwand. Signiert u.re. "Otto Altenkirch". Verso von Künstlerhand auf dem o. Keilrahmen betitelt, nochmals signiert "Otto Altenkirch" und datiert sowie bezeichnet "ph". In einem breiten, goldfarbenen Hohlkehl-Rahmen mit polimentvergoldeter, ornamental verzierter Sichtleiste.
WVZ Petrasch 1924–44–S.

Der Umzug von Dresden in die Muldestadt Siebenlehn im Jahr 1920 markierte für den Künstler Otto Altenkirch den Beginn einer neuen, kreativen Schaffensphase. Inspiriert durch sein ländliches Umfeld widmete er sich nun vorwiegend atmosphärischen Erscheinungen in der ihn umgebenden Natur. Hinsichtlich seiner thematischen sowie meditativen Konzentration auf das Sujet des Flusses wurde Altenkirch gar mit Cézanne verglichen, denn es sind vor allem auch die Mulde und ihre Wiesen sowie der Steyermühlteich, welche den Künstler in den folgenden Jahrzehnten im Wechsel der Jahreszeiten immer wieder zu neuen malerischen Darstellungen anregten.
Die vorliegende Arbeit ist eines der frühen, am neuen Lebensort des Künstlers entstandenen Gemälden. Es zeigt eine sommerliche Ansicht eines Weihers. Die wolkige Luft ist sonnig erhellt. Vor dem Betrachter eröffnet sich rechtsseitig das breite Gewässer, in dem sich das bewaldete Ufer widerspiegelt und den Blick zu der den Landschaftsausschnitt begrenzenden schattigen Tannengruppierung leitet. Von dort führt linksseitig im Bild eine Böschung zum Betrachterstandpunkt und lässt durch die angedeuteten Zaunpfähle eine sonnige Wiese vermuten. Der Malduktus ist frei und treffsicher und zeugt von einer das Sujet intensiv durchdringenden Konzentration. Kräftig gesetzte Pinselstriche sowie gespachtelte Strukturen führen den Betrachter in ein impressionistisch-dynamisches Farbenmeer – zugleich fühlt er sich in eine lichtdurchflutete und milde Sommerfrische versetzt.

Lit. Maria Petrasch: "Otto Altenkirch. 1875–1945. Leben und Werk." Dresden 2005.

Firnis etwas gegilbt. Lockerung der Malschicht an Ecke o.li. sowie der o. Farbschicht im Bereich der Signatur und Mi. Kleine Malschicht-Fehlstellen an Ecke o.li., in der Baumreihe am Rand li.o. sowie vereinzelt im Falzbereich. Drei verso mit Klebemittel geschlossene Risse in der Leinwand, vorderseitig mit ausgeprägtem Krakelee, teils aufstehender Malschicht und kleinen Verlusten sowie farbliche Ausbesserung im Wasser Mi. Verso Leinwand mit partiell durchgedrungener Grundierung (werkimmanent). Rahmen mit bestoßener Ecke o.li.

68 x 85,5 cm, Ra. 84,7 x 102 cm. Aufruf 4.000 €
Zuschlag 6.500 €
KatNr. 33 Otto Altenkirch
KatNr. 33 Otto Altenkirch

033   Otto Altenkirch "Am Waldrand" (Schnee). 1929.

Otto Altenkirch 1875 Ziesar – 1945 Siebenlehn

Öl auf Leinwand. Signiert "Otto Altenkirch" und datiert u.re. Verso auf der Leinwand von Künstlerhand betitelt, signiert "Otto Altenkirch" und ortsbezeichnet "Dresden-Siebenlehn". In einem mit vegetabilen Eck- und Mittelkartuschen masseverzierten Rahmen.
WVZ Petrasch 1929–19–S, dort als "Birken am Waldrand" betitelt.

Vgl. eine motivgleiche Ausführung mit Abbildung im WVZ Petrasch 1929–10–S, signiert und datiert u.li.

Wir danken Herrn Frank Petrasch, Dresden, für freundliche Hinweise.

Alterskrakelee im Bereich des Schnees und der Birkenstämme. Leichte Klimakante. U.re. sowie u.Mi. Malschicht mit werkimmanenter, leichter Bläschenbildung und winziger, fachgerechter Retusche. Rahmen mit retuschierter Fehlstelle im Stuck u.re.

30,5 x 25,5 cm, Ra. 37,5 x 32 cm. Aufruf 3.000 €
Zuschlag 6.500 €
Aufgrund der Regelungen des Urhebergesetzes können wir diese Abbildung nur zeitlich begrenzt veröffentlichen.

087   Hans Jüchser "Sonnenrosen". 1930er Jahre.

Hans Jüchser 1894 Chemnitz – 1977 Dresden

Öl auf Leinwand. Signiert u.li. "Jüchser". Verso nochmals auf o. Keilrahmenleiste re. in schwarzer Farbe signiert "Hans Jüchser" und li. mit einem Papieretikett, darauf typografisch bezeichnet "Hans Jüchser Dresden-Wachwitz, Wachwitzgrund 56. Sonnenrosen". Zudem auf re. Leiste in blauer Kreide bezeichnet "Jüchser" und li. nummeriert "147b". In einer profilierten, gold-silberfarbenen Holzleiste gerahmt, darauf verso nochmals bezeichnet "Jüchser".
Nicht im WVZ Schmidt.

Vergleichbares Motiv in: Porstmann, Karohl (Hrsg.): Hans Jüchser. Farbe als absolute Kraft, Dresden 2010, "Knabe mit Sommerblumenstrauß", S. 43, Abb. 14.

In Jüchsers Oeuvre zeigt sich die Auseinandersetzung mit Stillleben durch alle Schaffensphasen hindurch. Entweder als eigenständiges Bildsujet oder auch eingefügt in komplexere Gestaltungskontexte finden sich Darstellungen von Blumensträußen oder arrangierten Gegenständen. In den 1970er Jahren schrieb der Künstler: "Meine Beschäftigung mit dem Stilleben ist eine Gelegenheit, die beste Möglichkeit, die formalen und farbigen Gesetze zu studieren, wobei der Gegenstand oft belanglos, der Gehalt der Gestaltung aber ebenso bedeutsam wie das Menschenbild sein kann." (Zitiert nach: Staatlicher Kunsthandel der DDR (Hrsg.): "Hans Jüchser. Malerei Grafik", Dresden, S. 4.)
Das Gemälde "Sonnenrosen" stammt aus der frühen Schaffensphase Jüchsers. In den 1930er Jahren war der Künstler als Mitglied der Dresdner Sezession aktiv, dessen Vorsitz er 1935 übernahm. In der künstlerischen Gestaltung des Bildes, den malerisch durchgearbeiteten Flächen und dem modellierenden Einsatz der teils pastos aufgetragenen Farbe zeigt sich deutlich, was Jüchsers Malerei grundsätzlich charakterisiert: Sie ist durch das Primat der Farbe bestimmt, ohne dabei Form und Kontur aufzulösen. Die Farbe, in differenzierter Nuancierung der Töne erkundet, fungiert vielmehr zugunsten einer Austarierung und Stabilisierung des kompositionellen Bildgefüges, wobei der Künstler bisweilen auch das expressionistische Cloisonné anwendet, um Farbflächen gegeneinander abzugrenzen.

Lit.: Gisbert Porstmann: "Der Maler Hans Jüchser", in: Ders. / L. Karohl (Hrsg.): Hans Jüchser. Farbe als absolute Kraft, Dresden 2010, S. 9–13.
Karin Müller-Kelwing: Hans Jüchser und die Dresdner Sezession 1932", in: G. Porstmann / L. Karohl (Hrsg.): Hans Jüchser. Farbe als absolute Kraft, Dresden 2010, S.14–18.

Malschicht vereinzelt mit feinem, unscheinbaren Alterskrakelee. Firnis glänzend. O.Mi. ein kleiner, dunkler Fleck auf der Oberfläche. Unscheinbare Leinwand-Deformationen am u. Bildrand.

93 x 65 cm, Ra.102 x 75 cm. Aufruf 3.500 €
* Zzgl. Folgerechtsabgabe 2.00 %.
Zuschlag 3.600 €
KatNr. 168 Georg Siebert
KatNr. 168 Georg Siebert

168   Georg Siebert "Wochenende". 1928.

Georg Siebert 1896 Dresden – 1984 Köln

Öl auf Malpappe. O.li. signiert "G. Siebert" und datiert. Verso nochmals signiert "Georg Siebert", betitelt, datiert sowie bezeichnet "Dresden-Blasewitz Deutsche Kaiserallee 40 II" und mit einem Ausstellungsetikett der Galerie Gerstenberger, Chemnitz versehen. In einem breiten, schwarzen Holzrahmen mit roter, profilierter Einlegeleiste gerahmt.

1931 war das Gemälde wohl Teil der Kollektivausstellung "Georg Siebert" des Kunstsalons Gerstenberger in Chemnitz.

Den idyllischen Charme das Alltags verstand Georg Siebert in seinen Genreszenen festzuhalten. Mit spitzem Pinsel malte er zeitlebens Abbilder der Wirklichkeit und führte sein Oeuvre ohne Stilbrüche unter der Bestimmung des Realismus fort. Er betitelte mehrere Arbeiten verschiedener Sujets mit "Wochenende", ein Exemplar wird in der Fränkischen Galerie in Nürnberg bewahrt.
Zwei Motive des vorliegenden Gemäldes "Wochenende" finden sich in weiteren Werken wieder: die junge Dame mit kurzem, dunklem Lockenschopf porträtierte Siebert in dem bereits im August 1925 entstandenen Aquarell der "Schlafenden", das zusammengerollte Hündchen übernahm er identisch aus dem 1927 entstandenen Gemälde "Sonntag in einem sächsischen Dorfgasthaus".
Bekannt war der Künstler für die milieuhafte Darstellung, deren soziale Hintergründe aufgrund der naturalistischen Umsetzung offensichtlich wurde – so lag es ihm am Herzen die "[…] verbliebenen Freuden des 'kleinen Mannes' zu malen." (Georg Siebert zitiert nach Ausstellungskatalog der Galerie von Abercron, Köln, 1977, S. 4.) Das kleine Bildformat und die äußerst detaillierte Ausführung animiert den Betrachter zum nahen Herantreten. Er wird dadurch nicht nur zum Zeugen der intimen Atmosphäre des Wochenend-Picknicks, sondern – in direktem Blickkontakt mit dem liegenden Herren stehend – zum direkten Teilnehmer der Szene. Auf einer weißen Serviette sind Genussmittel arrangiert: eine Flasche guten Weines, Kuchen und Trauben – in ihrer illusionistischen Darstellung zum direkten Verzehr einladend, komplettieren sie mit dem portablen Plattenspieler die Auswahl an Dingen, welche das Gelingen eines entspannten Nachmittags im umliegenden, satten Grün garantieren.

Vgl.:
Dalbajewa, Birgit (Hrg.): Neue Sachlichkeit in Dresden, Dresden 2012, S. 74, Abb. 297.
Galerie von Abercron (Hrg.): Georg Siebert. Gemälde und Aquarelle aus sechs Jahrzehnten. Erschienen im September 1977 anlässlich einer Ausstellung der Galerie von Abercron, Köln 1977, S. 2–9, Nr. 66.

Malpappe ungerade geschnitten sowie mit oberflächlichem Einschnitt außerhalb der Darstellung u.li und o.re. Oberfläche leicht angeschmutzt. Vereinzelt minimales Frühschwundkrakelee. Drei unscheinbare Reißzwecklöchlein (D. 1 mm) am o.re. Bildrand sowie am o. Rand des Kissens und re. im Deckel des Grammophonkoffers. Minimale, punktuelle Verluste der Farbschicht u.re. Firnis partiell matt.

38,5 x 41 cm, Ra. 46 x 48 cm. Aufruf 10.000 €
Zuschlag 32.000 €
KatNr. 177 Ida Teichmann, Mutter und Tochter. 1908.

177   Ida Teichmann, Mutter und Tochter. 1908.

Ida Teichmann 1874 Frankfurt a. M. – letzte Erw. 1911

Öl auf Leinwand. Signiert "I. Teichmann" und datiert u.li. Verso auf u. Keilrahmenleiste auf einem Klebeetikett typografisch nummeriert "724" sowie weitere handschriftliche Nummerierungen. In einer schmalen schwarzen Leiste gerahmt.

Zum Werk der Künstlerin siehe auch:
Weichardt, C.: Kreide-Zeichnungen von I. Teichmann. In: Deutsche Kunst und Dekoration. Hrsg. von Alexander Koch. Bd. 33. Darmstadt, 1914.

Aufspannung erneuert (Nagelung am Spannrand durch Heftklammern ersetzt). Leichte Klimakante und alterungsbedingtes Krakelee. Vereinzelte helle Fleckchen auf der Oberfläche und Ränder im Falzbereich etwas berieben. Matte, längliche Druckspur o.li.

70,7 x 69 cm, Ra. 73,7,7 x 72 cm. Aufruf 1.200 €
Zuschlag 7.000 €
KatNr. 181 Hans Unger, Frauenkopf. Vor 1926.
KatNr. 181 Hans Unger, Frauenkopf. Vor 1926.
KatNr. 181 Hans Unger, Frauenkopf. Vor 1926.

181   Hans Unger, Frauenkopf. Vor 1926.

Hans Unger 1872 Bautzen – 1936 Dresden

Öl auf Leinwand, auf fester Malpappe kaschiert. Signiert „H. Unger“ o.re. Verso auf dem Bildträger nochmals in blauem Farbstift u.li. signiert "Hans Unger" und o.re. mit dem Ausstellungsetikett der „Großen Berliner Kunstausstellung 1926“ (handschriftlich datiert) versehen und darauf schwach lesbar, typografisch nummeriert "3810" (?). Zudem o.li. mehrmals nummeriert „2“, „426“ sowie „53“. In einem hochwertigen, polimentvergoldeten Modellrahmen mit Wellenprofilen gerahmt.
Das vorliegende Gemälde wurde im Jahr 1926 auf der „Großen Berliner Kunstausstellung“ gezeigt. Dort war Hans Unger 1926 mit insgesamt 19 Werken vertreten, darunter vier Frauenporträts. Da die Nummerierungen auf dem Gemälde nicht mit den im Ausst.-Kat. aufgeführten Nummern korrespondieren, ist eine genaue Zuordnung des Bildes nicht möglich. Es könnte sich hierbei um das Gemälde Lauf.-Nr. 906: "Frauenkopf" handeln.
Vgl. „Grosse Berliner Kunstausstellung“ Berlin, 1926, S. 66.
Lit: Rolf Günther, Hans Unger Leben und Werk mit dem Verzeichnis der Druckgraphik, Dresden, 1997.

Leinwandränder umlaufend etwas ungerade geschnitten (werkimmanent). Kleines Stück der Pappe an Ecke u.re. beschnitten (werkimmant), darüber Leinwand und Malschicht im Falzbereich mit Knickspur, ebenso Ecke u.li. mit kleiner Läsion. Ehem. Knickspur an Ecke o.re., dort mit kleiner Retusche. Rahmen mit unscheinbaren Kratzern und vereinzelten Abplatzungen der Fassung.

42 x 33 cm, Ra. 59,2 x 53,2 x 4,3 cm. Aufruf 2.500 €
Zuschlag 6.500 €
KatNr. 291 Rüdiger Berlit, Liebespaar. Wohl um 1920.

291   Rüdiger Berlit, Liebespaar. Wohl um 1920.

Rüdiger Berlit 1883 Leipzig – 1939 ebenda

Aquarell. Signiert u.re. "Berlit". O.re. mit Prägestempel. Hinter Glas gerahmt.

O. sowie seitlicher Rand perforiert, dort mit mehreren Reißzwecklöchlein (werkimmanent). Unscheinbar stockfleckig. Am o. und u.Rand jeweils eine horizontal verlaufende Linie (werkimmanent). Minimal knickspurig. Verso partiell mit Abrieb und Papierresten aufgrund einer früheren Montierung.

42 x 31,4 cm, Ra. 50,5 x 40,7 cm. Aufruf 500 €
Zuschlag 2.200 €
Aufgrund der Regelungen des Urhebergesetzes können wir diese Abbildung nur zeitlich begrenzt veröffentlichen.

347   Hermann Glöckner, Keil nach links in Schwarz und Weiß. Wohl 1980/1981.

Hermann Glöckner 1889 Cotta/ Dresden – 1987 Berlin (West)

Tusche und Faltung auf weißem Papier. Verso mit einer Widmung des Künstlers in Kugelschreiber, signiert "Hermann Glöckner" sowie datiert "1980–1981". Auf Untersatzkarton montiert.

Insgesamt etwas knickspurig, die Randbereiche partiell deutlicher, und mit Griffknicken. Eine werkimmanente helle Stelle innerhalb des o. schwarzen Dreiecks. Die weißen Bereiche mit vereinzelten Farbspuren, werkimmanent. Verso Reste einer älteren Montierung.

34,5 x 24,7 cm. Unters. 45 x 35 cm. Aufruf 1.800 €
* Zzgl. Folgerechtsabgabe 2.00 %.
Zuschlag 6.000 €
KatNr. 366 Herbert Gurschner, Tiroler Bergdorf. Mitte 1920er Jahre.
KatNr. 366 Herbert Gurschner, Tiroler Bergdorf. Mitte 1920er Jahre.

366   Herbert Gurschner, Tiroler Bergdorf. Mitte 1920er Jahre.

Herbert Gurschner 1901 Innsbruck – 1975 London

Farbholzschnitt auf Japan. Unterhalb der Darstellung re. in Blei signiert "H. Gurschner". Mit dem Prägestempel des Verlags "Wohlgemuth & Lissner Berlin" u.li. versehen. Umlaufend im Passepartout klebemontiert und hinter Glas in einer schmaler Holzleiste gerahmt.

Lichtrandig und wellig. Krakeleebildungen im Himmel o.Mi. Läsion am o. Blattrand, re. Rand ungerade geschnitten und umlaufend unfachmännisch im Passepartout überklebt, dort verso mit Stockflecken. Passepartout mit Wasserschaden und Passepartoutausschnitt gebräunt.

Stk. 23,5 x 21 cm, Bl. ca. 27 x 26 cm, Psp. 38 x 31 cm, Ra. 40 x 33 cm. Aufruf 600 €
Zuschlag 1.300 €
KatNr. 367 Herbert Gurschner
KatNr. 367 Herbert Gurschner

367   Herbert Gurschner "Rosengarten bei Bozen". Mitte 1920er Jahre.

Herbert Gurschner 1901 Innsbruck – 1975 London

Farbholzschnitt auf Japan. Unterhalb der Darstellung re. in Blei signiert "H. Gurschner". Mit dem Prägestempel des Verlags "Wohlgemuth & Lissner Berlin" u.li. versehen. Umlaufend im Passepartout klebemontiert und hinter Glas in einer schmaler Holzleiste gerahmt.

Technikbedingt etwas wellig. Rand umlaufend unfachmännisch im Passepartout überklebt, dort verso berieben. Mit vereinzelten Stockflecken verso. Passepartoutausschnitt leicht gebräunt

Stk. 20,8 x 19,5 cm, Bl. 30,7 x 25 cm, Psp. 38 x 31 cm, Ra. 40 x 33 cm. Aufruf 600 €
Zuschlag 1.400 €
KatNr. 728 Hans Unger

728   Hans Unger "Studie für Salome" (Porträt Eva Plaschke-von der Osten als Salome?). Wohl 1917.

Hans Unger 1872 Bautzen – 1936 Dresden

Kohlestiftzeichnung, weiß gehöht, auf olivgrauem Papier. Signiert "Hans Unger" u.re. sowie schwer lesbar datiert , betitelt li.

Die Zeichnung entstand vermutlich im Jahr 1917 im Vorfeld der Entstehung des Gemäldes "Salome", heute Städtische Galerie Dresden, Inv.-Nr. 1960/77. Das Werk zeigt die Opernsängerin und -regisseurin Eva von der Osten. Das Thema war Hans Unger sicher bereits seit der Uraufführung der Oper "Salome" von Richard Strauß am Königlichen Hoftheater in Dresden im Jahr 1905 vertraut.
Vgl.: Günther, Rolf: Hans Unger. Leben und Werk mit dem Verzeichnis der Druckgraphik. Dresden, 1997, S. 40–41.

Deutlich knick- und fingerspurig. Papierabrieb am re.Rand. Durchgehender Fettfleck u. mittig sowie leichte Stockflecken verso.

50 x 36 cm. Aufruf 400 €
Zuschlag 1.500 €
KatNr. 745 Fritz Winkler

745   Fritz Winkler "Sittiche". 1950er Jahre.

Fritz Winkler 1894 Dresden – 1964 ebenda

Aquarell und Pinselzeichnung über Graphit auf kräftigem Velin. Signiert u.re. "F. Winkler". Verso in Graphit o.li. vom Künstler sowie u.Mi. mit Tinte von fremder Hand betitelt.

Technikbedingt minimal gewellt. Verso Rückstände einer früheren Montierung in den Eckbereichen sowie kleine Farbrückstände.

48,7 x 63 cm. Aufruf 800 €
Zuschlag 1.400 €
KatNr. 746 Fritz Winkler, Bisons im Schnee. Wohl 1950er Jahre.

746   Fritz Winkler, Bisons im Schnee. Wohl 1950er Jahre.

Fritz Winkler 1894 Dresden – 1964 ebenda

Pinselzeichnung in Tusche und Aquarell. Unsigniert. Mit Annotationen des Künstlers in Blei o.re. und o.li. Freigestellt im Passepartout montiert und hinter Glas im schwarzen Holzrahmen gerahmt.

Leicht knickspurig an den Ecken u.re. und o.re. sowie minimal angegilbt.

42,5 x 59 cm, Psp. 45 x 61 cm, Ra. 63,5 x 83,5 cm. Aufruf 400 €
Zuschlag 1.600 €
KatNr. 812 Süddeutscher Künstler, Heiliger Pantaleon. 1. H. 16. Jh.
KatNr. 812 Süddeutscher Künstler, Heiliger Pantaleon. 1. H. 16. Jh.
KatNr. 812 Süddeutscher Künstler, Heiliger Pantaleon. 1. H. 16. Jh.
KatNr. 812 Süddeutscher Künstler, Heiliger Pantaleon. 1. H. 16. Jh.
KatNr. 812 Süddeutscher Künstler, Heiliger Pantaleon. 1. H. 16. Jh.
KatNr. 812 Süddeutscher Künstler, Heiliger Pantaleon. 1. H. 16. Jh.

812   Süddeutscher Künstler, Heiliger Pantaleon. 1. H. 16. Jh.

Lindenholz (?), geschnitzt, aus zwei stirnverleimten Blöcken. Holzsichtig, dunkelbraun lasiert. Minimale Reste einer wohl späteren Farbfassung. Verso abgeflacht und hohl gearbeitet.

Bereits im Frühmittelalter wurde die Heiligen-Gruppe der "Vierzehn Nothelfer" angebetet und verehrt. Bestehend aus männlichen und weiblichen Heiligen des 2. bis 4. Jh., war den Märtyrern entsprechend ihrem Leben und Tod ein Aufgabenbereich zugeordnet. Während des Hoch- und Spätmittelalters – impulssetzend waren dabei die Pestpandemien – gewann die Anbetung der "Vierzehn Nothelfer" an Bedeutung. In den Kontext dieser Gruppe sind vorrangig die Darstellungen des Heiligen Pantaleons gesetzt. Als Patron der Ärzte, Hebammen und der Kranken, wurde Pantaleon – gemäß der Art seines Sterbens – auch zur Hilfe bei Kopfweh angerufen. Im Dienste Kaiser Diokletians, soll der christliche Leibarzt Pantaleon versucht haben, des Kaisers Frau zu bekehren – und leitete damit die Geschicke an, welche zu seiner Hinrichtung führten. Das Ende seines Martyriums wurde durch einen Schädel spaltenden Schwerthieb herbeigeführt. Ab dem 15. Jh. verbreitet sich die Darstellung des Pantaleons, dessen Hände mit einem Nagel auf seinem Scheitel festgeschlagen wurden.

Fuge der beiden Teilstücke im u. Viertel ablesbar. Trocknungsrisse, verso ein breiter, vertikaler Trocknungsriss mittig im Bereich von Schulter und Kopf. Zwei größere, längliche Ergänzungen, einige kleine Aussetzungen. Kleine Fehlstelle an einer Hand. Anobienfraß-Gänge (inaktiv), teils mit Kitt (Wachs?) verschlossen.

H. 74 cm, B. 29 cm, T. 26 cm. Aufruf 4.200 €
Zuschlag 5.600 €
KatNr. 953 Drei Spitzkelche. Sachsen. Spätes 18. / frühes 19. Jh.

953   Drei Spitzkelche. Sachsen. Spätes 18. / frühes 19. Jh.

Farbloses, blasiges, partiell blaustichiges Glas mit den Resten einer Vergoldung. Konische Kuppa, in den konischen Rundschaft mit eingestochener Luftblase übergehend. Zwei Gläser schauseitig mit dem mattgeschnittenen, sächsischen Wappen unter dem Kurhut, flankiert von Blütenzweigen. Ein Glas mit dem kursächsischen Wappen, von Kurhut und doppelköpfigem Reichsadler bekrönt. Jeweils gestufter Rundfuß mit Abriss.

Zum Wappen vgl.: Haase, Gisela: Sächsisches Glas. Leipzig, 1988. Kat.-Nr. 295.

Vergoldung beinahe vollständig berieben, der Boden jeweils etwas kratzspurig. Wandung außen mit teils feinen Kratzspuren.

H. 11,2 cm. Aufruf 240 €
Zuschlag 900 €
KatNr. 991 Hochbedeutender monumentaler Falkner-Kowsch. Fabergé, Moskau. Um 1913.
KatNr. 991 Hochbedeutender monumentaler Falkner-Kowsch. Fabergé, Moskau. Um 1913.
KatNr. 991 Hochbedeutender monumentaler Falkner-Kowsch. Fabergé, Moskau. Um 1913.
KatNr. 991 Hochbedeutender monumentaler Falkner-Kowsch. Fabergé, Moskau. Um 1913.
KatNr. 991 Hochbedeutender monumentaler Falkner-Kowsch. Fabergé, Moskau. Um 1913.
KatNr. 991 Hochbedeutender monumentaler Falkner-Kowsch. Fabergé, Moskau. Um 1913.
KatNr. 991 Hochbedeutender monumentaler Falkner-Kowsch. Fabergé, Moskau. Um 1913.
KatNr. 991 Hochbedeutender monumentaler Falkner-Kowsch. Fabergé, Moskau. Um 1913.
KatNr. 991 Hochbedeutender monumentaler Falkner-Kowsch. Fabergé, Moskau. Um 1913.
KatNr. 991 Hochbedeutender monumentaler Falkner-Kowsch. Fabergé, Moskau. Um 1913.
KatNr. 991 Hochbedeutender monumentaler Falkner-Kowsch. Fabergé, Moskau. Um 1913.
KatNr. 991 Hochbedeutender monumentaler Falkner-Kowsch. Fabergé, Moskau. Um 1913.
KatNr. 991 Hochbedeutender monumentaler Falkner-Kowsch. Fabergé, Moskau. Um 1913.
KatNr. 991 Hochbedeutender monumentaler Falkner-Kowsch. Fabergé, Moskau. Um 1913.
KatNr. 991 Hochbedeutender monumentaler Falkner-Kowsch. Fabergé, Moskau. Um 1913.
KatNr. 991 Hochbedeutender monumentaler Falkner-Kowsch. Fabergé, Moskau. Um 1913.
KatNr. 991 Hochbedeutender monumentaler Falkner-Kowsch. Fabergé, Moskau. Um 1913.
KatNr. 991 Hochbedeutender monumentaler Falkner-Kowsch. Fabergé, Moskau. Um 1913.
KatNr. 991 Hochbedeutender monumentaler Falkner-Kowsch. Fabergé, Moskau. Um 1913.
KatNr. 991 Hochbedeutender monumentaler Falkner-Kowsch. Fabergé, Moskau. Um 1913.

991   Hochbedeutender monumentaler Falkner-Kowsch. Fabergé, Moskau. Um 1913.

Peter Carl Fabergé 1846 St. Petersburg – 1920 Pully b. Lausanne
Rudolph Sack 1824 Kleinschkorlopp – 1900 Leipzig

Geschenk zum 50. Firmenjubiläum der Landmaschinenfabrik Rud. Sack KG, Leipzig-Plagwitz von Direktor Dr. Walter Lessing der Act.-Ges. "Rabotnik", Moskau.

Silber, 88 Zolotnik (14 1/2 Lot), getrieben, partiell poliert sowie matt ziseliert, die Innenseite des Bodens gebürstet. Die Innenwandung vergoldet.

Schiffsförmiger Korpus, im vorderen Segment mit der plastisch ausgearbeiteten Darstellung eines Falkners im historischen Gewand auf einem galoppierenden Pferd, den rechten Arm und Hand erhoben und einen Falken haltend. Seitlich weitere Falkner. Im J-förmigen und ornamental reliefierten Griff beidseitig eine vertiefte, querrechteckige Reserve, darin ein reliefiert ausgearbeiteter Fuchs sowie ein Hase. Auf der Wandung beidseitig mit einer gravierten Widmung "Dem Hause "Rudolf Sack", die dankbare Act.-Ges. "Rabotnik"" sowie "5. Mai 1863–1913". Unterseits mit der Meistermarke "K. Fabergé" in kyrillischen Versalien, oberhalb der Doppeladler (Wappen des Russischen Kaiserreichs). Des Weiteren die Marken der Moskauer Bezirksschauadministration 1908–1917 im Oval sowie im Kreis (üblicherweise neben der zusammengesetzten Marke). Unterhalb der Marken die geritzte Inventarnummer "21601".

Vgl. Goldberg, T.: Verzeichnis der russischen Gold- und Silbermarken, München 1971, Lfde. Nr. 870, 1938, 1941.

Wir danken Frau Dr. Juliane Gohla, Urenkelin des Rudolph Sack, für freundliche Hinweise.
Wir danken Frau Sabine Lessing, Ehefrau des Enkels von Walter Lessing, für freundliche Hinweise.


Fabergé
Der Kowsch, ein traditionelles russisches Trinkgerät mit einem schiffsbauchähnlichen Korpus, wurde seit dem Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert durch die sozialen Schichten hinweg in verschiedenen, kunstfertig verzierten Ausführungen und Materialien genutzt. Im Mittelalter wurde der Kowsch vorwiegend aus Holz gefertigt und als reiner Gebrauchsgegenstand zum Servieren von Speisen und Getränken genutzt. Im frühen 18. Jahrhundert ließ der Zar vergoldete Kowschs anfertigen, die er für besondere Verdienste für das Land verschenkte. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert fertigten Gold- und Silberschmiede, u. a. Fabergé im Kundenauftrag hochwertige, dekorative Kowschs mit oft monumentalem Ausmaß zu Repräsentationszwecken.
1887 eröffnete Fabergé eine Moskauer Filiale auf der Prachtmeile Uliza Kuznetskiy Most, welche parallel zu jener in St. Petersburg betrieben wurde. Ab 1900 produzierte Fabergé alle großformatigen, repräsentativen Silberobjekte in Moskau – zu diesem Zeitpunkt Zentrum russischer Silberschmiedearbeiten und Sitz der größten Firmen der Branche – nicht zuletzt, weil die besten Silberschmiede der Zeit in Moskau angesiedelt waren. Ein weiteres Merkmal des Moskauer Firmenzweigs war die Spezialisierung auf den altrussischen Stil in einer gleichzeitig qualitativ äußerst hochwertigen Ausführung.
Der russisch-folkloristische Themenkreis oder so genannte neorussische Stil spiegelte sich ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in der Rückbesinnung auf die russische Geschichte wider und wurde in der Darstellung von Heldenfiguren, Szenen aus Märchen und Epen sowie historischen Gegebenheiten oder Personen manifestiert. Diese wurden vollplastisch, teils eigenständig gefertigt oder als Reliefs an den Objekten platziert. Fabergé entwarf mehrere monumentale Kowschs mit dem Bogatyr-Thema, den mittelalterlichen Helden aus Sagen der Geschichte der Kiewer Rus. Auch das Motiv des Falkners ist tief in der mittelalterlichen Geschichte Russlands verwurzelt. Die Falkenjagd galt als eine der Lieblingsbeschäftigungen des russischen Hochadels im Mittelalter, besonders der Bojaren.
Die figürliche Plastik des Kowschs lässt sich konkret auf die Monumentalplastik "Der Falkner des Zaren" (1872) des russischen Bildhauers Jewgeni Alexandrowitsch Lanseres, auch Eugen Lanceray, (1848–1886) zurückführen. Eine monumentale Ausführung der Bronze wurde im Rahmen der Allrussischen Industrie- und Handwerksausstellung 1882 in Moskau ausgestellt, an der im selben Jahr auch Fabergé erstmals teilnahm und mit der Goldmedaille ausgezeichnet wurde.
Nach derzeitigem Forschungsstand sind neben dem angebotenen Exemplar zwei weitere, formähnliche Ausführungen des Falkner-Kowschs bekannt. Ein vergleichbares Objekt mit abweichendem Umriss des Korpus, des Griffs sowie kleinerer Details und mit der Inventarnummer "24682" versehen, stammt aus dem Besitz der schwedischen Nobel-Familie, einem wichtigen Kunden Fabergés. Insbesondere Emanuel Nobel, schwedisch-russischer Ölmagnat der Firma Branobel, gab zahlreiche Werke in Auftrag (weitere Provenienz: 20. Mai 1997 Sotheby's Genf, Los 290/ 26. November 2012 Christie's London, Los 284).
Ein weiterer vergleichbarer, weniger detailliert ausgeführter und nicht nachweislich Fabergé zugeschriebener Kowsch war ein Geschenk des Großfürsten Boris Wladimirowitsch Romanow (Cousin des Zaren Nikolaus II.) an den spanischen König Alfons XIII. im Jahr 1908 (Farnese Regiment). Beide Kowschs sind unmittelbar an eine archivarische Fabergé-Skizze (Fabergé, T., S. 349) angelehnt. Silberobjekte aus der Moskauer Werkstatt wurden üblicherweise nicht signiert, sondern trugen ausschließlich den Firmennamen, sodass über die Entwerfer selbst sehr wenig bekannt ist. Dies nimmt die aktuelle Forschung zum Anlass, sich mit der Recherche zur Datierung und möglichen Schöpfern der monumentalen Bogatyr- und Falkner-Kowschs zu befassen.

Literatur:
- Trombly, Margaret Kelly. Fabergé and the Russian Crafts Tradition, 2017.
- Fabergé, Tatiana F., et al. Fabergé: A Comprehensive Reference Book, 2012, Abb. S. 349.

Internetseiten:
- Sparke, C. and Hoff, Dee Ann: "Fabergé's Monumental Kovshes with Bogatyr Themes" in: Fabergé Research Site / Newsletter 2015 Winter.
- Hoff, Dee Ann:" From Bogatyrs to Boyars" in: Fabergé Research Site / Newsletter 2016 Winter mit Abb.


Die Familie Rudolph Sack
Rudolph Sack (1824–1900) stammte aus einfachen Verhältnissen und half seit früher Kindheit in der Gutswirtschaft seiner Eltern mit. Nichtsdestotrotz legten sie sehr viel Wert auf eine fundierte Ausbildung des Sohnes und ermöglichten ihm den Schulbesuch bei einem Privatlehrer und später zusätzlichen Unterricht in Mathematik und Zeichnen bei einem Feldmesser in Leipzig. Sack bildete sich in den folgenden Jahren stetig weiter, arbeitete unter anderem als Gutsverwalter. Nach der Rückkehr in die Heimat, veranlasst durch den Tod seines Stiefvaters im Jahr 1855, begann er die wenig leistungsfähigen Pflüge zu verbessern und konstruierte neben einem neuen, effizienten und leichtgängigen Pflug aus Eisen und Stahl seine erste Drillmaschine, Eggen, Walzen und Hackmaschinen. Nach regionalen Erfolgen wurden seine Konstruktionen in Fachzeitschriften besprochen und auf Ausstellungen gezeigt. Erster internationale Auftraggeber war der Rübenzuckerfabrikant Graf Alexei Bobrinski aus Bogorodizk / Kiew, welcher 1857 nach einem Besuch auf dem Sack'schen Gut 120 Pflüge unter der Maßgabe orderte, diese im technisch fortgeschritteneren England bei Richard Garetts & Sons in Leiston herzustellen. Dies war u. a. ein Impuls im Jahr 1863 die äußerst erfolgreiche und stetig wachsende Fabrik in Leipzig-Plagwitz mit Unterstützung des Industriellen Carl Heine (1819–1888) zu gründen. Rund zehn Jahre später stellte Sack auf der Wiener Weltausstellung aus, unternahm zahlreiche Handelsreisen und exportierte u. a. nach Österreich und Russland. 1877 richtete Sack eine 17 ha große Versuchsstation für neu entwickelte Geräte sowie für die Steigerung des Ertrags beim Anbau von Getreide und Hackfrüchten und beschäftigte sich intensiv mit Be- und Entwässerungsverfahren. Nach seinem Tod wurde diese Versuchsstation auf 200 ha vergrößert. Das Werksgelände erhielt 1878 zudem einen eigenen Anschluss an das Schienennetz der Sächsischen Staatseisenbahn. 1882 wurden bereits 50% der gesamten Produktion exportiert, im Jahr des 50–jährigen Firmenjubiläums 1913 waren es 72%. Rudolph Sacks Sohn Paul trat 1881 in die Firma ein, übernahm ab 1891 weitestgehend die Geschäfte und führte die Firma ab 1900 mit wachsendem Erfolg weiter (Abb. 1). 1911 beschäftigte die Firma Sack fast 2.000 Mitarbeiter. In einem geschäftsinternen Briefwechsel zwischen der Exportabteilung der Firma Rud. Sack und Otto Sack im Jahr 1911 manifestierte sich die beginnende Geschäftsbeziehung zu der Act.-Ges. Rabotnik. (Abb. 2). Das 50–jährige Firmenjubiläum 1913 wurde in großem Umfang und mit internationaler Gästeliste (Abb. 3) begangen. Für seine Verdienste bei der Weiterentwicklung von landwirtschaftlichen Maschinen, die auf modernstem Stand und qualitativ auf höchstem Niveau waren, erhielt Paul Sack die Ehrendoktorwürde der TH Dresden. Seine Söhne Otto und Dr. Hans Sack übernahmen nach seinem Tod die Geschäftsführung. 1945 folgte die Stilllegung der Firma Rud. Sack KG durch die US-amerikanische Administration, etwas später wurde das Vermögen durch die sowjetische Militäradministration beschlagnahmt. Die Produktion wurde in kleinem Umfang wieder aufgenommen. 1946 wurde der Betrieb demontiert und die modernen Maschinen in die UDSSR gebracht. 1948 wurde der Betrieb in Volkseigentum überführt und hieß fortan "Leipziger Bodenbearbeitungsgerätefabrik VEB, vormals Rud. Sack" (BBG). 1998 übernahmen die Amazonen-Werke den mittlerweile insolventen Betrieb.

Literatur:
- Dreyer, Klaus: Die Geschichte der BBG – Von Rudolph Sack bis AMAZONE, 2009.
- Rud. Sack Leipzig-Plagwitz: 1863 – 1913; Lebensgeschichte des Begründers, Entwicklung und heutiger Stand des Werkes. Leipzig, 1913.


Die Familie Lessing und die Act.-Ges. Rabotnik
Direktor der Act.-Ges. Rabotnik war Dr. Walter Lessing (1881–1967), Großindustrieller, Kommunalpolitiker und, wie sein Vater Anton Lessing, großer Förderer des kulturellen Lebens der Stadt Oberlahnstein. Er führte zudem die langjährig etablierte freundschaftliche Beziehung zwischen Russland und Deutschland fort. Zum 50–jährigen Firmenjubiläum der Firma Rudolf Sack im Jahr 1913 war Dr. Walter Lessing eingeladen, wie aus einer internen, internationalen Gästeliste hervorgeht (Gästeliste in Abbildung).
Sein Vater, Anton Lessing (1840–1915), königlich-preußischer und kaiserlich-russischer Kommerzienrat, wirtschaftspolitischer Berater der deutschen Botschaft in St. Petersburg und ein Wegbereiter der Industrialisierung Russlands, legte den Grundstein für die intensiven Geschäftsbeziehungen der Familie nach Russland und war wesentlich an der Erweiterung des Eisenbahnbaus in Russland beteiligt. Er siedelte 1864 nach Moskau, später nach St. Petersburg und gründete 1871 mit den Brüdern Gustav und Amand von Struwe die Lokomotivfabrik Kolomna, wobei Lessing für die Materialbeschaffung, Abrechnungen und Finanzierung zuständig war. Anton Lessing gründete darüber hinaus gemeinsam mit den Gebrüdern von Struwe die Tschelkowo-Gesellschaft für Steinkohlegewinnung sowie ab 1881 weitere Eisenguss- und Hüttenwerke in Russland. Hauptwohnsitz war nach seiner Heirat mit der Belgierin Lydia de Cuyper (1848–1904) ab den 1880er Jahren Oberlahnstein. A. Lessing war überdies ab ca. 1910 an der Erdölgewinnung in Galizien (Österreich) mit der von ihm gegründeten "Flüssige Brennstoff GmbH", Berlin, beteiligt. Sein Sohn Gottfried übernahm ab Beginn des 20. Jahrhunderts die Geschäfte in Russland, welche nach dem ersten Weltkrieg und der Russischen Revolution ein plötzliches Ende fanden. Anton Lessing erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Ehren und erhielt die Ehrenbürgerwürde von Oberlahnstein sowie seiner Geburtsstadt Mühlhausen.
Walter Lessing ging aus eigenem Antrieb nach Russland und unterstützte neben weiteren Tätigkeiten seinen Vater Anton sowie seinen Onkel Adolf Lessing beim Ausbau der Unternehmen in der landwirtschaftlichen Maschinenindustrie in Russland. Unter anderem führte ihn seine Arbeit ferner nach Sibirien, dem Kaukasus, Baku und Tiflis. 1906 trat er in die Verwaltung einer 1866 von seinem Patenonkel Amand von Struwe gegründeten Genossenschaft für landwirtschaftliche Maschinen "Rabotnik" ein, die dem Ressort des Landwirtschaftsministerium unterstand (Abb. 4). Walter Lessing übernahm zeitnah nach seinem Eintritt den Chefposten. "Rabotnik" verfügte über Filialen in Moskau an der Roten Pforte sowie in Kiew. Unter anderem übernahm "Rabotnik" die Produktion und Finanzierung einer Pflugfabrik in Rjasan auf Vertragsbasis. Dort wurde der erste anglobulgarische Pflug gebaut, von welchem Walter Lessing anlässlich des 70. Geburtstags des Vaters Anton Lessing eine verkleinerte Ausgabe von Fabergé, St. Petersburg, anfertigen ließ.
Für die Firma Rudolf Sack hatte "Rabotnik" die Generalvertretung für den Moskauer Bezirk inne; diese fand in Russland einen attraktiven Absatzmarkt vor und exportierte zahlreiche Pflüge sowie Drillmaschinen. In den Jahren 1912–1914 erfuhr "Rabotnik" einen enormen Zuwachs in den Bereichen Umsatz, Eigenproduktion und Grundstückskäufen. Im Jahr 1913 reiste Walter Lessing nach Deutschland um im Frühjahr an den Feierlichkeiten des 50–jährigen Jubiläums der Firma Rud. Sack teilzunehmen. Dort lernte er seine spätere Ehefrau Anneliese Sack (1881–1967), Tochter Paul Sacks, kennen. Walter Lessing verließ Russland erst unmittelbar vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Nach Jahren im Kriegsdienst heiratete er 1919 Anneliese Sack. 1922 kehrte die Familie in die Heimatstadt Lessings zurück, wo er die Leitung des Oberlahnsteiner Werkes der Firma Gauhe, Gockel & Cie, einer Fabrik für Hebevorrichtungen, Baumaschinen und Baugeräte mit eigener Eisengießerei, bis 1938 übernahm. Auch in nachfolgenden Generationen besetzt und besetzte die Familie Lessing, u.a. mit Rechtsanwalt und Politiker Dr. Gregor Gysi, Sohn von Irene Lessing und Klaus Gysi sowie die Literaturnobelpreisträgerin Doris Lessing (1919–2013), welche in zweiter Ehe 1945–1950 mit Gottfried Anton Nicolai Lessing (1914–1979) verheiratet war, wichtige gesellschaftliche Positionen.

Literatur:
- Lessing, W.: Vater und Sohn im Zarenreich 1859–1914 vom Sohne, Maschinengeschriebenes Manuskript, 1957, S.3ff., zu "Rabotnik" S. 23 ff.

Abbildungsnachweise:
- Abb. 1: Fotografie der Familie Paul Sack aus dem privaten Bildarchiv von Frau Sabine Lessing
- Abb. 2: Schreiben der Exportabteilung der Firma Rud. Sack an Otto Sack: Sächsisches Staatsarchiv, Staatsarchiv Leipzig, 20793, Rudolf Sack, Landmaschinenbau, Leipzig, Nr. 148, Blatt 210.
- Abb. 3: Gästeliste zum 50–jährigem Jubiläum der Firma Rud. Sack: Sächsisches Staatsarchiv, Staatsarchiv Leipzig, 20793, Rudolf Sack, Landmaschinenbau, Leipzig, Nr. 143, Blatt 1.
- Abb. 4: Plakat "Rabotnik", aus dem privaten Bildarchiv von Frau Sabine Lessing.

Fachmännisch restaurierter Zustand. Die Innenvergoldung weitestgehend verloren. Vereinzelt feine Haarrisse. Die Außenwandung mit vereinzelten Kratzspuren, Boden und Innenwandung kratzspurig. U.li. Wandungsteil mit kleinen Druckstellen.

L. 49,3 cm, H. 25,7 cm, T. 25 cm, Gewicht ca. 4,8 kg. Aufruf 110.000 €
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