107 Albert Ebert "Blumenmarkt II (Blumenverkäuferin)". 1959.
Albert Ebert 1906 Halle – 1976 ebenda
Öl auf Holz. O.li. geritzt signiert und datiert "A. Ebert 1959". Verso mit dem Ausstellungsetikett "Unser Zeitgenosse", Berlin, 1964. Von Künstlerhand mit einer schmalen Rahmenleiste versehen und auf eine rahmende, gräulichweiß gefasste Rahmenplatte montiert.
WVZ Litt 59–31, vgl. motivisch auch WVZ Litt 57–8 "Blumenmarkt I".
Ausgestellt in:
Albert Ebert Ausstellung. Städtische Kunstsammlungen Görlitz. 1960. KatNr. 14.
1000 Jahre Halle. Hallesche Künstler des VBKD
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stellen aus. Neuerzentrum "Gustav Zabel", Halle. Halle (Saale) 1961. Ohne KatNr.
albert ebert, halle. neue malereien im thüringer museum eisenach, schloß. Eisenach 1962. KatNr. 8.
Unser Zeitgenosse. National-Galerie Berlin. Ausstellung des Ministeriums für Kultur, der Deutschen Akademie der Künste und des Verbandes Bildender Künstler Deutschlands. Berlin (Ost) 1964. Ohne KatNr. (mit Katalog, ebenda S. 101).
Mit seiner ersten Ausstellung im Pavillon der "Berliner Zeitung" wurde der bis dahin nur als "Geheimtipp" geltende Albert Ebert schlagartig bekannt. Seine unverwechselbare, poetische und politisch unverfängliche Kunst mit einer besonderen Mischung aus Naivität und Präzision sprach ein breites Sammlerpublikum sowohl in der DDR als auch in der BRD an. So kaufte das Städel-Museum in Frankfurt ein Bild Eberts an, im Jahr 1966 wurde in Karlruhe sein künstlerisches Schaffen in einer Einzelausstellung gezeigt.
Das künstlerische Werk Albert Eberts wird, wie auch das seiner Lehrer Charles Crodel und Kurt Bunge, von Alltagsszenen geprägt. Farbenfrohe, in Lasurmalerei ausgeführte Straßenzüge, Interieurs, Zirkus- oder Varietémotive werden zu stillen Bühnen, auf denen sich das menschliche Leben in leiser, manchmal melancholischer Weise entfaltet. Seine Figuren erscheinen oft vereinfacht, nahezu kindlich reduziert, sind gleichzeitig aber mit großer Sorgfalt in den Details ausgeführt.
Eberts kleinformatige bis miniaturhafte Werke zeichnen sich durch eine klare, oft flächige Komposition aus, perspektivische Regeln werden nicht strikt eingehalten, vielmehr wirken Räume leicht verschoben oder bewusst konstruiert. Diese "Unstimmigkeiten" sind Teil seiner künstlerischen Strategie: Sie erzeugen eine traumartige Atmosphäre, in der Realität und Vorstellung ineinander übergehen.
Im künstlerischen Kontext der 1950er Jahre nimmt Eberts Werk
eine Sonderstellung ein und ist unabhängig von den politisch-ideologisch motivierten Debatten um Formalismus und Realismus. Er hält auf besondere Weise am Bildgegenstand fest, seine Nähe zur sogenannten "naiven Kunst" ist dabei spürbar. Auch Charles Crodel bestätigte ihm "eine Primitivität Rousseauscher Prägung". Dabei sind seine Arbeiten nicht naiv im Sinne mangelnder Reflexion, sondern eine bewusst gewählte Reduktion, die den Blick auf das Wesentliche lenkt.
Lit.:
Dorit Litt: Albert Ebert. 70 Tafelbilder, Kindheitserinnerungen und Fragmente sowie das Werkverzeichnis der Malerei. Leipzig 2001. S. 170f.
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Bildträger und Rahmenplatte etwas verwölbt, die Montierungsfugen li. und unten z.T. mit Trocknungsrissen, dort Rahmen und Bildtafel getrennt und mit geringen Verlusten der Fassung. Malschicht mit Frühschwundrissen. Am Übergang vom Bildrand zum schmalen Halbrundstab der Rahmung ein feiner Trockungsriss im Bereich des Himmels sowie ein weiterer unscheinbarer in Ecke o.li. Kleine Retusche in der Ecke u.re. Bronzefarbener Halbrundstab mit Verlusten der Fassung und Abrieb. Kleine Bestoßungen an den Ecken des weißen, äußeren Rahmens.
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18,8 x 23,8 cm, Ra. 23,5 x 29 cm.