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AUKTION 66 Bildende Kunst des 15.-21. Jahrhunderts
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Samstag, 05. Dezember 2020, ab 10.00 Uhr


Gemälde, Arbeiten auf Papier &
Druckgrafik des 16.-21. Jh.
Antiquitäten & Kunsthandwerk


Vorbesichtigung ab 26. November 2020
Mo-Fr 10-20 Uhr, Sa 10-16 Uhr

  Highlights der Auktion


Virtuelle Vorbesichtigung






Zeitablauf

Der Auktions- und Gebotsverlauf und Zuschläge werden am Auktionstag live auf unserer Startseite übertragen.

Bitte beachten Sie, dass zur Auktion Zeitverschiebungen von mind. 30 min entstehen können.

Gemälde 16. - 19. Jh. ab KatNr 1
Gemälde Moderne ab KatNr 31
Gemälde Nachkrieg / Zeitgen. ab KatNr 101
Grafik 15. - 19. Jh. ab KatNr 181
Grafik Moderne ab KatNr 292
Pause ca. ab 13:00 Uhr
Grafik Nachkrieg / Zeitgen. ab KatNr 421 ca. ab 13:30 Uhr
Fotografie ab KatNr 731
Skulptur ab KatNr 751 ca. ab 15.30 Uhr
Ostdeutsches Design ab KatNr 781
Porzellan, Irdengut ab KatNr 802
Glas, Schmuck, Silber, Zinn ab KatNr 851
Asia, Uhren, Miscellaneen ab KatNr 936
Rahmen, Mobiliar ab KatNr 965




Vorbericht

Mit dem Sandgemälde "Die Wasserfälle von Tivoli" von Heinrich Andreas Meyer, welcher wohl Hofkonditor in Mecklenburg-Strelitz im späten 18. Jahrhundert war, hat sich ein ausgesprochen seltenes Werk überliefert. In dieser Zeit versuchten die Künstler mit neuen, experimentellen Techniken einer aufkommenden Langeweile ihres Käuferpublikums entgegenzuwirken und fügten ihren Gemälden Sand, aber auch Federn, Spinnweben oder Staub bei, um neue visuelle Effekte zu erzielen. Die Körnigkeit der Sandkristalle "erzeugt eine Art 'sfumato', eine dunstige, tröpfchengetränkte Atmosphäre, wie sie an Wasserfällen tatsächlich erlebbar ist" (Ottomeyer 2013). Die körnige, stumpfe Oberfläche erinnert aber auch an Tapisserien, welche in jener Zeit ebenfalls in Mode und sehr begehrt waren. Beeindruckend ist die hohe künstlerische Qualität des Gemäldes, welches mit 8.500 Euro geschätzt ist.

Der Dresdner Maler Johann Eleazar Zeissig (genannt Schenau) wurde 1774 zum Professor an die Dresdner Kunstakademie berufen und war ab 1795 Direktor derselben. Mit dem vorliegenden Gemälde des Künstlers "Die Zeit enthüllt die Wahrheit" bearbeitete der Künstler ein in seinem Oeuvre seltenes Themengebiet. Das großformatige Werk, wohl in den 1780er/1790er Jahren entstanden und mit 11.000 - 12.000 Euro geschätzt, stellt eine Allegorie von Zeit und Wahrheit dar. Chronos, dargestellt als bärtiger Greis mit Sichel, enthüllt die Wahrheit: ein junges, entblößtes Mädchen, einen Pfirsich in der linken Hand haltend. In Cesare Ripas "Iconologia" nennt der Autor mehrere Alternativen für die Personifikation der Veritas. In Allusion auf ihre Bedeutung als "unverhüllte Wahrheit" wird sie in Gestalt eines schönen nackten Mädchens dargestellt, das nur teilweise von weißen Schleiern bedeckt wird. Die Pfirsichfrucht erläutert Ripa symbolisch als das Herz, während das Blatt am Stiel des Pfirsichs auf die Zunge verweist. Frucht und Blatt symbolisieren somit die sich im aufrichtigen Menschen manifestierende Einheit eines reinen Herzens und eines Wahrheit verkündenden Mundes.

Für Otto Altenkirch begann mit dem Umzug in das ländliche Siebenlehn 1920 eine neue kreative Schaffensphase. In diese Zeit fiel auch der erste Aufenthalt des Künstlers in Seitendorf/Schlesien (heute Myslów, in der polnischen Gemeinde Bolków) bei dem befreundeten Künstler Rudolf Hacke. 1922 entstanden dort mehrere Gemälde Altenkirchs, die ganz im Stil seiner charakteristischen Freiluftmalerei stehen - so auch das in der Weihnachtsauktion zum Aufruf kommende "Kalkhaus Seitendorf". Anmerkungen im Werkregister zufolge malte der Künstler auch unter schwierigsten Bedingungen in der Natur. Im Mittelpunkt stand das flüchtige Wechselspiel atmosphärischer Stimmungen. Auch die vorliegende Arbeit, mit 5.500-7.000 Euro geschätzt, zeugt vom Interesse des Künstlers an ländlicher Idylle und bäuerlicher Architektur sowie von seiner impressionistischen Farb- und Formauflösung, es zeigt eine schneebedeckte Winterlandschaft in klarer, heller Luft.

Vom künstlerischen Schaffen Wilhelm Dodels, einem der begabtesten Schüler von Otto Dix, sind kaum Werke überliefert – ein Umstand, der einerseits dem großen Anteil von kurzlebiger Agitations- und Theatermalerei des Künstlers bis zu Beginn der 1930er Jahre geschuldet ist, sich andererseits durch seinen tragischen frühen Tod im Zweiten Weltkrieg mit fast gleichzeitiger Vernichtung seines Werkes durch die Bombenangriffe auf Dresden begründet. Insofern ist es höchst selten, dass ein malerisches Werk des Künstlers zur Versteigerung kommt. Das kleinformatige "Stillleben mit Trichterwinde", wohl um 1933 entstanden, hat eine Schätzung von 2.200 Euro. Von Dix übernahm Dodel den Einsatz feinster Pinselarbeit in der abschließenden Malschicht zur Darstellung von Details. Er folgte seinem Lehrer jedoch nur eine Zeit lang und bemühte sich um eine persönliche künstlerische Handschrift.

Die bildnerischen Arbeiten Heinz Zanders, einem wichtigen Vertreter der Leipziger Schule, gleichen "Inszenierungen, denen der Formenreichtum des Welttheaters, der Kunst- und Literaturgeschichte, der Mythologie, Sagen- und Märchenwelt zugrundeliegt" (Hammer 1995). Als phantasievoller Experimentator zitiert Zander in seinen Arbeiten in vielfältiger Weise tradierte Bildformeln der Kunstgeschichte und verarbeitet sie zu neuen Bildfindungen. Bei dem zur Auktion kommenden Gemälde aus dem Jahr 1987 ist schon der ikonische Titel "Primavera" eine Allusion auf Botticellis Meisterwerk. In seiner künstlerischen Staffage stellt es eine surreal-neuzeitliche Vision der komplexen Liebes- und Fruchtbarkeitsikonografie des Renaissancebildes dar und bringt sie in einen neuen strukturellen und rätselhaften Zusammenhang. Das Grotesk-Komische, das Ironische und auch das Grausige erzeugen hier in malerischer Detailschärfe die eigenartige Faszination des Bildes. Das beeindruckende Gemälde wird neben zwei anderen malerischen Werken des Künstlers mit einer Schätzung von 12.000 Euro angeboten.

Waldemar Grzimek ist eine der zentralen Persönlichkeiten der Bildhauerkunst in Deutschland nach 1945. Als er im Jahr 1961 die DDR verließ und nach Westberlin übersiedelte, zeichnete sich in seinem künstlerischen Schaffen ein Formwandel ab, der in den folgenden Jahrzehnten für sein vielseitiges Werk bestimmend wurde: Eine anfängliche Strenge, Kargheit und tektonische Gebundenheit der Form wurden abgelöst von Formen expressiver Bewegtheit und figürlicher Deformation. Die glatte Haut der früheren Figuren wich bewegten, rauheren Oberflächen. Die fast lebensgroße Bronze "Tänzerin I", 1965 entstanden und bisher auf dem Kunstauktionsmarkt noch nie angeboten, zeigt exemplarisch das Interesse des Künstlers an komplizierten Bewegungsabläufen des menschlichen Körpers. Das Thema von Tanz und Tänzerin beschäftigte den Künstler in den späteren Jahren immer wieder. Die erste Bearbeitung in der Plastik von 1965 jedoch ist in ihrer besonderen Auffassung eines gestreckten, zugleich in sich gekehrten sowie schwebenden Körpers jedoch wohl die außergewöhnlichste und künstlerisch eindrucksvollste. Die Bronze ist mit 18.000 Euro taxiert.

Der Bildhauer Friedrich Press hingegen setzte mit seinen Werken Zeichen, die reduziert auf das Wesentliche die Aussage verdichten. Von ihm wird die 1987 aus Lindenholz geschnitzte und gefasste Skulptur "Gnadenstuhl" zum Aufruf kommen. Hier verschmelzen die göttlichen Personen fast in der Art eines klassischen, so genannten "Dreigesichts" zu einer höchst geschlossenen Form. Die golden gefassten Augen von Christus werden im mittigen, beiden göttlichen Personen zugeordneten Auge, eins mit den rot gefassten Augen Gottvaters. Das Werk hat eine Schätzung von 6.000 Euro.

Aus der Periode Johann Joachim Kaendler der Meissner Porzellanmanufaktur wird eine Tasse mit Untertasse mit Kauffahrteiszenen auf gelbem Fond, um 1740/45, angeboten (Schätzung 1.300 Euro) sowie eine Bouillon-Deckelterrine mit Présentoir mit Watteau-Szenen im sog. Inselstil in Purpurcamaieumalerei, um 1750 (Schätzung 1.100 Euro). Ausgesprochen selten ist die mit 850 Euro geschätzte Deckeltasse mit Unterschale mit "Abélard et Héloïse", um 1777-95 in der Marcolini-Periode entstanden. Die auf dem Ensemble dargestellten Bildnisse verweisen literarisch auf Rousseaus Werk "Julie ou La Nouvelle Héloise", welches als Inspiration für Goethes berühmten Roman "Die Leiden des jungen Werther" gilt.

Zur Vorbesichtigung lädt das Haus vom 26. November bis 04. Dezember 2020 Mo. - Fr. in der Zeit von 10 bis 20 Uhr, Sa. von 10 bis 16 Uhr unter Beachtung der behördlichen Auflagen zur Beschränkung der maximalen Kundenanzahl im Geschäft sehr herzlich ein.


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