004 Jean-Jacques Spoede, Akis und Galateia. 1723 oder 1725.
Jean-Jacques Spoede um 1680 Antwerpen – 1757 Paris
Öl auf Leinwand. Im Sockel des Muschelschiffs signiert und zum Teil undeutlich datiert "J. Spoede 1723 [25?]". Verso in Faserstift mit einer jüngeren Nummerierung "108363" o.re., auf der Mittelstrebe des Spannrahmens mit der brandgestempelten Nummerierung "I". Im prachtvollen, originalen, geschnitzten und vergoldeten Rokoko-Schmuckrahmen.
Möglicherweise ursprünglich als Supraporte in einem Innenraumkontext konzipiert.
Provenienz: Deutsche Privatsammlung; Kunstauktion
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Weichmann, Wiesbaden, 1976.
Zu stilistisch vergleichbaren Gemälden des Künstlers vgl. RKD, Den Haag:
"De vier elementen verbeeld door Jupiter en Juno (lucht), Neptunus (water), Vulcanus (vuur) en Ceres (aarde)", 1726, Öl auf Leinwand, 69 x 89 cm, rkd.nl.images/24387.
"Apollo en de zeven Muzen", undatiert, Öl auf Leinwand, 79 x 63 cm, rkd.nl.images/27650.
sowie:
"L' Hommage à Cérès", 1726, Öl auf Leinwand, 88,5 x 117 cm, Christie's, Paris, Intérieurs parisiens, 15.07.2020, Los 115.
Die Geschichte von Akis und Galateia entstammt der griechischen Mythologie, überliefert in den Metamorphosen des Ovid. Die Nereide Galateia verliebt sich in den schönen Hirten Akis, einen sterblichen Jüngling aus Sizilien. Jedoch liebt auch der Kyklop Polyphem die Meeresnymphe, doch seine Liebe bleibt unerwidert. Als er die beiden Liebenden zusammen sieht, wird er von rasender Eifersucht gepackt und reißt einen riesigen Felsbrocken aus dem Berg, um ihn auf Akis zu schleudern. Der junge Hirte wird erschlagen.
Galateia, verzweifelt über den Tod ihres Geliebten, rettet ihn zumindest teilweise und verwandelt sein Blut in einen Fluss, der fortan seinen Namen trägt – der Fluss Akis (Acis) auf Sizilien.
Das vorliegende Gemälde zeigt den Moment des Glücks des Liebespaars, bevor Polyphem, der die beiden aus der Ferne auf einem Felsen sitzend beobachtet, den Felsbrocken schleudert.
"Der Name Jean Jacques Spoede taucht in den meisten Geschichtswerken zur französischen Kunst nicht auf, obwohl er ein Freund Watteaus war und im Laufe seiner Karriere an Ansehen gewann, bis er schließlich Direktor der Académie de Saint-Luc in Paris wurde. [...] Die meisten Wissenschaftler, die über Watteau schreiben, haben Spoede nur am Rande erwähnt. Abgesehen von gelegentlichen Hinweisen auf die Stillleben und mythologischen Sujets, die er zu Lebzeiten ausstellte oder die sich in Privatsammlungen befanden, gab es keinen ernsthaften Versuch, sein Œuvre zu definieren. Diese Situation hat sich stark verändert, insbesondere in den letzten 25 Jahren. Heute hat sich der Katalog der erhaltenen Gemälde und Zeichnungen von Spoede erheblich erweitert. Doch trotz dieser zahlenmäßigen Zunahme wissen wir sehr wenig über diesen in Flandern geborenen Künstler, insbesondere über seine ersten Jahre in Paris. Bei einer früheren Gelegenheit habe ich die These aufgestellt, dass eine Verbindung zwischen seinem Werk und dem von Claude Gillot und Antoine Watteau bestehe. Diese Schlussfolgerungen können nun durch die Entdeckung einer großen Sammlung von Spoede-Zeichnungen in der Bibliothèque nationale untermauert werden, die die Beziehung zwischen den drei Männern verdeutlicht." (zitiert nach: Martin Eidelberg: Jean Jacques Spoede, Gillot's Forgotten Assistant and Watteau's Special Friend. In: Watteau and his circle. 2020. http://watteauandhiscircle.org/Spoede.html, abgerufen am 24.04.26).
Lit.: Martin P. Eidelberg: Jean Jacques Spoede: Watteau's "Special Friend". In: Gazette des beaux-arts. Serie 6, Vol. 136, 2000, S. 179–196.
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Bildträger altdoubliert, verso gebräunt. Malschicht mit unscheinbarem Alterskrakelee und leichter Klimakante. Mehrere kleine, fachgerechte Retuschen auf der Bildfläche verteilt, u.a. im Flügel des Engels Mi., sowie li.Mi. in der Hintergrundlandschaft. Rahmen mit Blattgold überfasst, wenige kleine Retuschen sowie zwei horizontale Risse an Fugen des Rahmens u.li. sowie u.re.
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49,5 x 81 cm, Ra. 68,5 x 92 cm.