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AUKTION 61 21. September 2019
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KatNr. 370 Gösta Adrian-Nilsson

370   Gösta Adrian-Nilsson "Telefonturm" (Alter Telefonturm in Klarakvarteren, Stockholm). 1917.

Gösta Adrian-Nilsson 1884 Lund – 1965 Stockholm

Aquarell, zum Teil mit Bleistiftunterzeichnungen, auf chamoisfarbener Malpappe. Monogrammiert "G.A.N" und datiert u.re. In der Darstellung bezeichnet "Trikå" (Trikot) u.Mi. Verso o.li. mit dem Ausstellungsetikett der Kunstausstellung "Der Sturm", Leitung: Herwarth Walden, Berlin, darauf in Schreibmaschinenschrift bezeichnet und wohl irrtümlich betitelt "Telefonsturm". Mittig ein gestrichener Inventarstempel. O.Mi., partiell unter der Montierung in schwarzer Wasserfarbe römisch nummeriert "I".

Provenienz: Nachlass Friedrich Bienert (1891 Dresden – 1969 West-Berlin).

1887 wurde im Zentrum Stockholms der zentrale Telefonturm (Telefontornet) errichtet, um ca. 5.500 Telefonleitungen an kleinere Türme weiterzuverteilen. Der hoch über die Dächer der Stadt hinausragende Eisenfachwerkturm war Symbol für den Einzug eines neuen technischen Zeitalters und beeindruckendes Beispiel für die im Zuge der Industrialisierung im ausgehenden 19. Jh. erweiterten konstruktiven und architektonischen Möglichkeiten, die sich in Turmbauwerken widerspiegelten. Zu dessen bekanntesten Beispielen zählt wohl der nahezu zeitgleich 1887–1889 erbaute Pariser Eiffelturm.
Wenngleich das 45 m hohe Bauwerk bereits 1913 in seiner Funktion obsolet wurde, da alle Kabel unterirdisch verlegt wurden, prägte er doch das Stadtbild bis 1953, als er nach einem Brand aufgrund Baufälligkeit abgerissen werden mußte.
Gösta Adrian-Nilsson, welcher nach einem einjährigen Aufenthalt in Berlin wieder in seine südschwedische Heimatstadt Lund zurückkehrte, besaß in den Jahren 1917 bis 1919 in Stockholm ein Atelier. In diesen sogenannten Stockholmer Jahren schuf G.A.N. unter dem Einfluss des in Berlin kennengelernten Kubismus, Futurismus und der abstrakten Kunst Werke, in denen auch der Telefonturm Bildinhalt wurde. Offensichtlich hatte der Künstler aus seinem Atelierfenster direkten Blick auf den Turm, vgl. dazu das Gemälde "Min ateljé / Interiör" (Mein Atelier) aus dem Jahr 1919 (Sven-Harrys Konstmuseum, Stockholm). Auch ein historisches Foto zeigt G.A.N. im Malerkittel auf einer Brücke Stockholms mit dem markanten Turm im Hintergrund.
Das 1917 entstandene Aquarell "Telefonturm" zeigt eindrucksvoll die Auseinandersetzung des Künstler mit den kontinentalen Kunstströmungen. Die geometrischen Grundformen der Komposition und die klare, leuchtende Farbigkeit nehmen Bezug auf Wassily Kandinsky, über dessen Kunst er im Zusammenhang mit seiner Ausstellung in Gummesons Kunstgalerie in Stockholm 1916 eine Einführung publizierte.
Offensichtlich übergab G.A.N. die Arbeit neben anderen Werken dem Berliner Galeristen Herwarth Walden noch im Entstehungsjahr für die im Dezember 1917 geplante 58. Ausstellung zusammen mit Paul Klee und Gabriele Münter. Elf Arbeiten waren Bestandteil dieser Gemeinschaftsausstellung. Das Aquarell "Telefonturm" wurde auf dieser Ausstellung wohl nicht gezeigt, es ist im Katalog nicht eindeutig vermerkt. Man mag unterstellen, dass Friedrich Bienert, 1917 schwer verwundet aus dem 1. Weltkrieg heimgekehrt, das Werk direkt in der Galerie "Der Sturm" erwarb oder aber er es von seiner Mutter Ida geschenkt bekam. Seit ca. 1924 unterstützte er insbesondere junge Dresdner Expressionisten und war sicher auch, nicht zuletzt durch das Mäzenatentum seiner Mutter, mit Herwarth Walden, dessen Galerie bis 1929 existierte, und den dort ausgestellten Künstlern bekannt.

Lit.: Ahlstrand, Jan Torsten: Gösta Adrian-Nilsson: Arbeten på papper 1915–1924. Ausstellungskatalog Galerie Bel'Art Stockholm. Stockholm, 2015.

GAN. Gösta Adrian-Nilsson 1884–1965. Ausstellungskatalog Malmö Konsthall. Malmö, 1984.

Ragnar von Holten: Surrealism i svensk konst. Stockholm,1969. S. 30–36.

Ausstellungskatalog "Der Sturm". Leitung: Herwarth Walden. Dezember 1917, Achtundfünfzigste Ausstellung. Gösta Adrian-Nilsson, Paul Klee, Gabriele Münter. Gemälde und Aquarelle, Zeichnungen. Berlin, 1917.

Hans-Peter Lühr: Friedrich Bienert und der Geist von Weimar. Eine biografische Studie. In: Dresdner Hefte. Beiträge zur Kulturgeschichte. 31. Jg, Heft 116, 4/2013. S. 55–64.

In den Ecken je ein Reißzwecklöchlein. Die beiden re. Ecken mit unscheinbarer Knickspur, Malpappe dort minimal gestaucht. Malschicht vereinzelt mit leichten Kratzspuren (am o. Rand li. im schwarzen und blauen Bereich, im Schriftzug sowie re. oberhalb davon). Der u. und re. äußerste Randbereich vereinzelt mit unscheinbaren Anschmutzungen (Grafit?). Im weißen Innenbereich der re.o. Wolke mit einer Grafit- oder Kohlestiftwischspur. Verso die Randbereiche umlaufend mit einem alten, klebemontierten Papierband einer ehemaligen Rahmung, partiell gelöst und braune Klebemittelspuren freigebend. Das Etikett des "Sturms" sowie die römische Nummerierung zum Teil von dem Papierband verdeckt.

49 x 39 cm. 30.000-50.000 €
* Zzgl. Folgerechtsabgabe 2.00 %.
Zuschlag 120.000 €
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* Artikel von Künstlern, für die durch die VG Bildkunst eine Folgerechtsabgabe erhoben wird, sind durch den Zusatz "zzgl. Folgerechts-Anteil 2,5%" gekennzeichnet. (Versteigerungsbedingungen Punkt 7.4.)

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